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Zurück zur Normalität

Das Lausitzer Seenland-Klinikum ist uneingeschränkt wieder in Betrieb. Die Belegschaft hat harte Monate hinter sich.

Die beiden Chefärzte Frank Dietrich und Heiko Sahre sowie Geschäftsführer Mirko Papenfuß informierten am Mittwoch über die Pandemiezeiten im Lausitzer Seenland-Klinikum. Für die Mitarbeiter gibt es nicht nur Lob, sondern auch materielle Anerkennung.
Die beiden Chefärzte Frank Dietrich und Heiko Sahre sowie Geschäftsführer Mirko Papenfuß informierten am Mittwoch über die Pandemiezeiten im Lausitzer Seenland-Klinikum. Für die Mitarbeiter gibt es nicht nur Lob, sondern auch materielle Anerkennung. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Der Krisenstab ist aufgelöst, die Kliniken und Stationen laufen allesamt in Richtung Normalbetrieb. Ambulante Sprechstunden und Operationen sind zu 100 Prozent wieder möglich. Das Lausitzer Seenland-Klinikum ist uneingeschränkt wieder in Betrieb. Die Isolierstation wurde in den Standby-Betrieb versetzt. Sie wird jetzt nicht benutzt, könnte aber kurzfristig wieder hochgefahren werden. Denn bei aller Entspannung und sommerlicher Freude – am Seenland-Klinikum geht man davon aus, dass es eine nächste Covid-Erkrankungswelle geben wird.

Aber jetzt stehen die Zeichen erst einmal auf Entspannung und Rückkehr zum Normalbetrieb. Stand Mittwochmittag wurden im Hoyerswerdaer Krankenhaus zehn Covid-Patienten betreut, davon sieben auf der Intensivstation. Und wenn es weitere Lockerungen seitens des Freistaates gibt, ob nun für Mitarbeiter oder Besucher, dann werde man die auch schnellstmöglich umsetzen. So ist auch die Öffnung der Innengastronomie durchaus absehbar.

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Corona ist nicht vorbei

Es ist ein Aufatmen zu spüren im Lausitzer Seenland-Klinikum. Geschäftsführer Mirko Papenfuß, Chefarzt Frank Dietrich, Haushygieniker und Laborchef, sowie Chefarzt Heiko Sahre, Leiter der Intensivmedizin, gaben am Mittwoch einen Rückblick auf das Covid19-Geschehen im Krankenhaus. „Wir haben vor einem Jahr versucht, einen Wall um das Haus zu bauen“, sagt Frank Dietrich. „Doch der Wall hat nicht gehalten“. Wie an allen anderen Krankenhäusern auch. Starke Zutrittsbeschränkungen, der Einsatz von 85.000 FFP2-Masken, 140.000 OP-Masken, 65.000 Schutzkitteln und 6,5 Kubikmeter Hände-Desinfektionsmittel wurden allein im Jahr 2020 im Hoyerswerdaer Krankenhaus eingesetzt. Und manchmal war es knapp, musste rationiert werden, doch letztlich war Schutzausrüstung immer da.

Das Virus fand aber seinen Weg, so dass auch viele Mitarbeiter erkrankten oder in Quarantäne mussten. Gerade zum Höhepunkt der zweiten Welle im Dezember war die Belegschaft an der Grenze des menschlich Machbaren gewesen. „Wir sind multiresistente Keime gewohnt, wir sind gewohnt, schwer Kranke zu versorgen und Menschen zu verlieren. Aber Dezember und Januar waren extrem“, schildert Heiko Sahre. Es war die Zeit, in der so viele Patienten starben, dass die Toten nicht zeitnah von den Bestattern übernommen werden konnten, das Seenland-Klinikum dem Beispiel anderer Häuser folgte und für eine extra Kühlung der Leichname sorgen musste. „Diese Krankheit ist extrem tödlich“, sagt Heiko Sahre über Covid 19. „Aber eben nicht so schnell.“ Der hohe Altersdurchschnitt in der Region trug nach Ansicht der Mediziner mit dazu bei, dass es eine große Anzahl an stationären Patienten gab, von denen in der zweiten Welle jeder vierte verstarb. In der dritten Welle starben zwar prozentual mehr der Covid-Patienten, aber es waren deutlich weniger im Krankenhaus. Und sie sind jünger als in der zweiten Welle. Die meisten sind zwischen 60 und 70 Jahre alt, die Krankheitsverläufe sind teils anders, die Krankenhausaufenthalte länger. Jetzt ebbt die dritte Welle ab. Es ist so, dass viele Menschen jetzt an Covid erkrankt waren oder sie sind geimpft und der Sommer spielt auch noch in die Karten. Auf jeden Fall, so Mirko Papenfuß, ist das Klinikum gut durch diese dritte Welle gekommen. Da habe schon die Routine gegriffen. Zudem wurde seit März kein Klinikummitarbeiter mehr positiv auf Sars-CoV2 getestet, 70 Prozent der Mitarbeiter im medizinischen Bereich sind geimpft, hinzu kommen zahlreiche Genesene.

„Zu Beginn der ersten Welle kamen die Intensivpatienten gar nicht so sehr zu uns. Wir haben damals versucht, erst einmal die Krankheit zu verstehen. Eine Virus-Erkrankung, die den ganzen Körper erfasst, das war neu. Da konnte auch keiner sagen wie das funktioniert. Und es kann wohl immer noch keiner“, sagt Heiko Sahre. Inzwischen weiß man mehr, doch gegen das Virus selbst lässt sich immer noch nichts tun bei der Behandlung.

Frank Dietrich ist dennoch etwas stolz: „Wir haben es geschafft, dass alle Patienten die bestmögliche Versorgung erhielten. Das war in anderen Gesundheitssystemen der Welt nicht möglich“. Zu Beginn der zweiten Welle war die Diagnostik aufgerüstet worden, so dass die PCR-Test im Haus durchgeführt werden konnten. Und ganz nebenbei kam durch die Schutzmaßnahmen die Grippe in dieser Saison nicht zum Zuge. „Wir hatten in diesem Jahr gerade mal sechs Influenzafälle“, sagt Dietrich. Von den 18.596 im Labor auf Sars-CoV2 durchgeführten PCR-Tests waren hingegen 1.069 positiv. Seit Beginn der Pandemie bis zum 31. Mai 2021 wurden allein im Seenlandklinikum 814 Covid-Patienten behandelt. Frank Dietrich lobt in diesem Zusammenhang nicht nur die Arbeit der Mediziner und der Pflegekräfte, sondern auch die der Servicekräfte, ohne die viele logistische Dinge nicht möglich gewesen wären. Mirko Papenfuß kündigte an, dass es für alle Mitarbeiter des Klinikums im Juni eine Corona-Prämie geben wird.

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