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Zeugnis der Industriegeschichte retten!

Weißkollmer kämpfen nun im Verein um den Erhalt und die Nachnutzung des früheren Turbinenhauses.

Bereits am 17. Juli gab es einen Vor-Ort-Termin am Turbinenhaus Weißkollm. Lohsaer/Weißkollmer und Vertreter der Landestalsperrenverwaltung (LTV) diskutierten intensiv.
Bereits am 17. Juli gab es einen Vor-Ort-Termin am Turbinenhaus Weißkollm. Lohsaer/Weißkollmer und Vertreter der Landestalsperrenverwaltung (LTV) diskutierten intensiv. © Foto: Andreas Kirschke

Weißkollm. Reges Interesse fand die Gründung des Vereins zur Rettung der historischen Turbine von Weißkollm / Běły Chołmc. Insgesamt 16 Gründungsmitglieder trafen sich am 24. September und riefen an jenem Tage den Kultur- und Heimatverein Turbine Weißkollm e. V. als Dachverein im Ort ins Leben. „Das ist ein guter Einstand“, meint Vorsitzender Rolf Möbius. Der Verein will das Turbinenhaus, das der Großindustrielle Hugo Stinnes 1917/1918 errichten ließ, vor dem Verfall und dem Abriss retten. Es gilt als Zeugnis der Industriegeschichte. Es ist ein letztes Zeugnis früherer Energie-Gewinnung im Ort.

Wenigstens 60.000 Euro Kosten

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„Als eines der letzten Bestandteile der ehemaligen Schloss-Anlage in Weißkollm prägt es noch heute unser Ortsbild“, unterstreicht der Vorsitzende. Der Verein schätzt die Kosten für die Sanierung des alten Turbinenhauses auf mindestens 60.000 Euro. Bei der Gemeinde Lohsa reichte er schon tags darauf, am 25. September, das elfseitige Nachnutzungskonzept und weitere Unterlagen ein. Gemeinnützig will der Verein das Turbinenhaus retten und beleben. Zur Kultur- und Geschichtspflege sollen dort eines Tages Vorträge, Lesungen und Liederabende stattfinden. Vorstellbar sind Ausstellungen heimischer Künstler und Sammler. Mit Leuchten-Sammler Siegfried Bläsche, Mineralien-Sammler Frank Sauer, Hammer-Sammler Olaf Hanspach, Malerinnen wie Ruth Noack, Maren Behrens und Anke Konz-Jäger, den Holzkünstlern Rainer Blümel und Maik Domsch und anderen weist der Ort erstaunlich viel Kreativität vor. „Vorstellbar wäre im alten Turbinenhaus künftig ein Handwerker-Café. Von dort könnten Arbeitseinsätze wie Frühjahrsputz, Herbstputz und weitere Initiativen starten“, regt Rolf Möbius an. Wie er engagiert sich auch Thomas Rösler, seit 2004 im Ortschaftsrat aktiv, für die Turbine. „Sie ist ortsbildprägende Geschichte. Wir wollen sie nicht dem Verfall preisgeben.“ Der Verein steckt noch weitere Ziele ab. Er würde die Pflege des Wehrs (nicht die Unterhaltung) übernehmen. Dazu gehören Rasenmahd, Beräumung der Wehr-Einläufe und Reinigung der Wehr-Trasse. „Uns schwebt vor, mit Informationstafeln die frühere und die heutige Energie-Gewinnung im Ort zu erläutern“, sagt Rolf Möbius. „Das Turbinenhaus – unweit des Radwanderweges «Seenlandroute» gelegen – könnte auch Rastpunkt für Radler und Wanderer sein. Dort könnte eine touristische Übersichtstafel zum Lausitzer Seenland stehen. Langfristig könnte sogar eine kleine Ladestation für Elektro-Fahrräder vor Ort sein. Fernziel ist, dass wir eine historische Dokumentation zur Energie-Gewinnung im Ort gemeinsam mit Chronist Werner Thomas erstellen wollen.

Fernziel: Einbau einer Schauturbine

Fernziel ist der Einbau einer Schauturbine ins Turbinenhaus – zur Darstellung der Energie-Erzeugung mit Wasserkraft.“ Trotz erster intensiver Recherchen fanden Rolf Möbius und seine Mitstreiter bislang keine historischen Archivbilder von der früheren Turbine selbst. Lediglich vom Gebäude Turbinenhaus liegen Fotos vor. „Wir forschen weiter nach. Wir freuen uns über jeden Hinweis, jede konstruktive Unterstützung“, unterstreicht der Vorsitzende.

Bei Nicht-Handeln droht Abriss

Handeln ist dringend geboten – nagt doch der Zahn der Zeit am Turbinenhaus. Passiert nichts, will die Landestalsperren-Verwaltung (LTV) als Eigentümer das Gebäude abreißen. Der frisch gegründete Verein darf in Abstimmung mit der LTV ab 1. Oktober für drei Wochen ins Gebäude. „Erster Schritt ist die Bestandsaufnahme. Folgen sollen Sicherung, Entkernung und Beräumung des Turbinenhauses. Ebenso die Erarbeitung eines Innen-Nutzungskonzeptes“, sagt der Vorsitzende. Die Vereinsgründung, so erinnert er an die Vor-Ort-Begehung vom 17. Juli (SZ berichtete), geschah in Abstimmung mit der Gemeinde Lohsa. Bislang bestand lediglich eine lose Interessen-Gemeinschaft. Der jetzt gegründete Kultur- und Heimatverein Turbine Weißkollm e. V. schafft Verbindlichkeit und Verantwortlichkeit; die rechtliche Grundlage für weiteres Handeln. Ein Verein, so betont der Vorsitzende, kann Spenden einwerben und Fördermittel beantragen. Dies soll möglichst über das Förderprogramm Leader geschehen.

Die Gemeinde Lohsa, so ist vereinbart, prüft das vom Verein eingereichte Nachnutzungskonzept. Die Kommune ist Pächter der Wehranlage von der LTV. Der Pachtvertrag betrifft jedoch nicht das Turbinenhaus selbst. „Darum sollte der Pachtvertrag dringend erweitert werden“, regt Thomas Rösler an. „Gemeinderat und Kommune sind jetzt in der Verantwortung. Wir hoffen auf Unterstützung und auf ein klares Votum.“ Klares Ziel des Vereins ist der Erhalt und die Nachnutzung des Turbinenhauses. Darum bewirbt sich der Kultur- und Heimatverein Turbine Weißkollm um die Trägerschaft des Gebäudes als Unterpächter. „Wir können erst dann die Eintragung ins Vereinsregister beim Vereinsgericht in Dresden vornehmen lassen, wenn der Satzungsgedanke klar erfüllt ist. Das heißt: der Pachtvertrag zwischen Gemeinde und LTV sollte um das Gebäude Turbinenhaus erweitert werden“, verdeutlicht Rolf Möbius. Im Ort sieht er viel Bereitschaft, Enthusiasmus und Engagement zur Mitwirkung. Er spürt starkes Interesse zur Pflege der Geschichte. Er spürt Sensibilität, in wichtigen Fragen anzupacken. „All diese Bereitschaft dürfen wir nicht verspielen. Politikverdrossenheit wäre die Folge. Das darf nicht passieren“, meint Thomas Rösler. Für Rolf Möbius zählt noch etwas anderes. „Ein Erfolg würde dem Ort guttun und die Eigeninitiative stärken. Für den Zusammenhalt im Ort wäre das elementar wichtig. Unsere Einwohner hoffen und warten auf ein solches Signal.“

Am 13. Oktober im Gemeinderat

Am 13. Oktober steht das Thema Turbine Weißkollm auf der Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung. Beginn ist um 18 Uhr im Ratssaal Lohsa. Interessierte sind herzlich eingeladen.

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