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Wissen von Zeitzeugen bewahrt

Der VVN-BdA Hoyerswerda lehrt die Jugend, aus der Geschichte zu lernen.

Vertreter des Bundes der Antifaschisten legen Blumen am Ehrenhain in Hoyerswerda nieder.
Vertreter des Bundes der Antifaschisten legen Blumen am Ehrenhain in Hoyerswerda nieder. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Das Jahr 2021 kennzeichnet zwei Jubiläen, die Jahrzehnte auseinanderliegen und doch zusammengehören. Am 22. Juni 1941 begann Nazideutschland seinen Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion. 27 Millionen Sowjetbürger, egal ob Kind, Erwachsener oder Rotarmist, ob slawischer, jüdischer oder asiatischer Herkunft, wurden von deutschen Soldaten umgebracht. Um an diese Gräuel zu erinnern, haben genau 80 Jahre später Vertreter des Stadtverbandes der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Hoyerswerda, Bürgermeister Mirko Pink und die demokratischen Parteien des Stadtrates am Ehrenhain Blumen niedergelegt.

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Der Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Kreistag Bautzen, Ralph Büchner, formuliert in seiner Rede: „Das ist der höchste Blutzoll aller Völker, die gegen den Hitlerfaschismus gekämpft haben, doch diesen Opfern hat Deutschland viel zu lange die Anerkennung verweigert.“ Am Ehrenhain liegen 196 Sowjetsoldaten, die sie jetzt nachträglich erhalten. Mit Worten des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der zu dem Thema am 18. Juni gesprochen hat, fährt er fort. „Nur wer die Spuren der Vergangenheit in der Gegenwart lesen lernt, nur der wird zu einer Zukunft beitragen können, die Kriege vermeidet, Gewaltherrschaft ablehnt und ein friedliches Zusammenleben in Freiheit ermöglicht.“

Um genau dieses Ziel zu erreichen, organisieren der VVN-BdA Stadtverband Hoyerswerda, die Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven (RAA) Hoyerswerda/Ostsachsen und die Stadt Hoyerswerda seit 1996 das Schülerprojekt „Wider das Vergessen“, sagt Regina Elsner. Als Vorsitzende des VVN-BdA Stadtverband Hoyerswerda erklärt sie, heutige Gymnasiasten, Ober- und bis vor zwei Jahren Förderschüler der Klassenstufen 9 und 10 sollen Rassismus und Fremdenhass in der Gegenwart erkennen lernen, diese Haltung ablehnen und stattdessen das demokratische Miteinander stärken. Die Projektteilnehmer aus Hoyerswerda besuchen Konzentrationslager und reflektieren ihre Erlebnisse vor daheimgebliebenen Klassenkameraden. Jedes Jahr finden Gespräche mit KZ-Überlebenden und Widerstandskämpfern gegen das Naziregime oder mit deren Nachfahren aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz statt. Um das Wissen der Zeitzeugen für künftige Generationen festzuhalten, haben einige Jugendliche in einem Filmprojekt der RAA Hoyerswerda/Ostsachsen fünf dieser Menschen vor der Kamera befragt, erzählt Regina Elsner.

Im Schuljahr 2018/19 hat der Foucault-Gymnasiast Tim Wende eine Facharbeit über das Leben des Antifaschisten Fridolin Seydewitz (1919-2016) geschrieben. Dieses Material wurde von dem Kamenzer Historiker und Autoren Dieter Rostowski zu einer Broschüre verarbeitet. Nach der Kranzniederlegung hat er sie erstmals im Bürgerbüro Die Linke Hoyerswerda vorgestellt. Fridolin Seydewitz wurde als Kind sozialdemokratischer Eltern in Nazideutschland verfolgt. Als deutscher Kommunist ist er in der Sowjetunion 1938 aufgrund fadenscheiniger Anschuldigungen zu acht Jahren Gulag verurteilt worden. Erst 1948 konnte er nach Sachsen ausreisen. Bis zum Renteneintritt 1979 arbeitete Fridolin Seydewitz im Bereich Wirtschaftskriminalität bei der DDR-Staatsanwaltschaft. Ab 1990 führte er den Interessenverband der Verfolgten des Naziregimes Dresden und später den VVN-BdA Sachsen. Die Broschüre ist über den Verband erhältlich, ebenso wie die im Filmprojekt entstandene DVD.

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