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Hoyerswerda

Zeitloses über Generationen hinweg

Fleißige Hoyerswerdaer Handwerkerfamilien bieten schon seit vielen Jahrzehnten, manchmal über hundert Jahre lang ihre Dienste an.

Marco Scholze in seinem „Altstadt Juwelier“ in der Hoyerswerdaer Friedrichsstraße. Hier gibt es Edles: Uhren, Schmuck und Meißener Porzellan.
Marco Scholze in seinem „Altstadt Juwelier“ in der Hoyerswerdaer Friedrichsstraße. Hier gibt es Edles: Uhren, Schmuck und Meißener Porzellan. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Wenn hiesige Bürger eine Uhr reparieren lassen müssen oder Trauringe für den schönsten Tag im Leben kaufen wollen, können sie das bei Familie Scholze tun. Der Uhrmachermeister Marco Scholze firmiert in der Friedrichsstraße 43 als „Altstadt Juwelier“. Sein Bruder Haico Scholze ist Goldschmiedemeister und hat sein Geschäft im Lausitz-Center.

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Die Tradition der Scholzes als Uhrmacher begründete Vorfahr Erwin Ottomar Friedebert Scholze, der sich 1892 in Bautzen selbstständig gemacht hat, erzählt Marco Scholze. Marcos Vater Jürgen Scholze war Generationen später in Hoyerswerda als Uhrmachermeister eine Institution.

Ende 1964 kam er mit der Familie in den entstehenden Wohnkomplex (WK) V und sein erster „Laden“ war ein Zimmer einer Zweiraumwohnung an der heutigen Bautzener Allee. „Den anderen Raum nutzte die (Kinder-) Krippenverwaltung“, erinnert sich Marco Scholze. Jürgen Scholze durfte Uhren nur reparieren. Der Verkauf oblag in der „zweiten sozialistischen Großstadt“ den staatlichen Geschäften.

Eine leichte Verbesserung trat ein, als ein Mädchen bei Jürgen Scholze den Beruf der Uhrmacherin lernen wollte. Doch fehlte für eine Ausbildungsstelle im WK V der Platz. Da der Vater jener Schülerin Einfluss in der SED besaß, erwirkte er den Umzug der Firma in eine komplette Zweiraumwohnung im WK IV. „Im Flur war die Uhrenannahme, in der Küche das Büro und in den Zimmern die Werkstatt.“

Ende der 1970er Jahre konnte die Familie das Haus in der Friedrichstraße 43 kaufen und im Erdgeschoss endlich ein richtiges Geschäft einrichten. „Kleine Zimmer mit Ofenheizung waren das“, erinnert sich Marco Scholze. Sein Vater ließ das Schaufenster einbauen, das es heute noch gibt, und Wände herausreißen, um einen großen Verkaufsraum zu schaffen. Er durfte nun auch als Kommissionär der staatlichen Handelsorganisation HO Uhren anbieten.

Nach dem Mauerfall wollten die Kunden Digital-Uhren erwerben – aber auch weiter mechanische Zeitmesser aus Ruhla und Glashütte. „Die Eröffnung des Lausitz-Centers 1995 hat die Altstadt als Handelszentrum entwertet“, glaubt Scholze senior. Um sich von der Neustadt abzuheben, hat er die persönliche Kundenberatung beibehalten und sein Sortiment um Meißner Porzellan und hochwertigen Schmuck erweitert. „Früher wurde mehr repariert – jetzt wird mehr Neuware verkauft“, beschreibt Jürgen Scholze den Wandel.

Der 60-jährige Marco Scholze hat noch keinen Nachfolger für den von ihm seit 2016 geleiteten „Altstadt Juwelier“ gefunden. Seine Kinder haben andere Berufe, und weil die Menschen heute länger arbeiten, führt meist die Enkelgeneration das Familienunternehmen weiter. Er hofft, das Problem in den nächsten Jahren zu lösen.

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