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Maja-Möbelwerk erwartet konkrete Aussagen

Das Unternehmen will seine polnischen Grenzpendler auf Werks-Kosten testen lassen – aber es fehlen verbindliche Vorgaben der Sachsen-Politik.

Symbol erfolgreicher Wirtschaft der Region auch in Corona-Zeiten: Logo der Maja-Möbel-Werke Wittichenau. Jährlich entstehen hier etwa 6,4 Millionen Möbelstücke.
Symbol erfolgreicher Wirtschaft der Region auch in Corona-Zeiten: Logo der Maja-Möbel-Werke Wittichenau. Jährlich entstehen hier etwa 6,4 Millionen Möbelstücke. © Archivfoto: Gernot Menzel

Wittichenau. Die wöchentliche Corona-Testpflicht für Berufspendler aus Tschechien und Polen stellt auf Grund ihrer vielen Unwägbarkeiten auch Unternehmen der Region Hoyerswerda vor Probleme – beispielsweise die Maja-Möbelwerke im Wittichenauer Ortsteil Brischko. Dort sind in summa 750 Menschen beschäftigt; eine große Zahl davon stammt aus Polen.

Dass Maja testen will, steht außer Frage – allerdings nicht mit eigenen personellen Ressourcen oder mit den von Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig recht blauäugig ins Spiel gebrachten im Eiltempo ausgebildeten DRK-Helfern. Man verhandelt mit einem Dienstleistungs-Unternehmen, das über medizinisches Fachpersonal verfügt und die (sofern sie vorliegt) „verbindlich angeordnete Testpflicht“ realisieren könne. Allerdings, so Unternehmenssprecher Benjamin Seidemann, liege dem Unternehmen die aktuelle Corona-Verordnung, an der man sich rechtsfest orientieren könne, noch nicht vor – nur die unbelastbaren Erklärungen aus der Pressekonferenz der sächsischen Staatsregierung vom Freitag (dem 8. Januar) nach dem Beschluss der besagten Verordnung.

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Zuschüsse sind versprochen

Belastbare Aussagen trifft hingegen das Unternehmen selbst: „Die Kosten für eine durch den Freistaat Sachsen angeordnete Testung können nicht durch den einzelnen Mitarbeiter getragen werden. Deshalb wird Maja-Möbel bei der verbindlichen Anordnung einer Testpflicht zunächst die Kosten dafür übernehmen. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass die durch den Wirtschaftsminister Martin Dulig angekündigte finanzielle Bezuschussung dieser Tests erfolgt. Ob diese Bezuschussung alle entstehenden Kosten deckt und wie hoch die Bezuschussung insgesamt konkret ausfällt, ist auf Grund der aktuell fehlenden Corona-Quarantäne-Verordnung weiterhin unklar.“

Während der ersten Corona-Welle hatte Maja schon einmal reagieren müssen – allerdings nicht nur auf das Virus selbst, sondern auch auf unmittelbare geschäftliche Folgen. Denn das schwedische Einrichtungshaus Ikea, ein Hauptkunde von Maja, hatte am 17. März alle Möbelhäuser in Deutschland geschlossen – Abnahmestopp. Daher ging das komplette Maja-Werk, in Abstimmung mit dem Betriebsrat, ab dem 20. März 2020 schrittweise in Kurzarbeit null, um betriebsbedingte Kündigungen ausschließen können.

Dank Auftragslage keine Kurzarbeit

Kurzarbeit ist diesmal kein Thema, sagt Benjamin Seidemann. Die Kunden hätten positiv reagiert; „die Nachfrage ist da; wir können produzieren“. Umso härter würde es Maja treffen, wenn jetzt die polnischen Beschäftigten, die immerhin gut die Hälfte der 750 Mann Belegschaft ausmachen, nicht zur Verfügung stünden: „... eine Regelung mit wöchentlichen Tests der Pendler, nicht geklärten Testkapazitäten und eine unklare Informationslage zu eventuellen Grenzkontrollen (sind) eine Herausforderung. Dies könnte dazu führen, dass der Produktionsbetrieb nur eingeschränkt möglich sein wird oder Bereiche vollständig schließen müssten. Wir erwarten zu der Veröffentlichung (der neuen Corona-Verordnung, d. Red.) aber noch weitere Informationen und Klarstellungen zur praktischen Umsetzung dieser Regelungen.“

Längst gibt es bei Maja Vorsichtsmaßnahmen: Seit Monaten werden am Eingang des Werkes in jedem Schichtwechsel Temperaturkontrollen durchgeführt. „Im gesamten Werk gilt ... dauerhafte Maskenpflicht. Mitarbeiter, die unter Erkältungs- und Krankheitssymptomen leiden, oder Kontakt zu Menschen mit einer nachgewiesenen Corona-Infektion hatten, stellen wir als Arbeitgeber auf eigene Kosten, unabhängig der ausstehenden Entscheidung des Gesundheitsamtes, umgehend von der Arbeit frei.“ Ergänzt werde das „... durch weitere Festlegungen zur Kontaktvermeidung wie versetzte Pausen- und Schichtzeiten, flexibilisierte Arbeitszeiten sowie ausschließlich digitale Besprechungen“.

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