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Wo Pumpot das Müllerhandwerk lernte

Eine Reihe von Mühlen prägte früher auch die Gegend zwischen Wittichenau und Hoyerswerda.

Zwischen Keula und Spohla quert Marina Kutscher per Brücke die Wudra. Über das Feld hinweg hat man von hier aus einen recht imposanten Blick auf die Elfgeschosser in Hoyerswerdas Stadtzentrum.
Zwischen Keula und Spohla quert Marina Kutscher per Brücke die Wudra. Über das Feld hinweg hat man von hier aus einen recht imposanten Blick auf die Elfgeschosser in Hoyerswerdas Stadtzentrum. © Foto: Gernot Menzel

Wittichenau. Marina Kutscher ist eine sportliche Frau. Winters steigt die 41-Jährige schon einmal in mit Eis bedeckte Seen. Früher hat sie Handball gespielt. Heute gehört die Laubuscherin zur Triathlonabteilung des SSV Hoyerswerda. Und weil sie als Heilerziehungspflegerin bei den Lausitzer Werkstätten tätig ist, fand sie über deren Laufgruppe, die Elster-Flitzer, auch zum Dauerlauf. Wir treffen sie in Wittichenau, wo an der Kobermühle eine Art Lauf in die Handwerksgeschichte beginnt, denn einst war die Gegend sehr reich an Mühlen.

Am Ausgangspunkt wurde über Jahrhunderte gemahlen. Um 1600 sind die ersten Gebäude als Kosslickmühle erbaut worden. 1994 meldete Uwe Kober das Gewerbe ab. Nach und nach wurden Pension, Biergarten und Gaststätte eröffnet. Als „Landhotel & Restaurant“ firmiert die Kobermühle heute. Marina Kurscher lässt sie hinter sich, läuft in Richtung Stadtteich. Gemächlich watschelnd quert eine Entenfamilie ihren Weg. Aus einem Fachwerkhaus am Wegesrand lugt etwas Hölzernes, das Eingeweihte als Welle für ein Mühlrad erkennen. Die einstige Stadtmühle von Wittichenau ist teils ungenutzt, wird derzeit allerdings mit Fördergeld-Hilfe saniert. Schließlich steht sie unter Denkmalschutz.

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Weiter geht es über den Schlossareckplatz. Wer die Route in umgekehrter Richtung nimmt, kann sich kurz vor dem Ziel schon einmal im Eiscafé Jenke laben. Doch Marina Kutscher steuert, vorbei am Lindenhof, schon das nächste Ziel ihrer Mühlen-Tour an. Die Leute von Keula haben 2016 vor ihrem Dorfclub einen mächtigen Steinquader mit Aussparungen platziert. Ein Schild gibt Auskunft: Es handelt sich um den Stampftrog einer einstigen Hirsemühle. Die Mittelmühle wurde 1746 das erste Mal erwähnt. Man fand sie am Rand des Dubringer Moors. Ihren Namen hatte sie davon, dass sie zwischen der Schowtschick- und der Pasternackmühle stand.

Marina Kutscher verlässt Keula in nordöstlicher Richtung. Der Radweg an der Kreisstraße nach Spohla ist ideal zum Tempo- und Streckemachen. Wir queren die Wudra. Von hier sieht man übers Feld hinweg schon ein Gebäude, das Salomon-Gottlob Frentzel 1744 bereits in seiner Hoyerswerda-Chronik erwähnte. „Unter-Mühle Spohla – Matthes Dutschmann“ steht über dem Eingang. Regulär gemahlen werde schon seit 1958 nicht mehr, erzählt der herausgeklingelte Karl Dutschmann. Der 88-Jährige ist Matthes Dutschmanns Sohn und der letze Müller der Unter-Mühle. Zu DDR-Zeiten sei nur noch Getreide gelagert und geschrotet worden. Ende der 1980er war auch damit Schluss und die Mühle, in der der Überlieferung nach die Sagenfigur Pumpot ihr Handwerk erlernt haben soll, wurde zum reinen Wohngebäude.

Wer sich auf die Wittichenauer Mühlen-Tour begibt, der wird fast permanent von Wasser begleitet. Die Flüssigkeit trieb einst die Mühlräder an, heute lädt sie Läufer oder Läuferin im heißen Sommer schon einmal dazu ein, die Stirn zu kühlen. Der Mühlgraben verbindet die Unter- mit der Obermühle am südlichen Dorfrand von Spohla. Hier ist Karl Dutschmanns Vater aufgewachsen, bevor er in die Unter-Mühle einheiratete. So war das damals. Auch die Obermühle dient heute nur noch als Wohnhaus. Gemahlen wurde hier bis in die 1970er. Zuletzt machten Besucher wegen eines Eis-Cafés im Gebäude Halt. Aber auch das ist mittlerweile Geschichte.

Gleich neben der Obermühle beginnt der Wald, der Belag wechselt also. Am Schwarzwasser entlang unter großen Bäumen wird der Historien- zum Landschaftslauf. Maukendorf kommt in Sicht. Marina Kutscher schwenkt nach rechts. Bald ist Brischko erreicht und damit fast auch schon der Ausgangspunkt, also die Wittichenauer Kobermühle. Die Laubuscherin steigt wieder in ihr Auto. Sie hat es eilig. Der nächste Sport-Termin steht an. Es wartet noch ihr Tischtennis-Training.

In der Unter-Mühle zu Spohla wurde bis Ende der 1950er Korn gemahlen.
In der Unter-Mühle zu Spohla wurde bis Ende der 1950er Korn gemahlen. © Foto: Gernot Menzel
Die zweite Mühle in Spohla war die Obermühle – heute ein Wohnhaus.
Die zweite Mühle in Spohla war die Obermühle – heute ein Wohnhaus. © Foto: Gernot Menzel
Die Mühlentour ist ein fast perfekter Kreis – mit Start und Ziel an der Kobermühle in Wittichenau. Die Runde ist etwas mehr als elf Kilometer lang.
Die Mühlentour ist ein fast perfekter Kreis – mit Start und Ziel an der Kobermühle in Wittichenau. Die Runde ist etwas mehr als elf Kilometer lang. © Grafik: Schuhmann / arteffective

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