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Wo Milchwelt draufsteht, ist Milchwelt drin

Die Geschäftsführer der MKH Wittichenau/Krabat Milchwelt Kotten ziehen ein Resümee für 2020 und schauen nach 2021.

In der Krabat Milchwelt: Die Geschäftsführer der MKH Wittichenau, Benno Mroß (links hinten) und Tobias Kockert (rechts vorn), bei ihren Tieren im jetzigen Stall. Ganz hinten durch die geöffnete Tür erahnbar: das Areal für den Neubau des Stalles im n
In der Krabat Milchwelt: Die Geschäftsführer der MKH Wittichenau, Benno Mroß (links hinten) und Tobias Kockert (rechts vorn), bei ihren Tieren im jetzigen Stall. Ganz hinten durch die geöffnete Tür erahnbar: das Areal für den Neubau des Stalles im n © Foto: Uwe Jordan

Kotten. Brot, Butter, Fleisch, Gemüse, Käse, Milch, Obst, Wurst – dass es all das hierzulande in Fülle und jederzeit ohne nennenswerte Leerstellen in den Supermärkten gibt, ist eine Selbstverständlichkeit. Aber billig sein soll es, bitte! Jaja, die Landwirte sollten möglichst auch von ihrer Hände Arbeit leben können ... Aber wenn im konkreten Fall der (Ein-) Käufer sich zwischen billig und gerecht entscheiden muss – wie wird es wohl ausgehen?

Abgesehen von denen, die sich mit dem Erwerb von „Bioprodukten“ ein gutes Öko-Gewissen zu verschaffen suchen (was man sich aber auch erst einmal leisten können muss) greift die Mehrzahl der Supermarktkunden; teils von der Geiz-ist-geil-Werbung befeuert, teils notgedrungen, eher zum Schweinekotelett für 6,13 Euro je Kilo (aktuelle Werbung einer Supermarktkette) als zum fair in Deutschland produzierten Fleisch. Wie haben nun hiesige Landwirte das Jahr 2020 erlebt? Zusätzlich belastet durch die „Corona-Krise“. Wir sprachen mit Benno Mroß und Tobias Kockert, den Geschäftsführern der MKH / Krabat-Milchwelt im Wittichenauer Ortsteil Kotten.

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Herr Mroß, Herr Kockert – war 2020 ein gutes Jahr für die Landwirtschaft; oder eher ein (sehr) kompliziertes?

Corona, Dürre, Preisverfall ... – es war für Landwirte kein leichtes Jahr. Aber das unterscheidet 2020 nur wenig von den vorhergegangenen und auch wohl von den kommenden Jahren. Wir sind ständig herausgefordert, uns etwas einfallen zu lassen, um unsere Produkte „an den Mann“ und natürlich die Frau bringen und davon leben zu können. Allerdings gibt es auch da eine Schmerzgrenze: Wenn, wie in unserem Fall, von den Großmolkereien für den Liter Milch nur noch 30 Cent gezahlt werden, ist das schlicht eine existenzvernichtende Grenzwert-Unterschreitung. Wenn ein Liter Mineralwasser höher bezahlt wird als ein Liter Milch – spätestens da ist doch etwas in ungesunde Schieflage geraten.

Mit welcher Strategie begegnet die MKH diesen Schwierigkeiten?

Zunächst einmal vertrauen wir darauf, dass auch in Zukunft in einer gesunden Landwirtschaft nichts am „ewigen Kreislauf“ Boden – Pflanze – Tier – Boden vorbeiführen wird, vorbeiführen kann, wie wir ihn betreiben: Der Boden produziert die Pflanzen, die den Tieren als Nahrung dienen; das Tier liefert dem Menschen Milch und Milchprodukte sowie Fleisch und erzeugt Dünger, der den Acker wieder fruchtbar macht. – Aber Ihre Frage zielte ja sicher eher auf die marktwirtschaftlichen Aktivitäten. Da setzen wir auf Direktvermarktung im Hofladen und auf den Wochenmärkten in ganz Ostsachsen. Wir setzen auf „Marktgemeinschaften“ mit Erzeugern anderer landwirtschaftlicher Branchen, etwa Fisch, Wildfleisch und Bäckerei-Produkte, mit denen wir gemeinsam die Märkte der Region beschicken. Und wir setzen auf Nischenprodukte, die die Industrie einfach auf Grund der Größenordnung nicht herstellen kann. Wie etwa Spezialkäse, den ein Groß-Werk wegen nicht ausreichender Stückzahl für die Maschinenfertigung und mangels Absatzchancen in einem sehr großen Gebiet nur unter Verlust produzieren könnte, der aber bei unserem Manufakturbetrieb punktgenau und wirtschaftlich die Wünsche von Kunden in einem eng umrissenen „Einzugsgebiet“ bedienen kann. Zum Beispiel die Jubiläumskäse zum 25. Europäischen Bauernmarkt in Plauen oder zum 140-Jahr-Jubiläum von Pfunds Molkerei in Dresden. Das sind Nischen, die, in aller Bescheidenheit, nur regionale Erzeuger wie wir sinnvoll füllen können.

Kann man von Käse allein überleben?

Wir bieten ja nicht nur Käse verschiedenster Charakter-, Geschmacks-, und Reifestufen an, vom „Krümelkäse“ über Camembert und Hart-/Schnittkäse bis hin zum extra lange gereiften „Gewürzkäse“. Wir haben ja auch Milch, Molke, Joghurt, Butter und Quark im Angebot. Außerdem die bereits erwähnten „Nebenprodukte“. Und Kartoffeln! Die verkaufen wir in unserer Wittichenauer „Kantine“ und an frostfreien Tagen jeden Donnerstag von 9 bis 12 Uhr gegenüber vom Hoyerswerdaer „Globus“-Großmarkt am Kamenzer Bogen. Bis Weihnachten gibt’s die Sorte „Finka“, danach die Lagerkartoffel „Solara“, beide festkochend; außerdem die mehlig kochende „Afra“ und als DIE Salzkartoffel überhaupt die rotschalige „Laura“. Nicht zu vergessen: Saisonal bieten wir Spargel an. Wer den auf einer unserer Zeilen bei Wittichenau, Groß Särchen oder Spohla selber ernten will, kann sich bei uns melden – wir haben noch ein paar Zeilen zu vermieten.

Gab/gibt es 2020 Neuigkeiten in der Produktpalette der Krabat Milchwelt?

Es sind noch Restbestände der besagten Jubiläums-Käse von Plauen und Dresden erhältlich. Was wir 2021 machen werden – schau’n wir mal ...

Apropos 2021: Gibt es Pläne, was im nächsten Jahr bei Ihnen passieren soll?

An erster Stelle steht die Hoffnung, dass wir den neuen Stall für unsere Milchkühe bauen und „in Betrieb“ nehmen können. Dass die Führungen, speziell die Aktionen für Schüler unter dem Etikett „Bauer für einen Tag“ wieder stattfinden. Und dass wir wieder Reisegruppen empfangen können, die sich in unserem Betrieb, im Hofladen und speziell der Schaukäserei selbst ein Bild davon möchten, wie ihr Lieblingskäse entsteht.

Wie ist die Kooperation mit anderen Partnern in diesem Jahr gelaufen,speziell „Die Lausitz schmeckt“?

Da hoffen wir 2021 auf weiteren Zuwachs und noch mehr Gemeinsamkeit, um eine starke regionale „Marktmacht“ aufzubauen, die den Menschen hier ebenso zugute kommt wie den Erzeugern. Vielleicht lassen sich ja auch die „Marktschwärmer“ (eine Direkt-Verkaufs- Initiative, d. Red.) weiter etablieren.

Was würden Sie sich an Unterstützung seitens der Politik (Bund / Land / regional / kommunal) wünschen?

Entscheidungen mit Augenmaß. Punkt.

Vorletzte Frage: Was tun Landwirte im Winter?

Die Arbeit im Stall geht ja weiter; ebenso in der Verarbeitung wie der Käserei und dem Verkauf auf Wochenmärkten. Außerdem gilt es, die Technik zu warten und instand zu setzen. Und die Pflanzenbauern, die viele lange Sommer-Arbeits-Tage hatten, können nun ein bisschen ihr Arbeitszeit-Konto ausgleichen und Kraft für 2021 sammeln.

Wenn Sie in drei Sätzen sagen sollten, was Ihre Produkte denen anderer Mitbewerber, speziell Supermärkten, voraus haben – wie würden sie lauten?

Wir sind strikt regional. Wir kaufen nichts zu, was wir unter unserem Label vermarkten. Wo „Krabat Milchwelt Kotten “ drauf steht, ist zu 100 Prozent auch „Krabat Milchwelt Kotten“ drin; sonst nichts – und das schmeckt man.

Die Krabat Milchwelt in Kotten Nr. 2 (Wittichenau) hat momentan 240 Milchkühe eingestallt. Das Unternehmen beschäftigt circa 50 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit und ist mit seinen verschiedenen Produkten ständig auf den regionalen Wochenmärkten präsent.

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