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Zwanzig Jahre ohne Grubenbahn

Am 1. Juli 2001 befuhr ein Zug das letzte Mal die Gesamtstrecke Knappenrode-Auerhahn. Eine Spurensuche.

Diese Brücke über die S 95 zwischen Wittichenau und Oßling sollte dem geplanten Straßenneubau ein paar Meter weiter links weichen. Das Bild entstand am 30.6.2001.
Diese Brücke über die S 95 zwischen Wittichenau und Oßling sollte dem geplanten Straßenneubau ein paar Meter weiter links weichen. Das Bild entstand am 30.6.2001. © Archivfoto: Uwe Schulz

Knappenrode. Wenn etwas zwanzig Jahre her ist, dann haben jene, die das aus eigenem Erleben noch kennen, teilweise recht lebhafte Erinnerungen daran. Für Leute um die 20 bis 30 Jahre ist das dann etwas aus der fernen Vergangenheit vor dem eigenen Erleben, fast schon historisch. Und der Natur reicht der Zeitraum, über eine Sache nicht nur Gras, sondern ganze Wälder wachsen zu lassen.

Die Lausitzer Grubenbahn ist so etwas. Man muss auf der B 97 am Auerhahn schon wissen, dass hier einst ein Gleis die Straße kreuzte. Auf der einstigen Gleistrasse wächst ein Wald, der entfernte Bahnübergang, mit Asphalt geschlossen, ist nur anhand der Bitumennähte in der Fahrbahn erahnbar. Es war der 1. Juli 2001, da ein touristischer Zug der Lausitzer Grubenbahn das letzte Mal vom Bergbaumuseum Knappenrode bis zur Haltestelle Auerhahn und wieder zurückgefahren ist. Danach durfte man nur noch die halbe Strecke bis zur Haltestelle Wittichenau-Waldbad befahren, denn die Brücke über die S 95 zwischen Wittichenau und Oßling war für die Bahn gesperrt worden. Ihr Abriss stand bevor. Am 16. Juli 2001 wurden Prellböcke auf dem Gleis jeweils vor der Brücke verschweißt, am 7. August zündeten die Sprengladungen, und die Brücke hörte auf zu existieren.

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86.000 Gäste in acht Jahren

Die Grubenbahn entstand als Grubenbahn mit 900 mm Spurweite Anfang der 1930er-Jahre und verband die Brikettfabriken in Zeißholz und Werminghoff (später in Knappenrode umbenannt) bzw. zunächst den gleichnamigen Tagebau. 1934 ging die elektrifizierte Strecke in Betrieb. Das Netz wurde dann deutlich weiter ausgebaut. Mit dem Niedergang der Braunkohlenindustrie und der Stilllegung der Brikettfabriken wurde auch das Grubenbahnnetz nicht mehr benötigt. Es entstand die Idee einer touristisch genutzten Bahn, bewirtschaftet von einem Verein, der sich Ende 1993 gründete. Am 18. Juni 1994 setzte sich der erste touristische Zug im an jenem Tag eröffneten Bergbaumuseum Knappenrode in Bewegung. Die Gesamtstrecke bis zum Haltepunkt Auerhahn, der Elektrifizierung bereits beraubt, wurde ab 1995 während der Saison am Wochenende und mit Sonderzügen befahren. Trotz prominenter Unterstützung gelang es aber nicht, das ganze Projekt auf wirtschaftlich sich selbst tragende Füße zu stellen. Ende 2001 erlosch die Betriebserlaubnis für die Bahn, die in den acht Jahren ihres Bestehens nach Vereinsangaben rund 86.000 Personen befördert hatte. 2003 beschloss der Förderverein seine Auflösung, nahezu das gesamte rollende Material, darunter Plattenwagen, Personenwagen und Dieselloks vom Typ VC 10 wurden 1994 an den Verein Kohlenbahn e. V. Meuselwitz veräußert und per Lkw dorthin transportiert. Allerdings sind zumindest die Lokomotiven dort später verschrottet worden.

Seitens der Bergbausanierer wurden dann Gleisanlagen und ingenieurtechnische Bauwerke zurückgebaut. Lediglich bei Wittichenau blieben Teile des einstigen Bahndammes liegen. Und das Lausitzer Bergbaumuseum in Knappenrode, nunmehr Energiefabrik, erhielt dank Museumsfördervereins 2012 einen Draisinen-Rundkurs. Bis dahin war man mit einer Handhebeldraisine schon auf 700 Metern des verbliebenen Grubenbahngleises mit Touristen hin und her gefahren. Dank eines neu gebauten Lückenschlusses entstand ein rund 2,5 Kilometer langer Rundkurs. Hier ist etwas Grubenbahnfeeling noch unter eigenem Körpereinsatz erfahrbar, zumindest dann wieder, wenn das Museum anhand der geltenden Coronabestimmungen den Draisinen-Betrieb aufnimmt. Und unter dem vor der Witterung schützenden Oberbau der ehemaligen Kohleverladung steht noch eine Grubenbahn-Diesellok VC 10.

Erinnerungsstätte in Scheckthal

Ansonsten ist es schwer, Spuren der Bahn, mit der sich einst gewisse touristische Träume verbanden, im Gelände zu finden. Eine gepflegte Erinnerungsstätte befindet sich in Scheckthal in jenem Bereich, wo die Grubenbahn einst auf Bahndamm und Brücke den Ort durch- und die Straße überquerte.

Die Jahre überdauert hat auch ein Relikt aus den 1990er-Jahren im Bereich des Rastplatzes Auerhahn an der B 97 Hoyerswerda-Bernsdorf. Von der Straße aus kaum noch zu sehen steht hier die damals erbaute hölzerne Schutzhütte mit dem begrünten Dach. So langsam beginnt sich die Holzkonstruktion zu neigen. Von der Auerhahn-Holzskulptur, die hier einst stand, ist freilich schon lange nichts mehr zu sehen. Das Original und mindestens ein Nachbau waren gleich in jenen Jahren von Unbekannten entwendet worden.

Ein paar Meter weiter steht noch eine langsam zerfallende Holzkonstruktion mit einer Wanderkarte „der Gemeinde Schwarzkollm“, in der etliche interessante Punkte aus dem Schwarzkollmer Waldgebiet eingetragen sind. Auch die Eisenbahntrasse ist noch dick markiert, daneben prangt das Logo des Fördervereins Lausitzer Grubenbahn. Aber – es war einmal…

Detail der Grubenbahn-Erinnerungsstätte in Scheckthal.
Detail der Grubenbahn-Erinnerungsstätte in Scheckthal. © Archivfoto: Uwe Schulz
So sieht der einstige Bahnübergang samt Gleistrasse an der B 97 im Bereich des „Auerhahns“ heute aus.
So sieht der einstige Bahnübergang samt Gleistrasse an der B 97 im Bereich des „Auerhahns“ heute aus. © Archivfoto: Uwe Schulz
Auf dieser rund 25 Jahre alten Karte am Rastplatz Auerhahn ist die Grubenbahn samt Vereinslogo noch präsent.
Auf dieser rund 25 Jahre alten Karte am Rastplatz Auerhahn ist die Grubenbahn samt Vereinslogo noch präsent. © Repro: Uwe Schulz

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