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Widerstand gegen Tests und Maskenpflicht

Präsenzunterricht ist wieder für alle Schüler möglich. Es gibt aber Eltern, die in Hoyerswerda einen anderen Weg gehen.

Frieda (3. Klasse/vorn links im Uhrzeigersinn), Charlie (5. Klasse) und Linus (5. Klasse) beim Erledigen ihrer Schulaufgaben im Hause Tröster in Hoyerswerda.
Frieda (3. Klasse/vorn links im Uhrzeigersinn), Charlie (5. Klasse) und Linus (5. Klasse) beim Erledigen ihrer Schulaufgaben im Hause Tröster in Hoyerswerda. © Foto: privat

Hoyerswerda. Unter der Schlagzeile „Normaler Schul- und Kitabetrieb unterhalb 50er-Inzidenz möglich“ informierte Sachsens Kultusministerium am vergangenen Mittwoch über die neue Corona-Schutz-Verordnung. Von Präsenzunterricht ohne Teilung der Klassen war da unter anderem die Rede. Peggy Grawunde schüttelt nur verständnislos mit dem Kopf, als sie erfährt, dass es bei einer zweimaligen Testpflicht pro Woche und dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bleibt.

„Das soll normaler Schulbetrieb sein?“, fragt sie. „Für mich und auch für meinen Sohn, der in der 5. Klasse ist, ist es unlogisch, nachdem er negativ getestet wurde, dass alle trotzdem in der Schule eine Maske tragen müssen, dass trotzdem kein Sportunterricht stattfindet und dass die Schüler keinen normalen Umgang mit ihren Klassenkameraden haben dürfen.“ Das will sie ihm und ihrer Tochter, die in der 1. Klasse ist, jedenfalls nicht zumuten.

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Ein Dutzend Schüler im Foucault

Wie Peggy Grawunde geht es auch anderen Eltern, die ihre Kinder aufgrund der Corona-Situation vom Präsenzunterricht abgemeldet haben. „Nach meiner Wahrnehmung wird diese Möglichkeit jedoch nur in wenigen Einzelfällen in Anspruch genommen“, ließ Vincent Richter vom Landesamt für Schule und Bildung wissen. Genaue Angaben können nur die Schulen selbst liefern, so sein Hinweis. Im Hoyerswerdaer Foucault-Gymnasium waren Ende letzter Woche zwölf der 656 Schüler vom Präsenzunterricht abgemeldet, ist von Schulleiter Uwe Blazejczyk zu erfahren. In der Grundschule Laubusch waren es zehn von 176 Kinder, so die Auskunft von Schulleiterin Monika Simmank. Und in der Oberschule „Korla Awgust Kocor“ in Wittichenau acht von 289 Schülern. Diese Zahlen nannte die Schulleiterin Ines Lesche. Nach Überzeugung von Mario Tröster aus Hoyerswerda könnten die Zahlen deutlich höher liegen. „Es gibt ganz, ganz viele Eltern, mit denen ich gesprochen habe, die haben gar keine andere Möglichkeit, als ihre Kinder auch unter diesen Bedingungen in die Schule zu schicken. Die würden sehr, sehr gern darauf verzichten, weil sie der Meinung sind, dass Masken und Testen gegen das Wohl und die körperliche Unversehrtheit der Kinder sind.“ Auch Mario Tröster hat seinen Sohn vom Präsenzunterricht abgemeldet und sich eine Alternative zum Schulbesuch unter den Bedingungen von Tests und Maske einfallen lassen.

Interesse geweckt für Plan B

„Ich habe Eltern, die daran interessiert sind, über die Elternsprecherin informiert, dass ich einen Plan B für diejenigen habe, die mit der Test- und Maskenpflicht nicht einverstanden sind.“ Zu diesem Zeitpunkt war Mario Tröster nach einer OP krankgeschrieben. „Sechs Eltern haben sich bei mir gemeldet und nachgefragt. Ihnen habe ich erklärt, dass ich bereit bin, mit den Kindern die Aufgaben, die sie von der Schule bekommen, zu lösen. Auch Sport im Garten wäre möglich. Es soll ähnlich ablaufen wie in der Schule“, schildert er. „Die Hälfte der Eltern hat sich dafür entschieden.“

Aktuell läuft es so, dass sich die Kinder am Morgen im Zuhause von Trösters einfinden und ihre Aufgaben bekommen. „Die werden abgearbeitet. Dann wird ein bisschen Sport im Garten gemacht. Auch Zeit für Pausen ist. Zwischendurch schaut jemand rein, ob alles klappt.“ Es sind mehrere Personen, die sich um die Kinder kümmern, da der Lehrer Mario Tröster längst wieder in der Schule unterrichtet. „Meistens gibt es ein gemeinsames Mittagessen. Gewöhnlich wird danach kontrolliert oder der Rest der Aufgaben erledigt. Am Nachmittag geht es nach Hause.“ Der Schulstoff, der abgearbeitet wird, sei weitgehend identisch mit dem im regulären Unterricht.

Und wie läuft es mit der Benotung? Die erfolge in der häuslichen Lernzeit individuell, erklärt Vincent Richter. „Die Lehrer entscheiden, wo das überhaupt möglich ist – und wo nicht. Wo keine Bewertung möglich ist, kann auch einfach mal nur «teilgenommen» auf dem Zeugnis stehen.“ Bis zu vier Kinder sind bei Trösters in Betreuung, darunter auch der Sohn von Peggy Grawunde. Diese hat zuvor verschiedene Varianten ausprobiert, wie es ohne Schulbesuch geht, hat ihren Jungen auch mal auf Arbeit mitgenommen. „Das hat alles nicht funktioniert“, erklärt die junge Frau und fügt erleichtert hinzu: Mit der Situation jetzt sind wir beide glücklich.“

Was muss passieren, damit sie ihre Kinder wieder in die Schule schickt? „Ich habe nichts dagegen, wenn sich mein Sohn in der Schule allein testet, aber danach müssen auch alle ohne Maske in der Klasse sitzen, einschließlich Lehrerin.“ Mario Tröster dagegen beharrt darauf: „Weder Test noch Maske.“ Aus seiner Sicht sind Tests nicht 100-prozentig aussagekräftig. „Die Maske ist für ein Virus ein Maschendrahtzaun. Für mich ist das nichts anderes als Geldmacherei von wenigen auf Kosten der Gesellschaft, auf Kosten der Kinder.“

Eine unmögliche Situation

Sein Sohn und andere Kinder haben seit Wochen, mit zwischenzeitlichen Lockerungen sogar über Monate, keine Schule von innen gesehen. Und wenn sich an den Test- und Masken-Regelungen nichts ändert, wird das auch für unbestimmte Zeit so bleiben. „Dann machen wir weiter, wie jetzt“, zeigt sich Mario Tröster kompromisslos. „Unser wichtigstes Anliegen ist, dass es unseren Kindern so gut wie möglich geht in dieser unmöglichen Situation, dass sie all das, was wichtig für ihre Entwicklung ist, auch in dieser Zeit haben.“

Und es gibt sogar schon Überlegungen, größere Räumlichkeiten zu suchen und Lehrer dafür zu gewinnen, die Kinder zu unterrichten. Natürlich nur, wenn die Kinder nicht mehr an Trösters Küchentisch passen. „Es gibt ehemalige Lehrer, die sich das sehr gut vorstellen können.“

Kontakt: Mario Tröster Tel. 015254278885

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