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Wie hilft man den Leuten an der Kühnichter Straße?

Die Planungen für eine Entlastung am Rand von Hoyerswerdas FKO haben die Diskussion angeheizt.

Das Wohnen an der Kühnichter Straße zwischen Merzdorfer Straße und Ortsausgang ist kein Vergnügen.
Das Wohnen an der Kühnichter Straße zwischen Merzdorfer Straße und Ortsausgang ist kein Vergnügen. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Eines steht fest: So sehr viele Freunde hat die im Hoyerswerdaer Rathaus entwickelte Idee, zur Entlastung der Kühnichter Straße eine neue Verbindung zwischen Weinert- und Nieskyer Straße zu bauen, nicht. Vorige Woche zum Beispiel – das Thema stand nicht einmal auf der Tagesordnung – meldete sich im Jugendstadtrat Maximilian Rother zu Wort, um dem anwesenden Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) seine Bedenken dazu mitzuteilen: „Ich fände das schade, denn viele Kinder unternehmen ihre ersten Schritte alleine in den FKO.“ Der Schüler des Foucault-Gymnasiums befürchtet auch mehr Krach für die Patienten im Lausitzer Seenland-Klinikum und wollte abschließend wissen: „Muss diese Straße wirklich sein?“

Online-Petition gegen Neubau

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270 Personen haben schon deutlich gemacht, dass sie das nicht so sehen. Sie hatten bis Montagvormittag eine Online-Petition der Dörgenhausenerin Dagmar Steuer an das Stadtoberhaupt unterzeichnet. Ihre kurze Forderung: „Keine Umgehungsstraße durch den Freizeitkomplex Ost“. Die Frage war schon im Februar vorigen Jahres mit einem bei 21 Ja-Stimmen, einer Ablehnung sowie fünf Enthaltungen gefassten Stadtratsbeschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans akut geworden. Sie kocht nun wieder hoch, nachdem die Stadtverwaltung vor vier Wochen mitgeteilt hat, welche von zwei möglichen Verlaufsvarianten bevorzugt werden würde. Theoretisch, denn in trockenen Tüchern ist die Sache noch lange nicht, machte Torsten Ruban-Zeh auch im Jugendstadtrat deutlich. Sie werde die Stadträte und die Stadtrats-Ausschüsse weiterhin beschäftigen: „Es gibt ein Für und Wider, und das müssen wir gemeinsam abwägen.“

Schutz vor Lärm gefordert

Vier Tage später hatte der Rathauschef drei Anlieger der Kühnichter Straße zu Gast. Schließlich war es eine im Dezember 2018 abgeschickte Petition mit 44 Unterschriften, die die Sache ins Rollen gebracht hatte. Überschrift: „Unzumutbarer Verkehrslärm in der Kühnichter Straße“. Aufgesetzt hatte das Schreiben Bernd Kummer, nun einer der drei Besucher im Rathaus. „Wir brauchen diese neue Straße nicht. Sie war ja auch nicht unsere Idee“, rief er ins Gedächtnis. In der Tat: Das Schreiben schildert, wie erhöhtes Verkehrsaufkommen, eine merkbare Zahl an Tempo-Sündern sowie der schlechte Straßenzustand und das damit verbundene Poltern der Fahrzeuge für unschöne Zustände sorgen. Zudem wird auf die Gefährdung von Radfahrern aufmerksam gemacht. Seit der Fertigstellung des neuen Radweges zum Scheibe-See im Oktober 2019 müssen sie zumindest noch vom Kastanienweg bis zur Buswendeschleife zwischen Löchern und Huckeln sowie dem Kfz-Verkehr navigieren.

Die Petition vom Dezember 2018 schlug eine Sanierung der Kühnichter Straße sowie Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung wie etwa einen Kreisverkehr oder eine Verkehrsinsel am Ortseingang vor. Zudem enthielt sie noch die Bitte, die zulässige Höchstgeschwindigkeit ganztägig auf 30 Stundenkilometer zu begrenzen. Immerhin: Mit dem Wochenbeginn ist schon der länger angekündigte neue Blitzer aufgestellt worden. In den nächsten Tagen soll er auch erstmals in Betrieb gehen.

„Die Petition fordert nicht die Kühnichter Spange“, wiederholte im Rathaus Dieter Kowark. Denn auch der ehemalige Feuerwehrchef ist unter den Anwohnern. Er persönlich fände eine Straße am Nordrand des Gebietes, das früher als Indianerdorf bekannt war, selbst recht unschön: „Ich beobachte viele Familien, die gerade aus dem WK VIII ins FKO kommen.“ Nicht einmal Torsten Ruban-Zeh scheint von der Idee seiner Verwaltung überzeugt zu sein, dass die Kühnichter Südumfahrung die ideale Lösung für die Probleme der Anlieger der Kühnchter Straße wäre: „Es ist nicht zwingend, dass der Neubau den Verkehr auf der Kühnichter Straße verschwinden ließe. Das wäre wohl nur der Fall, wenn man die Kühnichter Straße zu machen würde.“

OB schlägt Einbahnstraße vor

Der Oberbürgermeister stimmt auch einem Einwand von Hartmut Jäschke zu. Dieser hatte dem TAGEBLATT geschrieben, die Umfahrung würde neue Sorgen an der ebenfalls nicht makellosen Weinertstraße schaffen – mit einer Abfahrt ziemlich genau gegenüber der neuen Wohnanlage der LebensRäume. Beim Treffen im Rathaus waren sich die Kühnichter mit dem OB auch dazu einig, dass die am Südende des Kastanienwegs wohnenden Familien mit dem anderen Knotenpunkt vor ihren Grundstücken sicherlich auch nicht unbedingt so glücklich wären.

Ruban-Zeh sagt, für ihn stünde außer Frage, dass etwas verändert werden müsse. Er schlägt vor, aus der Kühnichter Straße eine unechte Einbahnstraße mit abgetrennter Fahrradspur zu machen. Stadtauswärts sollen alle fahren können, stadteinwärts nur Busse, Krankenwagen, zwingend notwendiger Lieferverkehr fürs Kühnichter Gewerbe und Radler. Später könnte man dann die Straßensanierung angehen; unter Erhalt der Alleebäume. Freilich wird das wohl nicht so schnell passieren. Denn das Stadtoberhaupt sagt, es wäre sicher weniger schwierig, Fördergeld für die Kühnichter Spange mit der Begründung der Anbindung der Stadt an den Scheibe-See zu bekommen. Man könne aber so kaum für die Sanierung der Kühnichter Straße argumentieren, wenn man auf dieser gleichzeitig den Verkehr beschränken wolle.

Dieter Kowark meint, man sollte die Angelegenheit wohl besser nicht isoliert betrachten, sondern im Zusammenhang mit der Entwicklung sowohl des Scheibe-Sees wie auch des Freizeitkomplexes: „Das ist in Gänze zu sehen.“ Torsten Ruben-Zeh findet diese Argumentation durchaus stichhaltig: „Es geht um die Kühichter Straße, um den Ort Kühnicht und um die Weiterentwicklung der Stadt Hoyerswerda in Richtung Scheibe-See.“ Festzulegen sei, welche Prämissen man dazu setzen wolle.

Workshop zur Ideenfindung

Er möchte diese Fragen auch nicht dem Stadtrat allein überlassen. Im Gespräch war beim Besuch der Kühnichter im Rathaus nämlich eine Einwohnerversammlung in der Art der Stadtwerkstätten wie es sie zuletzt zur Frage des Stadtleitbildes und des daraus abgeleiteten Handlungsprogramms gegeben hatte. Die Rede ist von einem Workshop zur Ideenfindung.

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