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Zukunft-Erbe-Preis für Autorin Freya Klier

Die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ stellt Aufgaben für das Heute.

Am Sonntag in der Lausitzhalle Hoyerswerda: Prof.-Dr. Frank-Lothar Kroll (v. l.), Frank Hirche, Liane Labuhn (in weiß) und Dr. Jens Baumann übergeben Freya Klier (Mitte) den Hauptpreis des Zukunft-Erbe-Preises.
Am Sonntag in der Lausitzhalle Hoyerswerda: Prof.-Dr. Frank-Lothar Kroll (v. l.), Frank Hirche, Liane Labuhn (in weiß) und Dr. Jens Baumann übergeben Freya Klier (Mitte) den Hauptpreis des Zukunft-Erbe-Preises. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. 1950 wurde in der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ festgeschrieben, dass alle organisierten Vertriebenen Westdeutschlands auf Rache und Vergeltung verzichten. Stattdessen wollten sie sich in ihre neue Heimat BRD integrieren und an der Schaffung einer europäischen Friedensordnung mitwirken. 

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Mit diesen Worten hat die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV) Stadtverband Hoyerswerda, Gisela Lossack, den Sächsischen Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung 2020 eröffnet. Dieser fand wegen der Corona-Pandemie erstmals mit dem jährlichen „Tag der Heimat“ des Stadtverbandes in der Lausitzhalle statt. Der Vorsitzende des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz, Frank Hirche, formulierte: „Die Charta ist eine Verpflichtung in der heutigen Zeit, denn Viele haben das miteinander und aufeinander zugehen verlernt.“

Edith Wellnitz, Leiterin der Kreisgruppe Dresden der Landsmannschaft Ost- und Westpreußen Landesgruppe Sachsen hält ganz bewusst Kontakt zu ihrer alten Heimat. Im bitterkalten Winter 1944 ist sie mit der Mutter aus Königsberg/Ostpreußen vertrieben worden. Heute tritt die 83-Jährige mit dem Chor des BdV-Kreisverband Dresden in Ost- und Westpreußen auf. Sie gehörte zu den ca. 200 Vertretern verschiedener Landsmannschaften und Landesverbände aus ganz Sachsen, die in die Lausitzhalle gekommen waren.

Die DDR-Bürgerrechtlerin und Autorin Freya Klier arbeitet seit 1990 in ihren Büchern und Filmen das Schicksal der zumeist nach Sibirien verschleppten Zwangsarbeiter auf und bringt dieses lange vergessene Unrecht ins öffentliche Bewusstsein, erklärte Prof.-Dr. Frank-Lothar Kroll. Dafür bekam sie den mit 2.000 Euro dotierten Hauptpreis des Zukunft-Erbe-Preises der Stiftung „Erinnerung, Begegnung, Integration - Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen“, sagte er in seiner Laudatio. Freya Klier warnte, „dass dort Geschichtsklitterung beginnt, wo man, was einem nicht passt, einfach weglässt“. Das Förderstipendium des Zukunft-Erbe-Preises erhält der Doktorand der Geschichte an der Technischen Universität Dresden, Daniel Wendorf, der das Leben geflüchteter und vertriebener Menschen in Dresden zwischen 1945 und 1952 erforscht. Der mit 1.000 Euro dotierte Sonderpreis ging an den Germanisten Dr. Jozef Zabrucki von der Riesengebirgshochschule Hirschberg/Jelenia Gora. Dr. Zabrucki übersetzt deutsche Literatur ins Polnische und umgekehrt, um das beide Völker verbindende kulturelle Erbe bekannter zu machen.

Seine Arbeit gehört wie der Aufbau der Bildungs- und Begegnungsstätte „Transferraum Heimat“ Knappenrode zur Kultur- und Erbepflege, um die Geschichte der Heimatvertriebenen und die Lehren daraus künftigen Generationen zu vermitteln, erklärt Dr. Jens Baumann, Beauftragter des Freistaates Sachsen für die Angelegenheiten der Vertriebenen und Spätaussiedler.

Der Umbau des ehemaligen Empfangsgebäudes der Energiefabrik läuft. Dr. Lars-Arne Dannenberg erläutert vor Ort anhand einer Zeichnung, wie ein alter Viehwaggon und moderne Medien Geschichte lebendig werden lassen können. „Zum nächsten Schulanfang soll der erste Raum, der die wichtigsten Vertreibungsgebiete vorstellt, fertig sein“, kündigte der Historiker an.

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