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Wespen-Plage hält Bekämpfer auf Trab

In der Notaufnahme des Seenland-Klinikums wurden mehr als 100 Insektenstiche registriert – weniger als im Vorjahr.

Ungewöhnlich viele Wespen sind seit Monaten zu beobachten und da nicht nur dort, wo es für sie etwas zu „naschen“ gibt.
Ungewöhnlich viele Wespen sind seit Monaten zu beobachten und da nicht nur dort, wo es für sie etwas zu „naschen“ gibt. © Foto: Adobe Stock

Hoyerswerda. Oliver Schreiber ist wie sein Vater Wolfgang in Hoyerswerda als Schädlingsbekämpfer tätig. „Ich bin noch stichfrei in diesem Jahr“, meint der 36-Jährige eher beiläufig und erzählt von einem Fall, da musste sich jemand mit etwa 50 Wespenstichen ins Krankenhaus begeben. So etwas passiert zum Glück nicht alle Tage. Schreibers erfahren davon nur, wenn Betroffene aus dem Krankenhaus kommen und Hilfe beim Schädlingsbekämpfer suchen.

In diesem Jahr waren Schreibers besonders häufig wegen Wespennestern auf Achse. „Es waren bisher etwa ein Drittel mehr Nester“, schätzt Wolfgang Schreiber, der sein Unternehmen in dieser Woche vor genau 30 Jahren gegründet hat. Dieses Jahr sei es so extrem wegen Corona, ist er sich sicher. „Viele Leute sind zu Hause. Es werden viel mehr Nester entdeckt und gemeldet.“ Allerdings sorgten die zuletzt milden Winter auch dafür, dass viele Insekten nicht mehr abgestorben sind. „Die Schad-Insekten werden immer mehr“, so seine Beobachtung. „Und Hornissen sind keineswegs vom Aussterben bedroht, wie immer wieder behauptet wird“, so die Einschätzung des Experten, der auf eine vierzigjährige Berufserfahrung zurückblicken kann. Ehe er sich am 1. September 1990 mit einem Angestellten selbstständig gemacht hat, war er zehn Jahre in der Abteilung Schädlingsbekämpfung des VEB Städtische Dienstleistungen in Hoyerswerda tätig.

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Zum Noteinsatz in Badehose

Mit Hornissen verbindet den 60-Jährigen ein besonders schmerzhaftes Erlebnis. Bei der Bekämpfung war ihm einmal um die Mittagszeit in den Kopf gestochen worden. Am Nachmittag hatte er ein Fußballspiel. „Ich bin bei jedem Kopfball vor Schmerzen in die Knie gegangen“, schildert er. Ein anderes Mal wurde er wegen eines Wespennestes in eine Garagenanlage gerufen, als er gerade seine Freizeit am Pool genoss. Es war ein Notfall. Alles musste schnell gehen. Wolfgang Schreiber hatte das Problem nach einer halben Stunde behoben – in Badehose und ohne einen Stich. „Zurückblickend muss ich sagen, dass das ziemlich leichtsinnig von mir war“, räumt er ein.„Aber gerade solche Erlebnisse machen diesen Job so interessant und abwechslungsreich“, merkt Cornelia Schreiber an. Sie war selbst mehrere Jahre mit ihrem Mann auf Tour, kümmert sich nach wie vor um die Büroarbeit und springt auch ein, wenn Not am Manne ist. Ein Schädlingsbekämpfer befinde sich in Dauerbereitschaft, merkt der 60-Jährige an. 24 Stunde am Tag, 365 Tage im Jahr. Der Terminkalender ist immer gut gefüllt. „Wenn jemand anruft, versuchen wir, die Zeit zu finden. Akute Fälle werden natürlich gleich erledigt.“

Unermüdliche Baumeister

Akute Fälle hatten in diesem Jahr häufig mit Feldwespen zu tun. Die haben sich zu einer Plage entwickelt. Auch weil sie Nester an allen (un)möglichen Stellen bauen – in Türschlössern, in Rohren und Vogelkästen, sogar unter der Kofferraumklappe eines Autos. „Die Feldwespe begegnet uns seit drei Jahren zunehmend. Vorher hat man die gar nicht wahrgenommen“, schildert Wolfgang Schreiber, der aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten muss und seit zwei Jahren seinen Sohn darauf vorbereitet, die Firma zu übernehmen. So, wie es von Beginn an der Plan von Schreibers war, auch wenn Oliver erst mal einen anderen Weg eingeschlagen hat. Er hat Maler und Lackierer gelernt und war zuletzt zwölf Jahre bei einem Hoyerswerdaer Dienstleistungsunternehmen tätig.

Ein Patient stationär behandelt

Während Schreibers und viele Menschen in diesem Jahr von einer Wespen-Plage sprechen, besagen die aktuellen Zahlen aus dem Lausitzer Seenland Klinikum etwas anderes. Demnach wurden 2019 in den Monaten Juni bis August 133 Patienten mit dem Vermerk „Insektenstich“ registriert. Zwischen Verdacht und tatsächlich gestochen wird nicht unterschieden. Für dieses Jahr weist die Statistik im gleichen Zeitraum 127 Patienten aus. Am häufigsten seien Stiche von Bienen, Wespen und Hornissen. „Nahezu alle Patienten, die sich mit einem Insektenstich vorgestellt haben, konnten ambulant behandelt werden“, war von Kyrill Hantschick, dem Chefarzt der Notfallaufnahme, zu erfahren. „Ein Patient musste aufgrund einer starken allergischen Reaktion stationär behandelt werden. Patienten mit lebensbedrohlicher allergischer Reaktion und intensivstationärem Aufenthalt sind nicht bekannt.“

Der Familienbetrieb Schreiber. Wolfgang Schreiber (v. r.) kann in dieser Woche auf das 30-jährige Bestehen seiner Firma zurückblicken. Ihm zur Seite stehen Ehefrau Cornelia und Sohn Oliver, der das Unternehmen einmal weiterführen wird.
Der Familienbetrieb Schreiber. Wolfgang Schreiber (v. r.) kann in dieser Woche auf das 30-jährige Bestehen seiner Firma zurückblicken. Ihm zur Seite stehen Ehefrau Cornelia und Sohn Oliver, der das Unternehmen einmal weiterführen wird. © Foto: Ralf Grunert
Dieses riesige Nest hatten Wespen im Zwischenraum der abgehangenen Decke des Blutspenderaumes einer Krankenkassenfiliale in Hoyerswerda gebaut. Blutspender waren gestochen worden. Schreibers entfernten das Nest. Das war im September 2000.
Dieses riesige Nest hatten Wespen im Zwischenraum der abgehangenen Decke des Blutspenderaumes einer Krankenkassenfiliale in Hoyerswerda gebaut. Blutspender waren gestochen worden. Schreibers entfernten das Nest. Das war im September 2000. © Archivfoto: Rico Hofmann

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