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Wo Fördergeld bestens angelegt ist

Der Verein zur Entwicklung der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft besuchte zur Jahresexkursion Wittichenau.

Auf dem Stadtteich-Areal im Rücken die Kulisse von Wittichenau beschreiten den Krabat-Radwanderweg die Besucher.
Auf dem Stadtteich-Areal im Rücken die Kulisse von Wittichenau beschreiten den Krabat-Radwanderweg die Besucher. © Foto: Uwe Jordan

Wittichenau. Wer Geld gibt, möchte sich davon überzeugen, dass es für den erbetenen Zweck angelegt worden ist – und nicht nur schlichtweg ausgegeben, sondern gut investiert worden ist. Darum unternimmt der Verein zur Entwicklung der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft (OHTL) seine Jahres-Exkursionen in Städte und Gemeinden, die von den von ihm befürworteten Zuwendungen profitiert haben – und am Montag, dem 12. Oktober, war (nach Königswartha) Wittichenau das Ziel der OHTL-Gruppe, in der neben Vereins-Veranwortlichen auch Projektteilnehmer aus anderen Kommunen reisten, um zu sehen, was sich andernorts getan hat und um Anregungen für die eigene Kommune oder für einen persönlich mitzunehmen.

Wittichenau in Bestform

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Wittichenau zeigte sich jedenfalls bestens präpariert. Empfangen von Georg Szczepanski, der den anderweitig unabkömmlichen Bürgermeister Markus Posch vertrat, wurde zunächst das Karnevalistenhaus an der Haschkestraße 20 besichtigt. Schon dort gab’s Staunen – nicht nur wegen des aus einer Fast-Ruine entstandenen sehr ansehnlichen Domizils der Wittichenauer Karnevalisten, sondern auch wegen des Elans und Einsatzes der Mitglieder, die das Haus über Kredite mit privaten Bürgschaften gekauft hatten, um seinen Ausbau (mit Hilfe der OHTL und Leader) und seine Nutzung überhaupt erst möglich zu machen. Da war zweifelsohne das Geld gut angelegt. Das ließ sich auch an den weiteren Stationen des Stadtrundganges sagen; egal, ob es nun an abgeschlossenen Maßnahmen war wie dem sanierten Kriegerdenkmal, dem Stadtteich-Areal, dem Schützenhaus der Schützenbruderschaft St. Sebastiani – überall war genau der Effekt eingetreten, den sich das Regionalmanagement des Vereins zur Entwicklung der OHTL davon versprochen hatte: Mehr Lebensqualität in den ländlichen Gegenden – dank unterstützter Eigen-Initiative der Einwohner.

Passt nicht? Passt doch!

André Köhler, Mitarbeiter des Regionalmanagements, brachte es auf den Punkt: „Wir wollen nicht nur Fördermittel ausreichen, sondern dazu ermuntern, «das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen», also Ideen zu entwickeln, die dem Gemeinschaftsleben förderlich sind. Dabei wollen wir helfen.“ Auf den ersten Blick scheinen die geförderten Projekte überhaupt keinen Bezug zueinander zu haben; ja, sogar diametral entgegengesetzt zu sein: Karneval und Weltkriegsdenkmal, Häuser-Abriss und Stadtteich-Aufwertung, Spielplatz hie, historisches Gebäude da ... Aber genau das, so André Köhler, beschreibe die Vielfalt des ländlichen Lebens – und genau die wolle man ja mit Leader-Geldern beflügeln.

Der Werdegang einer Apfelpresse

Dass es nicht nur kommunale Projekte sind, sondern auch private, beschreibt Christoph Schuster, Betreiber der Apfelpresse Cannewitz (bei Demitz-Thumitz): 1994 hatte er ein marodes Granithaus, Baujahr 1869 geerbt. Doch es aufgeben, abreißen? Nein! Er wollte es wieder herrichten, für die Öffentlichkeit nutzbar machen. Also ein Ferienhaus? Ja! Hinzu kam, dass er auf dem Grundstück ringsum alte Apfelsorten anbaute, die er andernorts vermosten lassen musste. Warum das nicht selber tun? So entstand das Doppelprojekt „Apfelpresse Cannewitz“. Entscheidend waren Fördermittel über die OHTL und Leader.

Allerdings – so komplikationslos, wie sich das hier anhört, ist es denn doch nicht gewesen. Denn die Leader-Mittel werden in einem zweistufigen Verfahren ausgereicht. In dessen erster Runde werden die beantragten Vorhaben beim OHTL-Verein eingereicht. Der prüft, auch unter dem Gesichtspunkt der Gemeinnützigkeit, und spricht dann auf einer Art Prioritätenliste eine Empfehlung (oder eben auch nicht) aus, mittels derer sich der Antragsteller beim Landratsamt um die Mittel bewerben kann und sie bekommt. Oder auch nicht. Oder mit einigen bürokratischen Hürden, so wie es auch Christoph Schuster widerfuhr; Stichwort: Vorfinanzierung und dann warten müssen, bis die zugesagten Gelder kommen. Was allerdings bedeutet, für die bis dahin in gutem Glauben aufgenommenen Kredite zur Projekt-Ausführung Zinsen bezahlen zu müssen, die nicht unerheblich sind ... Und darauf hat der OHTL-Verein höchstens noch moralischen Einfluss.

Egal wie: Christoph Schuster ist überzeugt, mit seinem Apfelpresse-Projekt das Richtige getan zu haben, und mit dem auch dank des OHTL-Vereins gestärkten Vorhabens hat er ein Stückchen Heimat retten können und der Gemeinschaft wieder zugänglich und nutzbar gemacht.

Gemeinschaftsgedanke entscheidet

Dieser Gemeinschaftsgedanke, so André Köhler, ist ganz entscheidend dafür, auf welchen Platz der Prioritätenliste der Empfehlungen ein Projekt gesetzt wird. Natürlich sind auch Erwägungen wie die Wirtschaftlichkeit nicht unbedeutend. Aber generell gehe es darum, Ideen zu befördern, die das Leben auf dem Lande schöner machen und für den potenziellen Besucher das Einzigartige der Region herausstellen.

Über Grenzen hinweg

Übrigens kann der Verein auch „grenzübergreifend“ agieren. Ein Beispiel dafür ist die Ausstellung „Krabat. Mensch. Mythos. Marke.“, die in enger Zusammenarbeit mit der Krabatmühle Schwarzkollm, beheimatet im Lausitzer Seenland (also in Hoyerswerda), entwickelt worden war und nicht nur dort oder in Bautzen, sondern sogar international zu sehen war.

Überhaupt, so Köhler, wolle der Verein helfen, den oft scheinbar undurchdringlichen Dschungel der Förderinstrumente für den Einzelnen (oder Gemeinde) so transparent zu machen, dass vorhandene Mittel auch tatsächlich für das dafür Vorgesehene abgerufen werden können und nicht mangels Inanspruchnahme verfallen.

Vier besondere Schwerpunkte des OHTL-Vereins seien dabei die sorbische Kultur, die Oberlausitzer Karpfenteiche, die Stadt Bautzen und das Unesco-Biosphärenreservat „Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“ als Alleinstellungsmerkmale der Region. Aber eben: nicht nur, wie das Beispiel Wittichenau beweist.

Fazit des Tages von André Köhler: „Die Exkursion zu Leader-Projekten in Königswartha und Wittichenau ist gut gelungen. Alle Teilnehmer waren zufrieden, und der gegenseitige Erfahrungsaustausch hat viele neue Anregungen und Impulse gebracht.“

Wittichenau ist in der aktuellen Förderperiode noch mit mehreren bezuschussten Aktivitäten vertreten: dem Spielplatz Maukendorf, dem symbolischen Wiederaufbau der Walke (der ehemaligen Stadtmühle) und des (ja, auch das zählt dazu ...) Abrisses dreier nicht mehr haltbarer Häuser, um Platz zu schaffen für ansehnliches Neueres.

OHTL (Leader-Region Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft)

Die OHTL umfasst 670,56 km², hat circa 80.000 Einwohner in 13 Gemeinden (16 Kommunen): Bautzen, Burkau, Crostwitz, Großdubrau, Königswartha, Malschwitz, Nebelschütz, Neschwitz, Oßling, Panschwitz-Kuckau, Puschwitz, Räckelwitz, Radibor, Ralbitz-Rosenthal, Weißenberg, Wittichenau.

Sie grenzt im Westen an den Dresdener Heidebogen (Westlausitz), im Norden an das Lausitzer Seenland, im Süden an das Bautzener Oberland/Zentrale Oberlausitz und im Osten an die Östliche Oberlausitz (Weißwasser/Görlitz).* 

Leader (englisch: -An-Führer, Leiter), ist ein französisches Kurzwort: „Liaison entre actions de développement de l’économie rurale“ („Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“). Maßnahmenprogramm der Europäischen Union (EU), mit dem seit 1991 innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden.

In der Förderperiode 2014-2020 konnte die Leader-Region OHTL in summa 12,5 Millionen Euro ausreichen – aus dem

EPLR (Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum), also konkret dem

ELER (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums in der Europäischen Union).

Leader-Budget der OHTL-Region: 13,1 Mio EuroProjekte (behandelt vom OHTL-Entscheidungsgremium): 365

Projekte (ausgewählt vom OHTL-Entscheidungsgremium): 259

Projekte (bei der Bewilligungsbehörde): 299

Der Verein zur Entwicklung der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft hat derzeit 48 Mitglieder (Kommunen, Unternehmen, Privatpersonen und Organisationen), die Regionalentwicklung und Tourismus unterstützen.

www.ohtl.de
www.oberlausitz-heide.de

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