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Kanzlerin lässt fast ein Begräbnis platzen

„Sie bestatten?“ fragt die Theatergruppe der KulturFabrik Hoyerswerda in ihrem jüngsten Stück.

Auf der Bühne (v. li.): Kerstin Höckner, Jens-Uwe Röhl, Klaus-Peter Rosenstengel und Helene Déus. Rechts daneben: Dietmar Michaelsen.
Auf der Bühne (v. li.): Kerstin Höckner, Jens-Uwe Röhl, Klaus-Peter Rosenstengel und Helene Déus. Rechts daneben: Dietmar Michaelsen. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. So, wie das Leben, solle das Theater sein, meinte der große Theaterlehrer Konstantin Stanislawsi (1863 - 1938). Und so, wie der Tod – fügt Hoyerswerdas KulturFabrik hinzu, oder ihre Theatergruppe „einmaldiewoche“. Und so stellt sie dieser Tage schon einmal einen Sarg auf die Bühne im Saal des Bürgerzentrums. „Sie bestatten?“ ist der Titel der Komödie, deren Premierenbesucher bewiesen, dass man auch über Abstruses vom Ende des Lebens lachen kann. Schwarzen Humor nennt man das.

Für’s Krimidinner zu derb

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Das Stück stammt ursprünglich aus Frankreich. Aus „Das Beerdigungsinstitut Bemot“ von Sylvia Bruyant und Eva Dumont ist in der deutschen Fassung „Bestattung Sarg und Nagel“ geworden. Die KuFa-Theatertruppe ist mehr oder weniger darüber gestolpert, erzählt Mario Petermann, in Personalunion Bühnenbildner, Produktionsleiter, Techniker sowie neben Olaf Winkler einer der beiden Regisseure. Man sei ursprünglich auf der Suche nach einem Stück für die Krimidinner-Reihe gewesen. „Sie bestatten?“ ist dafür allerdings zu lang und, sagt Petermann, außerdem „zu derb“. Man will zu einem Satz á la „Wie sollen die Leute denn da Lust aufs Sterben bekommen?“ vielleicht nicht unbedingt kauen – schon gar nicht, wenn der Kontext, in dem er gesagt wird, durchaus komisch ist.

Und einer spielt sich selbst

Das Ensemble ist bewährt. Kerstin Höckner, zuletzt als Pretty eine erfindungsreiche Wirtin in „Halbpension mit Leiche“, kämpft dieses Mal als Gertrud Nagel um das – Achtung, Doppeldeutigkeit – Überleben des familieneigenen Bestattungsinstitutes. Unterstützt wird sie von ihrem Angestellten Gottfried Kreuzmair. Dargestellt wird er von Klaus-Peter Rosenstengel, dessen schauspielerisches Œuvre jüngst kurz und knapp im TAGEBLATT so umrissen wurde: „Ein König und ein Diener“.

KuFa-Chef Jens Uwe-Röhl, vor Jahresfrist noch im Weihnachtsmärchen der Lausitzhalle als tapsiger Bär im „Schneewittchen“ unterwegs, gibt nun den sterbenskranken Gottfried Graumann, der die letzten Dinge vor seinem Ableben gern selbst geregelt hätte. Röhls Tochter Helene Déus, besagtes „Schneewittchen“ aus dem Weihnachtsmärchen, ist Praktikantin Jasmin Wolf, die die anderen bei der Rettung der Firma schließlich handstreichartig vor sich hertreibt. Alko Hilscher, an dessen steinalt-kauzige Amme aus „Es war die Lerche“ man sich gern erinnert, hat eine Gastrolle als Hinterbliebener. Und dass Dietmar Michaelsen einen Radio-Nachrichtensprecher spielt, lässt Insider schmunzeln. Er verdiente im wahren Leben über viele Jahre nämlich tatsächlich als solcher sein Geld.

Wie bei Millowitsch

Die Regieeinfälle reichen von einem Anruf der Bundeskanzlerin, der beinahe eine Beerdigung platzen lässt, über ein recht berühmtes Zitat aus dem Louis-de-Funés-Film „Hasch mich, ich bin der Mörder“ bis hin zur Musikauswahl, die so bizarr anmutet wie der Plot. Der Besucher trifft da tatsächlich auf einstige Schlagerstars wie Gerhard Wendland, Rita Paul oder Ivo Robić. Man trägt schließlich am Ende tatsächlich einen Sänger zu Grabe, der im französischen Original wie in der deutschen Adaption Bernard Dylan heißt. Das Türenklappen in der Kulisse steht dem, was man so aus dem Millowitsch-Theater oder aus dem „Ferienheim Bergkristall“ kennt, zeitweise in nichts nach. Aber nicht nur deshalb ist es korrekt, die etwas aus der Mode gekommene Bezeichnung „Lustspiel“ zu verwenden. Und irgendwann können die Besucher schließlich auch das Wort Thanatopraxie einordnen. Zum Ende hin (!) heißt es schließlich „Es lebe der Tod!“

Lob vom Publikum

Als die Premieren-Gäste den Saal verließen, durfte sich KuFa-Geschäftsführer Uwe Proksch über Lob freuen. „Super war‘s wieder, toll“, hieß es da, „War schön wie immer“ oder „Da habt Ihr ja wieder was verzapft – cool“. Das Ensemble hatte sich hinter die Bühne zurückgezogen. Ein den Abend füllendes Stück strengt an, wenn man es nicht gerade im Saal sitzend erlebt.

„Sie bestatten?“ wird noch einmal an diesem Sonnabend ab 20 Uhr im Bürgerzentrum gezeigt. Die Aufführung ist ausverkauft, weitere sind in Vorbereitung.

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