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Zeit der Einschränkungen und des Verzichtens

Auf der Lohsaer Kartbahn läuft die Saisonvorbereitung – mit ungewissem Ausgang.

Kartwagen- (früher „K-Wagen“, „Kleinwagen“-) Motorsport hat in Lohsa Tradition. Seit 1967, seit dem Umzug von der Stadtstrecke Hoyerswerda, besteht die Kartbahn. Eine Öffnung 2021 hält Betreiber Mathias Lesch frühestens ab Mai für realistisch
Kartwagen- (früher „K-Wagen“, „Kleinwagen“-) Motorsport hat in Lohsa Tradition. Seit 1967, seit dem Umzug von der Stadtstrecke Hoyerswerda, besteht die Kartbahn. Eine Öffnung 2021 hält Betreiber Mathias Lesch frühestens ab Mai für realistisch © Foto: Andreas Kirschke

Lohsa. Kartwagen-Motorsport lebt von Leidenschaft, Fairness und Respekt beim Wettkampf, vom Mitfiebern des Publikums, von der Gemeinschaft der Akteure und ihrer Familien, von reger Nachwuchsarbeit und von Pflege der Geschichte. All dies ist im Moment kaum möglich. Mathias Lesch (51), seit 2006 Betreiber der Lohsaer Kartbahn, bereitet dennoch mit seinem Team die Saison 2021 vor. Über Motivation, Inhalte und die aktuelle Lage sprach TAGEBLATT mit ihm.

Herr Lesch, ist der Saisonstart in der Zeit der Pandemie überhaupt möglich?

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Ja, schon. Doch momentan nur unter Trainingsbedingungen. Das heißt, stark eingeschränkt. Nach Aussage des Deutschen Olympischen Sportbundes betreibt unser Motorsportclub MC Lohsa Leistungssport. Unsere Kartbahn gilt jedoch als Freizeitsport-Anlage. Das ist mit vielen Auflagen, Beschränkungen, Regelungen verbunden. Der Inzidenz-Wert bei Corona-Neuinfektionen muss längerfristig unter 100 liegen. Dann ist das Trainieren für 20 Kinder im Alter bis 15 Jahre möglich oder das Trainieren mit fünf Erwachsenen.

Danach sieht es im Moment aber freilich eher nicht aus ...

Richtig. Es gibt zwar viele Bemühungen durch den Kreissportbund, den Landessportbund Sachsen und den Deutschen Motorsportbund um Öffnungen für den Breitensport im Freien. Doch das fruchtet leider nicht. Fakt ist: eine Beschränkung auf den Trainingsbetrieb würde keinen Sinn für unsere Kartbahn ergeben. Training und Wettkämpfe sollten im Jahresverlauf unbedingt einhergehen. Realistisch ist die Öffnung der Kartbahn im Mai. Dann hoffentlich wieder für alle Bereiche – für Training, Wettkämpfe, Treffen und für den Verleih von Karts.

Wie bereiten Sie aktuell die Piste vor?

Jahr für Jahr fahre ich die Strecke ab. Ich überprüfe auch sorgfältig die Markierungen. Das liegt in meiner Verantwortung. Ehrenamtliche vom MC Lohsa e. V. unterstützen. Wir entfernen Grasnaben und Risse auf der Piste, überprüfen und korrigieren die Reifen-Barrieren. Bis auf Beschädigungen durch Wildschweine blieben wir zum Glück bislang von größeren Schäden verschont.

Was ist zum Saisonstart 2021 geplant?

Zum Saisonstart findet Jahr für Jahr ein Familientreffen statt. Das hat bei uns eine lange Tradition. Allein voriges Jahr reisten 85 Teilnehmer aus ganz Deutschland an. Sie kamen bis aus Bremervörde, Bayern und Baden-Württemberg. Traditionell treffen sich Kartfahrer der Kategorien Classic und Modern. Ursprünglich geplant war das diesjährige Treffen für den 10./11. April. Das ist jetzt sehr ungewiss. Wir werden das Treffen wohl verschieben müssen.

Welche weiteren Termine sind geplant?

Halbwegs realistisch ist das erste Rennen am 25. April. Es findet für Teilnehmer ab acht Jahre statt und betrifft die Kategorien Classic und Modern. Das Rennen ist Bestandteil des Ostdeutschen Kart-Cups und des Kart-Classic-Trophy. Das Rennen zählt mit zur Sachsenmeisterschaft. Am 16. Mai soll der Langstrecken-Cup in der Kategorie Modern stattfinden. Dieses Rennen ist Bestandteil der Sachsen-Meisterschaft. Es ist bundesweit ausgeschrieben.

Ein Höhepunkt 2021 ist „60 Jahre Kart-Sport in Ostdeutschland“. Wie wird dieses Jubiläum gewürdigt – auch hier?

(lacht): Wo, wenn nicht hier in Lohsa? Ursprüngliche Idee war ein großes Familientreffen. Das wäre gerade für die Älteren und Erfahrenen spannend. Dazu kommt es jetzt wegen der Pandemie nicht. Realistisch ist, eine Chronik zusammenzustellen – entweder als Ausstellung oder als Buch. Dabei geht es mir nicht, wie sonst oft üblich, um das Abdrucken von Wettkampf- und Ergebnis-Listen. Wirklich spannend sind die Lebensgeschichten, Impressionen und Erinnerungen. Wir wollen sie zusammentragen und aufschreiben: Wie entstand die Kartbahn in Lohsa vor Ort? Wie motivierte sie damals die Sportler? Was konnten sie an Ideen und Vorhaben umsetzen? – All diese Fragen sind spannend. Wir wollen möglichst viele Berichte von Zeitzeugen zusammentragen.

Wie hart traf die Pandemie seit vorigem Jahr die Kartbahn Lohsa? War das Jahr 2020 ein verlorenes Jahr?

Ja. Der finanzielle Verlust war immens. Den Saisonstart und viele Wettkämpfe mussten wir zeitlich nach hinten verschieben. Das traditionelle und beliebte Seifenkisten-Rennen entfiel ganz. Den letzten regulären Wettkampf hier auf der Lohsaer Kartbahn gab es am 31. Oktober/1. November 2020. Das war der Lutz-Döpmann-Gedenklauf (in Erinnerung und Würdigung des Nachwende-Organisators und Kart-Sportlers in Sachsen, Lutz Döpmann). Das war das letzte Rennen der Saison 2020. In dessen Rahmen fand der letzte Lauf zur jeweiligen Meisterschaft im Ostdeutschen ADAC-Kart-Cup (OAKC) und Kart-Classic-Trophy (KCT) statt. Seitdem gab es keine Veranstaltungen mehr. In diesem Jahr ist der finanzielle Verlust noch erträglich.

Wie nutzen Sie die Zeit der Einschränkungen und des Verzichts?

So sinnvoll wie möglich. Der Vorteil ist: Ich kann jetzt Arbeiten erledigen, zu denen ich sonst nicht komme. Da geht es um das Streichen und um die Werterhaltung der Gebäude, um die Reparatur der Karts, ebenso um das Aufräumen und das In-Ordnung-Bringen der Lagerbestände.

Woraus schöpfen Sie Mut in der Corona-Krise?

Die jetzige Phase der Pandemie trifft viele Motorsport-Vereine hart. Unterstützung von Bund und Land gibt es nicht. Denn unsere Kartbahn zählt als Freizeiteinrichtung. Noch härter als ich in Lohsa sind allerdings jene Kollegen betroffen, die Kartsport in einer Halle betreiben. Das ist mit weit mehr Betriebskosten verbunden als in Lohsa die Freiluft-Kartbahn.

Wie steht es um die Nachwuchsarbeit beim MC Lohsa?

Die Situation ist sehr schwierig. Im Normalfall trainieren jeden Sonnabend sieben junge Sportler im Alter von acht bis 16 Jahren auf der Kartbahn. Sie trainieren in drei Teams. Leider ist seit November kein Trainieren möglich – das ist natürlich alles andere als motivierend.

Was erhoffen Sie sich für die neue Saison 2021?

Ich erhoffe mir, dass wir zumindest die wichtigsten Termine im Jahr einhalten. Ich erhoffe mir, dass der Nachwuchs bald wieder rege trainieren kann. Ebenso hoffe ich, dass der Verleih von Kartwagen wieder öffnen kann. Für uns ist das eine wichtige Einnahmequelle. Eine Öffnung der Kartbahn ist realistisch ab Mai.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Packende Szenen wie aus diesem Rennen im August 2007 bleiben vorerst nur Erinnerung – und Hoffnung für die Saison 2021 – für die Rennfahrer und für das Publikum an der attraktiven Lohsaer Natur-Kartbahn gleichermaßen.
Packende Szenen wie aus diesem Rennen im August 2007 bleiben vorerst nur Erinnerung – und Hoffnung für die Saison 2021 – für die Rennfahrer und für das Publikum an der attraktiven Lohsaer Natur-Kartbahn gleichermaßen. © Archivfoto: Uwe Jordan
Mathias Lesch
Mathias Lesch © Foto: Andreas Kirschke

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