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„Wir werden viel voneinander lernen“

Die Digitalisierung in der Oberschule Lohsa ist eine große Herausforderung für die Schüler und die Pädagogen gleichermaßen.

Die Oberschule Lohsa ist neben der Oberschule Lauta und der Förderschule in Bautzen Modellschule für die Digitalisierung.
Die Oberschule Lohsa ist neben der Oberschule Lauta und der Förderschule in Bautzen Modellschule für die Digitalisierung. © Foto: Andreas Kirschke

Lohsa. Die Digitalisierung in der Oberschule Lohsa stellt Schüler und Lehrer vor enorme Herausforderungen. „Wir werden viel voneinander lernen“, unterstreicht Andrea Bartoschek, amtierende Schulleiterin und seit zwölf Jahren Lehrerin für Mathematik und Physik in der Schule. 

„Wir hoffen, dass wir zum Jahresende die Geräte in Betrieb nehmen können. Der Physik-Raum wird zunächst unser Muster-Raum in der praktischen Ausstattung mit digitaler Tafel und mit Tablets.“ Die Schule, die sich in Trägerschaft des Landkreises Bautzen befindet, hat ein klares Konzept erstellt. Es regelt die Nutzung, den Umgang, die Wartung und die Fortbildung. Soll doch jeder schrittweise lernen, mit der neuen Technik umzugehen. „Sie muss nicht nur zuverlässig in der Praxis funktionieren. Zugleich muss die regelmäßige Begleitung, Betreuung und Weiterbildung durch eine Fachkraft durch den Schulträger für uns gewährleistet sein. Wir Lehrer allein vor Ort können das nicht leisten“, sagt Andreas Palzer, seit zwölf Jahren Lehrer für Mathematik, Physik und Informatik in der Schule.

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Lohsa ist – außer der Lindenschule Bautzen und der Oberschule Lauta – eine der drei Pilot-Schulen im Landkreis Bautzen. Das Projekt „Digitalisierung Schulen“ läuft seit 2018. „Es hat für den Landkreis, insbesondere was die finanzielle und personelle Ausstattung betrifft hohe Priorität“, erklärt Pressesprecherin Mandy Noack. Dem Landkreis Bautzen als Träger von 30 Schulen und schulischen Einrichtungen stehen insgesamt 6,742 Millionen Euro Fördermittel aus dem „DigitalPakt Schule“ zur Verfügung. Davon stellen der Bund 90 Prozent und der Freistaat zehn Prozent bereit. Der Landkreis will die Gelder je nach der Schülerzahl auf die Schulen verteilen.

Laptops, Tablets und Digitaltafeln

Für die genannten drei Modellschulen genehmigte der Kreistag im Mai 2020 Mittel in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Davon sind 682.000 Euro Eigenmittel des Landkreises und 518.000 Euro Fördermittel. In der Oberschule Lohsa konkret werden das vorhandene Computer-Kabinett und das Medien-Zimmer mit Laptops erneuert. „Die Schule erhält zusätzlich vier digitale Tafeln sowie einen Klassensatz Tablets“, so Mandy Noack. Innerhalb der Erprobungsphase, so versichert sie, will der Landkreis die Betreuung und Begleitung regeln. Der Freistaat Sachsen plant zudem eine weitere Förderung mit dem Schwerpunkt auf „Unterstützung und Wartung“. Details sind dem Landkreis noch nicht bekannt.

Medienkompetenz im Schulalltag

Der Landkreis selbst erstellt derzeit seinen Medienentwicklungsplan für die Schulen in seiner Trägerschaft. „In diesem wird die weitere Entwicklung des medienpädagogischen Ausbaus dargelegt“, erläutert die Pressesprecherin und verdeutlicht die langfristigen Hoffnungen des Schulträgers: „Die Digitalisierung stellt die Grundlage dar für die Vermittlung von Medienkompetenz im Schulalltag. Der Landkreis erhofft sich davon, die Schüler optimal auf die Berufsausbildung sowie das Studium vorzubereiten. So können Nachwuchskräfte gefördert werden, die der Landkreis benötigt, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Stetig will der Landkreis die Erfahrungen aus den drei Modellschulen analysieren. Bisher, so führt Mandy Noack aus, konnten insbesondere Erfahrungen für die bautechnische Umsetzung gesammelt werden. Für den Betrieb und die Arbeit mit den Endgeräten sowie das Netzwerksystem erhofft sich der Landkreis ebenfalls wichtige Feststellungen. „Alle Ergebnisse und Erkenntnisse fließen in den Medienentwicklungsplan des Schulträgers ein“, sagt die Pressesprecherin und fügt an: „Der aktuelle Plan sieht vor, dass in den Sommerferien 2021 sieben weitere landkreiseigene Schulen im Rahmen der Digitalisierung ertüchtigt werden sollen. Die Vorplanungen dafür haben bereits begonnen.“

Technik ist kein Lehrer-Ersatz

In Lohsa stellen sich Schüler und Lehrer auf die Digitalisierung ein. Gerade in der Zeit der strikten Kontaktsperre („Lock-Down“) im April verlief der gesamte Schul-Alltag nur digital. Per e-mail erhielten die Schüler Aufgaben zugesandt. „Es war schwierig, durchweg motiviert und konzentriert zu bleiben. Das Schwierigste war, sich in die Aufgaben hineinzudenken“, erzählt Schüler Gilbert Knips (15) aus der Klasse 9 A. Im April lernte er wie die anderen nur zu Hause. Ab Mai durfte die Klasse donnerstags in der Schule lernen. Mitschülerin Franka Schimank (14) aus der 9 A ging es ähnlich. „Bei den Aufgaben inhaltlich mitzukommen, war manchmal kompliziert. Wir haben dann miteinander in der Gruppe telefoniert, wenn wir etwas vom Lernstoff nicht verstanden haben“, erzählt die Schülerin. Fazit der beiden Schüler: Die modernste Technik kann einen guten Lehrer nicht ersetzen; das Lernen zu Hause kann das gemeinsame Lernen in der Schule nicht ersetzen. „Irgendwie hat sich jeder wieder auf die Schule gefreut“, meint Gilbert Knips im Rückblick. Nicht jeder Lernstoff ließ sich für seine Klasse in der Zeit des „Lock-Downs“ vermitteln.

Jugendliche wie Franka und Gilbert wachsen mit Smartphone, Tablet und Laptop heute wie selbstverständlich im Alltag auf. „Von ihrer Unbefangenheit, Unvoreingenommenheit und Neugier können wir Lehrer lernen. Wir können lernen, uns sicher mit der neuen Technik zu bewegen“, meint Schulleiterin Andrea Bartoschek. „Die Schüler wiederum können lernen, dass die neue Technik auch für andere Bereiche als nur Musik und Spiele dienlich ist. Sie können lernen, dass die neue Technik auch Grenzen hat.“

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