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Wo Jedi-Ritter mit König Harald trinken

Das Kneipenquiz ist auch in Hoyerswerda eine feste Größe (gewesen) – jetzt virtuell anstatt im Café Auszeit.

So sieht es normalerweise aus, wenn Stephan (links) und Georg (rechts) zum Kneipenquiz einladen.
So sieht es normalerweise aus, wenn Stephan (links) und Georg (rechts) zum Kneipenquiz einladen. © Foto: Quizlabor/Steffen Engelbrecht

Hoyerswerda. Wie sieht die Farbe „Chartreuse“ aus? Woran wird die Machtstärke der Jedi gemessen? Wie lange braucht das Sonnenlicht bis zur Erde? Wonach ist Bluetooth eigentlich benannt? Wie lautet das Synonym für das Wort Synonym? Auf diese und andere Fragen muss sich der Besucher eines Kneipenquiz’ einrichten, wenn es von Quizlabor veranstaltet wird.

Vor einigen Jahren wurde das Format erfolgreich in Hoyerswerda etabliert. Am letzten Freitag im Monat rauchen für gewöhnlich die Köpfe im Café Auszeit der KulturFabrik im Bürgerzentrum an der Braugasse 1. In diesem Jahr lassen sich die Auftritte im Bürgerzentrum an einer Hand abzählen: vier. Dennoch muss niemand auf die irrwitzigen Fragen verzichten, denn bereits im Frühjahr und dann wieder seit November gibt es eine Onlineversion des Ganzen. Unter anderem auch, weil Georg Martin und Stephan Steffan mittlerweile hauptberuflich Quizmaster sind.

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Vor acht Jahren kam die Idee aus Berlin in einen Freundeskreis nach Cottbus. Auf einer WG-Party zeigte sich, wie beliebt es sein kann, Fragen zu beantworten – beliebter als zu tanzen. In einem Studentenclub wurde die Idee etabliert und allmählich deren Reichweite erhöht.

Gemeinsam den Kopf zerbrechen

„Die Leute bezahlen für etwas, was sie in der Schule gehasst haben“, wundert sich Georg über den Erfolg. Doch was live in Clubs und Kneipen funktioniert, ist nun auch online recht populär. Zwischen 50 und 150 Teams stellen sich in zwei Runden je zehn Fragen. Es geht dabei um Allgemein- und Nischenwissen, Schätzungen, Knobeleien – und manchmal können nur Vermutungen zur Lösung führen. Die Fragen können aus jedem Lebensbereich kommen. Wie gewohnt finden sich Begeisterte in Teams zusammen und quizzen gemeinsam um Punkte. Es gilt, wie immer, zwei Regeln zu beachten: „Die Quizmaster haben immer Recht“ und „Schummeln ist scheiße.“

Als im Frühjahr „immer mehr Online-Formate aus dem Boden gestampft wurden, war klar – wir müssen dranbleiben“, fasst Stephan die Situation zusammen. Ein Monat Lockdown ließe sich überstehen, aber das Publikum wollte und sollte auch gehalten werden. Und so fand am Karsamstag das erste Onlinequiz statt. „Es ist dann innerhalb von zwei Wochen stark gewachsen“, bemerkt Raphael, der während des Onlinequiz’ im Hintergrund die Antworten auswertet und Punkte verteilt. Auf diese Entwicklung insgesamt ist Georg sehr stolz. Denn „wir wollten schon lange mehr online machen“, gibt er zu. So war es eben „Learning by Doing“.

Plötzlich online und immer besser

Etwa eine halbe Stunde vor Beginn des Quiz’ geht auf der Plattform Twitch der Stream online. Die Zuschauer schalten sich zu und organisieren sich in einem weiteren Tool mit ihren Teammitgliedern. Auf einer eigens dafür programmierten Seite können dann Antworten in einem Chat diskutiert, abgegeben und gevotet werden. Immer wieder wurden Verbesserungen daran vorgenommen, Bugs (Fehler) ausgebessert. Es ist auch nicht unüblich, dass sich Teams in einem Videochat treffen, um die Fragen zu knacken und doch Abstand zu wahren.

Ab und zu steht das Quiz unter einem besonderen Thema – wie etwa „Science-Fiction und Weltraum“, „Filme und Serien“, „Großbritannien“, „Piraten und Märchen“ oder eben „Harry Potter“. Besonders diese Glanzlichter fordern auch die Macher heraus. Stephan ist dann besonders motiviert, viel dafür zu machen: „Ich hänge mich da richtig rein.“

Alles, was sie dem Publikum präsentieren, haben sie sich selbst ausgedacht und vorab auf die Machbarkeit getestet. Einige Kategorien lassen sich schon als Klassiker bezeichnen. Am Anfang steht immer die Märchenfrage; in jeder Runde gibt es ein Bilderrätsel und den Abschluss des Abends bildet das Musikrätsel. Titel werden kurz angespielt oder als außergewöhnliche Cover präsentiert. Bekannte Songs klingen auf dem Theremin (einem elektronischen Instrument, das die Tonhöhen berührungslos gleitend verändert) letztlich doch ungewohnt anders als im Original.

Zwischen Live- und Onlinequiz

Im Sommer und Herbst gab es dann für kurze Zeit wieder Live-Veranstaltungen in verschiedenen Städten wie Halle, Döbeln, Dresden, Hoyerswerda, Weißwasser, Cottbus, Brandenburg oder Leipzig. Da war die Organisation nicht immer ganz einfach. „Das Hin und Her der offiziellen Angaben war ein Problem“, gibt Georg zu bedenken. „Wir waren in verschiedenen Landkreisen und Bundesländern unterwegs. Und Planungssicherheit ist extrem wichtig.“ Stephan ergänzt, dass er im Juli ein unwohles Gefühl hatte, obwohl alles genehmigt war. „Da waren auf Schlag wieder hundert Leute.“ Für Georg ist auch klar, dass diese Veranstaltungen im Ernstfall womöglich Superspreader gewesen wären. Aus diesen Monaten wissen sie auch, dass einige Teams sehr vorsichtig damit umgegangen sind oder gar ganz wegblieben.

Mittlerweile wissen Georg und Stephan, dass die Live- und Onlinequizze „völlig andere Jobs“ sind, was besonders mit der Publikumsinteraktion zu tun hat. Während im Frühjahr noch viel Feedback und Nachrichten kamen, ist es nun ruhiger, der Zuspruch aber nicht geringer. Austausch gibt es trotzdem, wenn die Liveschalte nach der Quizauswertung noch weitergeführt wird. Ebenfalls werden online Spieleabende veranstaltet, die Quizmaster und Publikum zusammenbringen, wie es sonst in den Clubs und Kneipen danach noch möglich und üblich ist. Für Stephan ist somit der Freitag während des Lockdowns zum Highlight geworden. Obwohl es einen Widerspruch gibt: „Wir sind mit anderen zusammen, aber sie sind doch nicht wirklich da. Und spätestens nach dem Stream ist man alleine.“ Durchschnittlich schauen 450 Menschen online zu. Das geht aus den bisher 20 Quiz-Streams hervor.

In diesem Jahr fanden lediglich 72 Liveauftritte statt, wohingegen es sonst um die 150 Veranstaltungen sind. Das macht deutlich, wie groß der Einbruch ist. Und nicht nur für die Macher des Quizlabors, sondern auch für die vielen Veranstalter vor Ort. „Für gewisse Leute sind wir essenziell. Und so fehlt eine große Einnahmequelle“, weiß Georg um die schwierige Lage der Kulturschaffenden. Ihm hat dieses Jahr gezeigt, „dass wir gut überleben können“. Bei einem Onlinequiz gibt es keinen Eintritt, es ist frei zugänglich. Aber um Spenden wird gebeten. Das Prinzip ist aufgegangen. Stephan meint, „uns geht es vergleichsweise gut, obwohl wir nicht ‚systemrelevant‘ sind.“

Und das Quizlabor trägt nicht umsonst diesen Namen, wenn nicht ständig probiert, überarbeitet und verbessert werden würde. Im Augenblick wird über verschiedene Franchise-Angebote nachgedacht. Es geht um Auskopplungen „für den Hausgebrauch“. Doch das alles ist noch in einer frühen Phase. Bis dahin können die Follower täglich online zwei Adventskalender – einen von Stephan und einen von Georg – öffnen und Rätsel lösen. Zu finden sind diese auf der Website und auf Instagram.

CHARTREUSE liegt übrigens zwischen den Farben Gelb und Grün. Die Bezeichnung geht auf die farbliche Ähnlichkeit mit einem französischen Likör zurück.
Das SONNENLICHT braucht vom Fixstern bis zur Erde acht Minuten und zwanzig Sekunden.
Die STÄRKE DER MACHT DER JEDI-RITTER bemisst sich anhand der Menge der Midi-Chlorianer in einer Person.
Die Technologie BLUETOOTH geht auf den Dänenkönig Harald I. „Blauzahn“ (910-987) zurück, dessen Kommunikationsfähigkeiten im Vermitteln zwischen höchstverfeindeten Gegnern gerühmt wurden.
Das SYNONYM für Synonym lautet Poecilonym, aber findet kaum Verwendung im täglichen Sprachgebrauch.


Jeden Freitag im Dezember findet online ein Quiz statt.
Weitere Informationen unter: www.quizlabor.de
Freitags ab 19.30 Uhr hier: live.quizlabor.de

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