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Hoyerswerda

Wiederentdeckung des Unbekannten

„Rausch der Bilder“ – ein brasilianischer Kunstsammler stellt im Cottbuser DKW aus. Werke von DDR-Künstlern, Werke, deren Weg einst an den Amazonas führte.

 2 Min.
Ausschnitt eines Werkes von Helge Leiberg (gebürtig in Dresden) – „Ohne Titel“.
Ausschnitt eines Werkes von Helge Leiberg (gebürtig in Dresden) – „Ohne Titel“. © Foto: BLMK

Von Beowulf Kayser

Cottbus. Die Lebensgeschichte von Chagas Freitas erinnert an den Tellerwäscher, der aber niemals zum Millionär werden wollte. Er wuchs im Urwald Brasiliens in armen Verhältnissen auf, wurde später Kulturattaché (ein eher niederer diplomatischer Dienstgrad) in der Hauptstadt der DDR, in Ost-Berlin. „Dort avancierte er Mitte der 1980er Jahre zu einem der wichtigsten Kunstsammler“, heißt es in seiner Vita. Freitas sammelte fast ausschließlich Werke von Künstlern, die im Arbeiter- und Bauernstaat nicht besonders im Mittelpunkt standen und sonderlich bekannt waren. Dazu kamen später auch Kunstwerke aus seiner brasilianischen Heimat. Knapp 1.200 Werke sind es bisher geworden. Die „Größte Sammlung von Kunst aus der DDR im Ausland“ ist heute in einem Depot gelagert, das sich an einem geheimen Ort in Brasilien befinden soll. Kapital hat der heute 66-jährige Ex-Diplomat, der viele Kontakte zu KünstlerInnen in Berlin, Dresden oder Leipzig hatte, allerdings nicht aus seiner Sammelleidenschaft geschlagen. Ihm ging es besonders um eine Spurensuche aus der Kunstszene der DDR im internationalen Kontext.

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Auch ein Porträt des Gebers ist dabei

Das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) bietet nun mit der neuen Ausstellung „Rausch der Bilder. Die Sammlung Chargas Freitas. Kunst aus der DDR und ihre Reise nach Brasilien“ die einmalige Chance, einige der Schlüsselwerke erstmals öffentlich in Deutschland zu sehen. „Zu sehen sind etwa 70 Werke von rund 40 Künstlern“, sagte BLMK-Sprecher Martin Moser. Gezeigt werden sie noch bis zum 27. Februar 2022 in den Ausstellungsräumen M1, M2 und M3 des Cottbuser Dieselkraftwerks, jeweils Dienstag bis Sonntag, 11-19 Uhr. Dabei sind unter anderem Malereien, Handzeichnungen und Druckgrafiken von Gerda Lepke und Max Uhlig (Dresden), Horst Bartnig (Berlin) und des 1987 in Berlin gestorbenen Hermann Glöckner. Zu sehen sind in den zweiteiligen Gruppenausstellungen auch brasilianische Gemälde und Zeichnungen, unter anderen von Axel Flemmig, Jose Spaniol und Carlito Carvalhosa. Der Brandenburger Kunstpreisträger Peter Herrmann präsentiert sein 1989 entstandenes Porträt (Öl auf Leinwand) des leidenschaftlichen Kunstsammler Francisco Chagas Freitas.

„Rausch der Bilder. Die Sammlung Chagas Freitas“ – Ausstellung im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus (Am Amtsteich) bis 27. Februar 2022, geöffnet Dienstag bis Sonntag, jeweils 11-19 Uhr

Für BesucherInnen gilt bis auf Weiteres die 2G-Regel: Nachweis einer Impfung gegen Corona beziehungsweise einer Genesung von besagter Virus-Infektion.

Auszug des Porträts Francisco Chagas Freitas’ von Peter Herrmann.
Auszug des Porträts Francisco Chagas Freitas’ von Peter Herrmann. © Foto: BLMK
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