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Zehn Millionen Euro werden nicht reichen

Lautas Bürgermeister Frank Lehmann lässt im TAGEBLATT-Interview das Jahr 2020 Revue passieren und blickt voraus.

Frank Lehmann (42) wurde im Frühjahr 2015 zum Bürgermeister der Stadt Lauta gewählt.
Frank Lehmann (42) wurde im Frühjahr 2015 zum Bürgermeister der Stadt Lauta gewählt. © Foto: Ralf Grunert

Herr Lehmann, der Schulbau in Laubusch geht voran. Wird es mit der Inbetriebnahme zum Schuljahresbeginn 2021/2022 wie geplant klappen?

Davon gehe ich fest aus. Der aktuelle Bauablauf lässt dankenswerterweise keinen anderen Schluss zu. Die feierliche Eröffnung der künftigen Grundschule am Laubuscher Marktplatz könnte ich mir sehr gut im Zusammenhang mit dem offiziellen Projektabschluss der „Lausitzer Gartenstadt 2030“ im Rahmen des Tages des offenen Denkmals 2021 vorstellen. Das wäre dann das zweite September-Wochenende. Würde passen, da das Schuljahr ebenfalls erst Anfang September startet.

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Gegenüber den anfangs mal veranschlagten 5,4 Millionen Euro haben sich die Kosten auf 9,8 Millionen Euro fast verdoppelt. Bleibt es dabei?

Ja, diese finanzielle Bürde wird bleiben. Das schmerzt natürlich sehr. Aber Fakt ist, wir investieren hier zukunftsorientiert, nachhaltig und auch in Achtung der Arbeit uns vorangegangener Generationen. Städtebau, Denkmalschutz und moderner Schulbau gehen bei diesem Projekt Hand in Hand. Wir werden am Ende auf jeden Fall mehr als zehn Millionen Euro aufgewendet haben, der größte Teil davon sind Fördermittel. Es wird gut investiertes Geld sein. Mein Dank gilt an dieser Stelle sowohl meinem Stadtrat für die entsprechenden Beschlüsse, der Gemeinde Elsterheide für die stets verlässliche Unterstützung sowie natürlich meinem Bauamt, den Planern und umsetzenden Firmen. Ich bin auch sehr dankbar, dass die Baustelle ohne nennenswerte Unfälle lief. Mein Wunsch ist, dass dies bis zum Ende so bleibt.

In Kürze wird Lauta über zwei hochmoderne Grundschulen verfügen, da ja auch in die Coppi-Grundschule in den vergangenen Jahren viel investiert wurde. Was könnte das nächste Großprojekt werden?

Ja, unsere Kinder sind den Entscheidern in der Stadt Lauta sehr wichtig. Wir werden auch in den nächsten Jahren vorrangig nur in Aufgabenbereiche investieren können, die für die Stadt eine Pflicht darstellen. Im Bereich der Kindertageseinrichtungen, des Brandschutzes und – hoffentlich auch wieder – des Straßenbaus werden Schwerpunkte liegen. Das wird – wie immer – sehr sportlich. Insofern hat sich die Ausgangslage gegenüber den Vorjahren aus meiner Sicht nicht wesentlich geändert.

Welche weiteren Pläne gibt es für das Gemeinwesenzentrum, nachdem ja zuletzt schon der DRK-Ortsverein mit Tafel und Kleiderkammer sowie der IB mit dem Jugendklub eingezogen sind?

Diskutiert wird seit Längerem der mögliche Einzug eines Teils des Vereins KSV 69 Lauta. Vielleicht gibt es hier, nicht zuletzt durch die aktuellen Möglichkeiten im Zusammenhang mit der Strukturstärkung in den Kohlerevieren, noch andere Lösungsmöglichkeiten. Das ist noch nicht spruchreif. Wir haben für das Objekt auf jeden Fall ein aktuelles Exposé erstellt. Es ist unser Ziel, das Gemeinwesenzentrum stärker in die Direktvermarktung zu nehmen. Das könnte unter anderem die direkte Ansprache von größeren Trägern oder Institutionen hinsichtlich eines Engagements, beispielsweise zur Miete, sein.

Seit dem IB-Umzug ist der KSV 69 Lauta der verbliebene Nutzer des Jugendhauses am Lessingplatz. Wie lange noch? Das Gebäude soll ja perspektivisch leergezogen werden.

Mit dem Verein KSV 69 ist abgestimmt, dass es für ihn eine einheitliche Lösung gibt. Wir kleben nicht starr an einem Datum. Die Lösung muss einfach passen. Es gab auch mal lose Interessenten für das Kulturhaus, das ist durch Corona offensichtlich ruhiger geworden. Gelingt keine Abgabe an Dritte mit einem vernünftigen Konzept, wäre Rückbau und Parzellierung der Fläche für Eigenheimbebauung die sinnvolle Alternative. Die Nachfrage ist hierfür im Stadtgebiet nach wie vor hoch.

Themenwechsel. Gibt es beim Altlastengroßprojekt Lauta-Nord neue Entwicklungen? Wo soll die Reise mit der „Blauen Donau“ hingehen?

Wir informieren die Bürgerschaft über unsere Internetseite und andere Kanäle, sobald es etwas Neues gibt. In den letzten Wochen gab es hier keine wesentlichen neuen Sachstände zu verzeichnen. Das Problem ist, dass meine kleine Verwaltung mit den vielen eigenen Themen mehr als ausreichend beschäftigt ist. So bleibt für ein stetiges Nachhaken in solchen Fällen, in denen die Verantwortung klar nicht bei der Stadt liegt, oft zu wenig Zeit. Fakt ist, dass es ein komplexes Projekt ist, welches uns noch über Jahre beschäftigen wird. Und Fakt ist auch, gearbeitet wird an einer Lösung, vor allem seitens des Fachministeriums und des Landratsamtes. Mein Dank gilt an dieser Stelle vor allem der verlässlichen Begleitung durch Letzteres.

An der Mittelstraße entsteht ein neuer Netto-Markt. Ostern soll er eröffnet werden. Bleibt es dabei?

Das ist nicht mehr zu halten. Einige Abstimmungen und Vorbereitungen zogen sich länger hin als erwartet. Der Investor hat nun Pfingsten als realistischen Termin genannt. Ich denke, auch das ist ein anspruchsvolles Ziel.

Aus weiteren Geschäften neben dem Netto wird wohl nichts werden, nachdem die Abrissbagger ganze Arbeit geleistet haben. Oder täuscht das?

Das sieht aktuell so aus, ja. Für den Investor war, auch in Abstimmung mit der Stadt, die Anzahl möglicher Optionen für eine Nachnutzung des Geländes durch Schaffung eines freien Baufeldes einfach höher. Zumal der Bestand in Gänze aufgrund der Jahre, die er auf dem Buckel hatte, bestimmte bauliche Mängel aufwies. Die Chancen stehen recht gut, dass die neue Freifläche hinter dem Apothekenhaus bald neu bebaut wird. Genaueres lässt sich momentan noch nicht sagen, hierzu bedarf es weiterer umfangreicher Abstimmungen in alle Richtungen.

Welches waren die wichtigsten Investitionen der Stadt im vergangenen Jahr?

Im Jahr 2020 standen die Grundschulsanierung in Laubusch, aber auch die Maßnahme des 1. Bauabschnitts der Außenanlagen-Gestaltung an der Coppi-Grundschule im Vordergrund. Zudem erwarten wir den schon vor Monaten bestellten Lkw mit Ladekran und Winterdienstausrüstung für den Bauhof. Und die Urnengemeinschaftsanlage auf dem Lautaer Friedhof ist, zumindest im Wesentlichen, fertig geworden.

Was werden die Investitions-Schwerpunkte im neuen Jahr sein?

Zuerst ist auch für 2021 die Grundschule Laubusch zu nennen. Das neue Tanklöschfahrzeug (TLF) 4000 für die Ortsfeuerwehr Lauta Stadt soll beschafft werden. Weitere Projekte werden dazu kommen. Aufgrund des noch in der Aufstellung befindlichen neuen Doppelhaushaltes unserer Stadt für 2021/2022 und den ausstehenden Beratungen dazu mit dem Stadtrat kann ich noch keine Vorhaben benennen. Wir hoffen natürlich auch auf Strukturwandelgelder in den kommenden zwei Jahren. Vorarbeiten hierzu laufen in meinem Hause.

Finden sie, dass das Preisgeld des Freistaates in Höhe von 415.000 Euro für das Projekt „Lausitzer Gartenstadt 2030“ gut angelegt ist?

Ja. Das Projektteam leistet für die Laubuscher Gartenstadt Kolonie Erika kontinuierliche Fleißarbeit, zu der wir alleine und ohne dieses Projekt nie und nimmer die Kraft und Zeit gehabt hätten. Der Lohn dieser Arbeit wird nicht immer sofort sichtbar. Das ist jedoch kein Zeugnis des Scheiterns. Ein Meilenstein war das Erika-Sommersemester mit dem entsprechenden gut aufbereiteten Bericht der Studierenden um ihren Prof. Dr. Schmidt von der TU Kaiserslautern. Dies soll Grundlage der weiteren Arbeit sein. Nun wollen wir die noch vorhandenen Projektmittel möglichst optimal einsetzen und mit geeigneten Förderkulissen „veredeln“. Es gilt, die Voraussetzungen für weitere nachhaltige Entwicklungen am Standort der Laubuscher Gartenstadt zu schaffen. Jedoch wird es nicht reichen, einfach auswärtige Investoren für Bauprojekte zu begeistern. Das sollte auch nicht das vorrangige Ziel sein. Vielmehr sollten Projektinitiativen von den hiesigen bzw. regionalen Akteuren kommen. Deutlich wurde auch im Jahr 2020, dass wir noch andere Wege brauchen, um an die Menschen vor Ort heranzukommen. Hier stehen mir einfach noch zu viele skeptisch wartend hinter der heimischen Gardine. Mein Appell daher an diese Menschen: Das Projekt braucht Ihr Mittun!

Zum Abschluss: Welche Frage, die Sie eigentlich erwartet haben, habe ich bisher noch nicht gestellt?

Der Trautmannbau hat mir irgendwie gefehlt… Ich kann Ihnen dazu nur sagen: Es wird daran aktuell mit recht hoher Schlagzahl gearbeitet. Vorbereitungen für eine Rückbaumaßnahme sind veranlasst, einschließlich notwendiger amtlicher Genehmigungen hinsichtlich Waldumwandlung und Ersatzpflanzungen. Und ich führe hier viel Korrespondenz persönlich, da mir die Klärung dieses alten Sachverhaltes ein großes Bedürfnis ist. Und noch mal: Die Klärung erfolgt auf privatwirtschaftlicher Grundlage und mit privatem Geld.

Interview: Ralf Grunert

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