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Wer folgt auf Berufsschüler und Asylbewerber?

Der Landkreis Bautzen möchte sich von einem Mehrfamilienhaus in Wiednitz-Heide trennen.

Dieses im Landkreis-Eigentum befindliche leerstehende Wohnhaus in der Wiednitzer Ortslage Heide gehört dem Landkreis Bautzen. Der will sich davon trennen.
Dieses im Landkreis-Eigentum befindliche leerstehende Wohnhaus in der Wiednitzer Ortslage Heide gehört dem Landkreis Bautzen. Der will sich davon trennen. © Archivfoto: Ralf Grunert

Wiednitz. Gleich drei Kaufinteressenten soll es für ein Mehrfamilienhaus in Wiednitz geben, das nach dem aktuellen Kenntnisstand 1918 errichtet wurde, eine bewegte Geschichte hinter sich hat, inzwischen aber seit mehr als zwei Jahren leer steht.

Bis Anfang der 1990er-Jahre war in dem Gebäude in der Lessingstraße die Berufsschule des 1992 geschlossenen und nachfolgend abgerissenen Braunkohlenwerkes Heide untergebracht. Es folgten Jahre des Leerstands, ehe sich Ende 1999 die Kamenzer Bildungsgesellschaft (KaBi) der Immobilie annahm. Die KaBi als 100-prozentige Tochtergesellschaft des damaligen Landkreises Kamenz, übernahm von diesem per Erbbaupachtvertrag die Immobilie.

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Im folgenden Jahr wurde das Gebäude in ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen verwandelt. Das geschah im Rahmen eines Projektes „Arbeit statt Sozialhilfe“. Hierbei kamen unter der Regie der KaBi neben mehreren Handwerksfirmen auch mehr als 20 Spätaussiedler zum Einsatz. Das Projekt hatte Modell-Charakter, denn der Umbau erfolgte durch Spätaussiedler für Spätaussiedler. Seinerzeit gab es in der Wiednitzer Ortslage Heide noch einen als Spätaussiedlerheim genutzten Wohnblock, der zu DDR-Zeiten ein Lehrlingswohnheim war. Bis zu 200 Spätaussiedler waren in dem Gebäude untergebracht, ehe es 2006 geschlossen und 2014 schließlich abgerissen wurde.

Statt Abriss erfuhr das Mehrfamilienhaus in der Lessingstraße im Jahr 2000 eine Wiederbelebung durch die KaBi. Das kostete rund 1,2 Millionen D-Mark, wobei die Hälfte der Gesamtsumme über das Projekt „Arbeit statt Sozialhilfe“ als Eigenleistungen beigesteuert wurde. Nach der Fertigstellung wurden die Wohnungen zur Vermietung angeboten. Vor rund zehn Jahren zog der letzte Mieter aus. Kurz vor dem Jahreswechsel 2011 erfolgte ein Neubezug. Fünf Familien unter anderem aus dem Iran und aus Afghanistan, die sich um Asyl in Deutschland bemühten, bekamen hier ein Dach über dem Kopf, nachdem die KaBi das Gebäude dem Landkreis Bautzen zur dezentralen Unterbringung von Asylbewerberfamilien angeboten hatte. Mittlerweile steht das Wohnhaus aber auch schon wieder seit mehr als zwei Jahren leer.

Der Kreis Bautzen, inzwischen Eigentümer der Immobilie, will sich davon trennen. Zuvor muss aber das Erbbaurecht der KaBi aufgelöst werden. Der Kreistag hat in der Dezember-Sitzung beschlossen, die dafür nötigen Schritte einzuleiten. Es wird davon ausgegangen, einen Verkaufspreis von 190.000 Euro zu erzielen. Damit muss aber ein auf der Immobilie lastendes Darlehn von gut 170.000 Euro abgelöst werden.

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