merken
PLUS Hoyerswerda

Zeugnis der Industriegeschichte erhalten

Kultur- und Heimatverein Weißkollm warb im Lohsaer Gemeinderat für Nachnutzung der historischen Turbine.

Historisches Turbinenhaus in Weißkollm
Historisches Turbinenhaus in Weißkollm © Foto: Andreas Kirschke

Weißkollm. Das 1917/1918 vom Großindustriellen Hugo Stinnes errichtete Turbinenhaus Weißkollm soll für künftige Generationen erhalten bleiben. Dafür traten Vertreter des Ende September gegründeten Kultur- und Heimatvereins Turbine Weißkollm in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates ein. Elf der 16 Gründungsmitglieder waren gekommen, um die Nachnutzungskonzeption des Vereins vorzustellen.

„Die Turbine war früher energetischer Bestandteil der Gutswirtschaft Schloss Weißkollm“, unterstrich Mitglied Thomas Rösler, der ehemalige Weißkollmer Ortsvorsteher. „Das Bauensemble des Turbinenhauses mit den beiden integrierten Wehranlagen, die in Abhängigkeit zur Wasserhaltung für den Schlossteich und den Fasanenteich stehen, ist für Weißkollm ortsbildprägend. Das Gebäude ist eines der wenigen noch erhalten gebliebenen Anlagenteile aus dem ehemaligen Gutshof. Es ist letzter Zeitzeuge früherer industrieller Energiegewinnung durch Wasserkraft und der damaligen Wasserkunst für die Wasserhaltung genannter Teiche in Weißkollm.“

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Mindestens 60.000 Euro, so eine erste grobe Schätzung des Vereins, würde die Rettung des Turbinenhauses kosten. Die Original-Turbine aus dem Jahr 1917 gibt es nicht mehr. Jedenfalls fand der Verein noch keine Quellen und Hinweise dafür. „Dem Projekt Turbine liegt ein ausgeprägtes Bürger-Interesse zugrunde. Wir wollen unser örtliches Leben bereichern“, verdeutlichte Thomas Rösler.

In seinem Vortrag zeigte er den Gemeinderäten historische Flurkarten, Luftbilder und sogar ein Schreiben von Hugo Stinnes aus dem Jahr 1926 an die Gemeindevertreter von Weißkollm. Darin verwies der Großindustrielle darauf, dass die Gemeinde mit ihm einen „Elektrizitätslieferungsvertrag“ abschließen sollte.

Erweiterung des Pachtvertrages

Heute, so Thomas Rösler, gehe es um ganz andere Fragen. „Ein Konsens von Landestalsperrenverwaltung (LTV) und Gemeindeverwaltung ist notwendig“, meinte er. „Das Gebäude einschließlich Grundstück ist im Besitz der LTV. Für die Wehranlage besteht ein Pachtvertrag zwischen LTV und Gemeindeverwaltung Lohsa. Vorstellbarer Konsens zwischen LTV und Gemeindeverwaltung ist eine Erweiterung des bestehenden Pachtvertrages um den Hochgebäude-Anteil.“ Der Verein, so Thomas Rösler, könnte später Träger des Turbinenhauses werden – im Unterpacht-Verhältnis mit der Gemeinde. Schrittweise, so bekräftigte er, würde der Verein in Eigeninitiative des Turbinenhaus sichern und wieder beleben.

Es wartet jede Menge Arbeit

Wichtige Schritte dabei sind die Feststellung zu Medienanschlüssen, die Demontage der defekten Dachrinnen und der Freileitungs-Anschluss-Masten, die Reparatur der schadhaften Dach-Eindeckung, die Sicherung und Instandsetzung der Zugangstüren und der Fenster, die Beräumung des Dachbodens und die Entkernung des Gebäude-Innenraums.

Vielfältig und gemeinnützig will der Verein eines Tages das frühere Turbinenhaus nutzen (TAGEBLATT berichtete). Es sollte zur Kultur- und Geschichtspflege dienen. Es sollte Heimstatt, Bürgertreff und Begegnungsstätte sein. Immer wieder sollte es auch für Ausstellungen einheimischer und auswärtiger Künstler dienen, ebenso als Ort für Lesungen und für Musik-Abende. „Die Gemeinde Lohsa wird um eine touristische Attraktion erweitert“, betonte Thomas Rösler. „Perspektivisch könnte eine Dokumentation zur Energie-Gewinnung entstehen. Originell wäre der Einbau einer Schauturbine zur Darstellung der Energieerzeugung mit Wasserkraft.“

Bei den Gemeinderäten stieß das Projekt auf offene Ohren. „Steht das Gebäude Turbinenhaus unter Denkmalschutz?“, fragte Gemeinderat Reiko Stephan nach. Dafür, so Thomas Rösler, gebe es keine Anhaltspunkte. Gemeinderat Udo Steglich (Linke) sprach sich für die Rettung des Turbinenhauses aus. „In einer Zeit, die von Ökonomie geprägt ist, sollten wir eine Lösung dafür finden“, meinte er. „Ich hoffe, dass wir bald eine Möglichkeit finden.“

Kein Bürgermeister-Statement

Das Fazit des Kultur- und Heimatvereins Weißkollm war nach der Ratssitzung ernüchternd. Erwartet und erhofft hatten die Vertreter des Vereins ein klares, wegweisendes Statement durch Bürgermeister Thomas Leberecht. Dazu kam es jedoch im Laufe der Ratssitzung nicht.

Mehr zum Thema Hoyerswerda