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„Zwei Könige teilen sich ein Schloss“

Hoyerswerdas Lausitzhalle will das Weihnachtsmärchen trotz Covid-19 nicht ganz abblasen.

© Archivfoto: Rainer Könen

Hoyerswerda. Die Pläne waren geschmiedet, die Genehmigung lag vor. Zwei Hüttchen, einen Getränkewagen, Feuerschalen und Sitzpagoden wollte die Lausitzhalle GmbH für zehn Tage auf den Markt stellen, um wenigstens ein bisschen ihren Teschenmarkt zu ersetzen. „Es ergibt unter diesen Umständen keinen Sinn“, sagt Lausitzhallen-Chef Dirk Rolka. Es ist der nächste Tiefschlag nach der Absage der 55. Musikfesttage und des 25. Stadtfestes. Da sollte wenigstens nicht noch die Jubiläums-Ausgabe des Weihnachtsmärchens dran glauben.

Zwar gibt es schon seit Eröffnung des damaligen HBE im Jahr 1984 Heiligabend-Familienprogramme. Aber dieses Jahr wäre es die 30. Ausgabe gewesen, die die Halle selbst produziert hätte. Man schrieb Hygienekonzepte, schrieb sie wieder um. Man kürzte das Programm, um es mit jeweils weniger Zuschauern öfter spielen zu können. Aber: Die Viren lassen‘s nicht zu.

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Zuletzt gab es Planungen für eine Video-Aufzeichnung. Doch mit Hygiene- und Abstandsvorschriften würde die Produktion zu lange dauern und zu aufwendig werden. Bis Heiligabend sind schließlich keine drei Wochen mehr. Als Ersatz gibt es nun gleich drei Weihnachtsmärchen – online.

Seit Jahren werden die Aufführungen mitgeschnitten; mit drei bis fünf Kameras. Der Ton läuft übers Mischpult. „Es war nie vorgesehen, das auszustrahlen. Aber die Qualität ist recht gut“, sagt Lausitzhallen-Techniker Torsten Hauser. Er gehört, wie die anderen Mitglieder der Theatergruppe „einmaldiewoche“ der KulturFabrik viele Jahre zum Stamm-Ensemble des Weihnachtsmärchens. Nun sitzt er daheim an seinem Rechner, an dem er zuletzt die Online-Version des Liederfest-Wettbewerbskonzertes geschnitten hat, und bereitet die Ersatz-Weihnachtsmärchen fürs Internet vor. Ab dem 22. Dezember soll drei Tage lang jeweils ein Mitschnitt auf der Webseite der Lausitzhalle veröffentlicht werden. Die Homepage wird gegenwärtig technisch so aufgerüstet, dass das auch möglich ist.

Zu sehen sein werden die Inszenierung von „Frau Holle“ aus dem Jahr 2015, die Inszenierung von „König Drosselbart“ aus dem Jahr 2017 sowie aus dem Jahr 2018 die Inszenierung von „Das tapfere Schneiderlein“. Dirk Rolka sagt, der Verlag, von dem man jedes Jahr die Aufführungsrechte der Stücke erwirbt, sei recht entgegenkommend gewesen. Das heißt: Die Tantiemen halten sich in Grenzen. Gezahlt werden muss aber doch etwas. „Wir tragen die Produktionskosten“, erklärt Rolka. Das heißt: Zahlen Zuschauer sonst Eintritt, können sie die Märchen dieses Jahr auf der heimischen Couch kostenfrei ansehen. Es wird allerdings um Spenden gebeten. „Für Leute, denen es in dieser Zeit deutlich schlechter geht als uns“, so der Lausitzhallenchef. Er nennt beispielsweise freiberufliche Künstler und / oder Techniker.

Die Märchen-Miniwebserie zum Fest wird im Übrigen etwas offenbaren, was unter normalen Umständen kaum jemandem auffällt: So manche Kulisse wird wieder und wieder benutzt. „Bei uns teilen sich dieses Jahr also zwei Könige ein Schloss, was ich recht fortschrittlich finde“, witzelt Dirk Rolka. Er ist aktuell auch im Gespräch mit der Chefin des Sinfonischen Orchesters, Christiane Vogel. Denn von dessen traditionellen Silvesterkonzerten existieren ebenso Video-Mitschnitte. Vorgesehen ist eine ähnliche Lösung wie beim Weihnachtsmärchen: Eine Woche nach Heiligabend dürfte es also im Internet festliche Musik aus der Lausitzhalle geben.

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