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Wie weiter mit dem Rotschlamm-See?

Bündnis 90 / Die Grünen wollen den Umgang mit Heide V wieder auf die Tagesordnung setzen.

Heide V wirkt recht idyllisch. Das Wasser ist allerdings voller der Gesundheit nicht gerade zuträglicher Schadstoffe.
Heide V wirkt recht idyllisch. Das Wasser ist allerdings voller der Gesundheit nicht gerade zuträglicher Schadstoffe. © Foto: Gernot Menzel

Reichlich ein halbes Jahrhundert, nachdem 1968 im Tagebau Heide (vormals Grube Heye III) die letzte Braunkohle gefördert wurde, sind zum Umgang mit den Hinterlassenschaften immer noch Grips und Geld zu investieren. Der Restsee Heide VI ist laut Bergbausanierer LMBV ein typisch bergbaulich beeinflusstes Gewässer: hohe Eisen- und Sulfatkonzentration, aber niedriger pH-Wert, sprich sauer. Man mache sich gerade Gedanken über eine Behandlungsanlage für das aus dem See ablaufende Wasser. Ziel sei, die Gräben im Unterlauf ökologisch aufzuwerten, so die LMBV.

So weit ist es beim Restsee Heide V lange nicht. Man hatte ihn Anfang der 1970er abgetrennt und dann fast zwei Jahrzehnte lang einen Reststoff aus der Aluminium-Produktion im benachbarten Lauta eingespült. 2,3 Millionen Tonnen Rotschlamm liegen etwa fünf Meter dick auf dem Grund von Heide V. „Hier sind unwahrscheinlich viele Schwermetalle mit drin. Der Wasserkörper ist sehr geschädigt“, sagt Susann Kolba. Sie ist Anwohnerin im gut ein Kilometer entfernt gelegenen Lauta-Dorf und die Bautzener Kreisvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen. Ihr Co-Vorsitzender Jens Bitzka lebt ebenso in Lauta.

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Sorgen um das Grundwasser

Vertreter der Partei haben zum Beginn dieser Woche darauf aufmerksam gemacht, dass da zwischen Lauta, Leippe, Hohenbocka und Hosena noch ein Problem zu lösen ist. Insbesondere sorgen sie sich um den Übertritt von Schadstoffen ins Grundwasser. Ganz offiziell ist Heide V Teil des sogenannten Ökologischen Altlastengroßprojektes Lautawerk. Dafür verantwortlich zeichnet die bundeseigene Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten. Jene Gesa verweist auf die Überwachung von See und Grundwasser.

„Der Wasserkörper des Rotschlammrestlochs Heide V ist stabil, eine Belastung des Grundwassers ist nur in der nordöstlichen Abstromrichtung zu verzeichnen, allerdings weist sie nur eine geringe Verbreitung auf und gilt deswegen als ortsstabil. Eine Gefahr geht von der Grundwasserbelastung nicht aus“, lässt die Gesa-Geschäftsführung auf Anfrage wissen.

André Halko aus Lauta-Dorf, der sich intensiv mit Heide V befasst, spricht dagegen von einer Schadstofffahne: „Sie zieht sich Richtung Schwarze Elster, in Richtung des Seenlandes“, sagte er beim Vor-Ort-Termin, bei dem neben den Grünen-Kreisvorsitzenden aus Bautzen sowie Annett Jagiela, die dasselbe Amt im Kreis Görlitz innehat, auch ihre Amtskollegin Heide Schinowsky aus dem Spree-Neiße-Kreis anwesend war. Schließlich läuft die sächsisch-brandenburgische Grenze genau durch Heide V. Und dann stand da mit Gerd Lippold auch noch ein Staatssekretär aus dem grün-geführten sächsischen Umweltministerium vor dem Zwölf-Kilometer-Zaun, der Heide V umgibt.

Fachgespräch mit den Beteiligten

Susann Kolba war es, die vier Forderungen aufmachte. Erstens findet sie das Grundwassermonitoring nicht ausreichend. Es geht also um weitere Messstellen. Zweitens hält sie die Information der Anrainer für mangelhaft. Man könne zwar zum Umweltamt fahren und Einsicht in Akten haben. Es solle jedoch, meint sie, besser eine Webseite eingerichtet werden, von der die Messwerte abzulesen sind. Außerdem hätte sie gern Vertreter der involvierten Behörden beziehungsweise Firmen regelmäßig zur Bürger-Information vor Ort. Drittens wünscht sich Susann Kolba die Möglichkeit, dass Anrainer ihr Grundwasser und ihren Boden auf Schadstoffe untersuchen lassen können. Und viertens solle ein Sanierungskonzept für Heide V her.

Es gab wohl zwischenzeitlich Überlegungen, Eisenhydroxid, das die LMBV in Mengen aus anderen Gewässern holt, einzuspülen, um die Schwermetalle zu binden. Winfried Böhmer vom Bündnis „Klare Spree“ findet, wenn machbar solle man diesen Weg weiterverfolgen. Staatssekretär Lippold nannte die See-Sanierung ein „Generationenthema“, für das es keine schnellen Lösungen gebe. Er will nun aber alle Beteiligten zu einem Fachgespräch an einen Tisch holen. Denn dass nun so viele Jahre ins Land gegangen sind, liege neben der Komplexität des Themas wohl auch an verschiedenen Teilzuständigkeiten.

Susann Kolba, die Bautzener Kreisvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen, hat konkrete Forderungen - vor allem eine bessere Information der Anrainer betreffend.
Susann Kolba, die Bautzener Kreisvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen, hat konkrete Forderungen - vor allem eine bessere Information der Anrainer betreffend. © Foto: Gernot Menzel

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