merken
PLUS Hoyerswerda

Wieder Kunst für alle in Hoyerswerda

Unter dem Titel „Territorium“ sind Fotos von Veränderungen in Noch-Kohleregionen zu sehen.

Künstlerin Yvonne Most und Laudator Michael Kruscha kamen bei der Vernissage ins Gespräch.
Künstlerin Yvonne Most und Laudator Michael Kruscha kamen bei der Vernissage ins Gespräch. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Menschen aus Hoyerswerda und Umgebung treffen sich im Bürgerzentrum Braugasse I. Sie erfreuen sich an live gespielter Harfenmusik von Thea-Laurine Scholz und an künstlerischen Aufnahmen von drei Fotografen. Was so normal klingt, ist nach den vielen Monaten des Corona-Lockdowns ein echtes Ereignis. KulturFabrik-Geschäftsführer Uwe Proksch konnte am vergangenen Freitag die 21. Kunstraum-Ausstellung eröffnen und so den Startpunkt für die kommenden Sommeraktivitäten der Kultureinrichtung setzen.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Unter dem Titel „Territorium“ zeigen Yvonne Most, Matthias Jung und Thorsten Lützner noch bis zum 29. August ihre Fotos, die Veränderungen in den Noch-Kohleregionen Lausitz und Nordrhein-Westfalen einfangen. Die Künstler beschäftigt die Frage: „Wie fotografiert man Verschwinden?“, erklärt Ausstellungskurator Michael Kruscha. Bis ins 19. Jahrhundert war die Lausitz von Feldern und bäuerlicher Wirtschaft geprägt. Dann folgten Braunkohletagebaue, die nach dem Willen der Politik bis 2038 verschwinden werden. Schon jetzt sind viele ausgekohlte Gruben durch Rekultivierung in Seen verwandelt worden. Das hat das Gesicht der Lausitz dauerhaft verändert. Thorsten Lützner aus Hoyerswerda zeigt mit seiner Kamera an all diesen Orten streng gezogene Linien, die das Einwirken des Menschen sichtbar machen.

Die Hallenserin Yvonne Most, deren Vorfahren 1945 aus dem Sudetenland vertrieben worden waren, spürt dem Heimatverlust und seinen Auswirkungen auf Menschen nach. Sie hat Sorbinnen in ihren hübschen Trachten fotografiert, weil diese Kleidung den Frauen unverbrüchlich die Zugehörigkeit zu ihrem Volk vermittelt. Einige Fotos zeigen aber auch Stahlrohre im Wald und die Grubenkante eines Tagebaus. Diese Veränderungen und der damit einhergehende Verlust von Naturlandschaft in Kohleregionen wird in anderen Teilen Deutschlands erst jetzt durch die Beschlüsse zum Strukturwandel bekannt, erzählt Yvonne Most. Ihre Bilder, die sie schon in Halle und Berlin gezeigt hat, sollen diese Thematik zu den Menschen tragen.

Matthias Jung stellt in Fotos aus den vergangenen zehn Jahren den Strukturwandel in Nordrhein-Westfalen dar. Während der Auseinandersetzungen um den Hambacher Wald hat er Umweltaktivisten porträtiert und Menschen, die ihre Heimatorte wegen der Erweiterung von Tagebauen verlassen mussten. Bilder der leergezogenen Kleinstadt Immerath haben die Lausitzer Dokumentarfilmerin und Journalistin Grit Lemke an Dörfer im hiesigen Revier vor dem Abriss erinnert. Der Widerstand gegen den Heimatverlust war in Ost und West schwierig, einigten sich die Zeitzeugen. In der DDR konnte Öffentlichkeit zu dem Thema nur schwer hergestellt werden und im Westen ist es kaum gelungen, gemeinsame Aktionen der bedrohten Orte zu organisieren. „Umweltschützer sind heute ein kleines Korrektiv für das Tun der Leag“, sagt Grit Lemke, die sich aktiv für den Erhalt ihrer Heimat einsetzt.

Mehr zum Thema Hoyerswerda