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Würdigung eines kulturellen Lebenswerks

Die Schriftstellerin Elke Nagel aus Lohsa wurde am Freitag mit dem Domowina-Preis 2020 geehrt.

Schriftstellerin und Dichterin Elke Nagel (82) aus Lohsa wurde mit dem Preis der Domowina geehrt. Das Foto zeigt sie auf der im August 2019 eingeweihten Volksliederbank vor dem Zejler-Smoler-Haus in Lohsa. Geschaffen hat sie der Säuritzer Holzgestalter A
Schriftstellerin und Dichterin Elke Nagel (82) aus Lohsa wurde mit dem Preis der Domowina geehrt. Das Foto zeigt sie auf der im August 2019 eingeweihten Volksliederbank vor dem Zejler-Smoler-Haus in Lohsa. Geschaffen hat sie der Säuritzer Holzgestalter A © Archivfoto: Andreas Kirschke

Lohsa. Die Schriftstellerin und Dichterin Elke Nagel (82) aus Lohsa erhielt gestern in Bautzen den Preis der Domowina. Damit ehrt der Dachverband der Sorben Persönlichkeiten, die sich zielstrebig und erfolgreich für die Entwicklung der sorbischen Kultur und Sprache einsetzen. Elke Nagel gehört von Anfang an seit 1994 zum Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V., der auf Initiative ihres Mannes, des Komponisten Jan Paul Nagel (1934-1997), entstand. Mit der Schriftstellerin sprach Tageblatt über ihr Lebenswerk.

Frau Nagel, was bedeutet Ihnen der Domowina-Preis? Wie nahmen Sie die Nachricht auf?

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Es hat mich erstaunt. Ich fühle mich natürlich sehr geehrt, aber ich denke, ich habe das nicht wirklich verdient. Darum werde ich das Preisgeld auch dem Verein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus spenden, der hat eine solche Auszeichnung verdient.

Sie stammen ursprünglich aus Rerik an der Ostsee. Wie fanden Sie Zugang zur Lausitz und zu den Sorben?

Ich bin vor vielen Jahren aus Mecklenburg in die Lausitz gekommen und habe mich hier sehr schnell heimisch gefühlt. Mir scheint, die mecklenburgische Mentalität ähnelt ein wenig der sorbischen.

Wie lernten Sie die sorbische Sprache?

Ich habe zwei Intensivkurse in Milkel besucht, als es dort noch die sorbische Sprachschule gab. Und solange Jan Paul Nagel lebte, haben wir natürlich – nicht nur, aber auch – sorbisch miteinander gesprochen. Doch das ist nun schon 23 Jahre her. Und man vergisst eine Sprache sehr schnell, wenn man sie nicht aktiv sprechen kann. Lesen und verstehen geht noch ganz gut, zu sprechen wage ich nicht mehr.

Im Laufe Ihres Lebens gelang es Ihnen, immer wieder Gedichte und Volkslieder der Sorben – von Handrij Zejler (1804-1872) bis Agnes Buder (1860-1937) und Mina Witkojc (1893-1975) – ins Deutsche nachzudichten. Welche Herausforderung war das für Sie, und was bereitete Ihnen am meisten Freude daran?

Es hat mir immer sehr viel Freude gemacht. Die Herausforderung besteht ja darin, dass man nicht eine inhaltlich korrekte Übersetzung anfertigen kann, sondern dass man Klang und Rhythmus, Reimschema und Stimmung der Vorlage treffen, aber trotzdem den gleichen Inhalt wiedergeben muss. Da kann man stunden- oder manchmal auch tagelang über zwei drei Zeilen brüten. Aber wenn man dann die richtige Lösung gefunden hat – und man findet sie fast immer – ist man glücklich.

Mit großer Zuneigung, mit Fleiß und mit Sorgfalt schrieben Sie die Biographie der sorbischen Volksdichterin Agnes Buder aus Mortka. Wie wichtig ist es, gerade an solche fast vergessenen Autoren zu erinnern?

Wir sind es ihnen schuldig, dass sie nicht in Vergessenheit geraten. Sie haben es verdient, dass man sich wenigstens in ihren Heimatorten an sie erinnert.

Von Anfang an gehören Sie zum Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa. Was motiviert Sie mitzuarbeiten?

Wir leben fast genau im Mittelpunkt des sorbischen Siedlungsgebietes. Noch vor hundert Jahren gab es hier ein reges sorbisches Kulturleben, eine aktive Domowina-Gruppe mit Chor und Laienspiel, da war auch die sorbische Sprache noch lebendig. Vor 200 Jahren war Lohsa ein Zentrum der sorbischen Kultur, hier lebten und arbeiteten Zejler und Smoler, hier entstand das bedeutende große Liederbuch „Die Volkslieder der Wenden in der Ober- und Niederlausitz“. Das ist unser kulturelles Erbe, auf das wir stolz sein können und das wir zu bewahren verpflichtet sind. Auch heute leben hier noch Sorben und viele Nachkommen von Sorben, denen ihre Herkunft mehr oder weniger oder gar nicht bewusst ist. Demografische Entwicklungen sind nicht rückgängig zu machen, das will auch niemand. Aber Erinnerung und reiches kulturelles Erbe zu erhalten, ist gut und notwendig, es muss geschützt werden vor erneuter Bedrohung, die auch uns näher ge-kommen ist. Kürzlich wurde ein Hakenkreuz in unsere Volksliederbank vor dem Zejler-Smoler-Haus eingebrannt. Traurig, beschämend, nicht hinnehmbar. Aber es motiviert – um auf die Frage zurückzukommen – zum Weitermachen.

Wie bringen Sie sich heute noch im Verein mit ein?

Leider aus Gesundheits- und Altersgründen kaum bis wenig. Aber ich gebe mir Mühe.

Sie befassen sich gern mit historischen Persönlichkeiten und mit Menschen aus dem sorbischen Volk. Aus den Bemühungen heraus entstanden zum Beispiel Ihre Bücher „Kreuz am Waldrand“ (2007), „Hausteins Marja“ (2009 in Deutsch, 2010 in Sorbisch) und „Altweibersommer“ (2013 in Deutsch). Woran arbeiten Sie zurzeit?

Falls ich noch an etwas arbeite, werde ich darüber nicht reden.

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