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Zwei Schulweghelferinnen und eine Mission

Marita Papalla und Christine Michalowksi engagieren sich in den Verkehrswachten Hoyerswerda und Lauta.

Marita Papalla ist mit Leib und Seele Schulweghelferin. Im Verkehrsgarten ist die 67-Jährige bei Veranstaltungen wie Fahrradausbildungen und anderen Aktionstagen auch anzutreffen.
Marita Papalla ist mit Leib und Seele Schulweghelferin. Im Verkehrsgarten ist die 67-Jährige bei Veranstaltungen wie Fahrradausbildungen und anderen Aktionstagen auch anzutreffen. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda/Lauta. Es ist nichts Neues, dass Vereine und Gruppen ihren Mitgliedern Halt, Stabilität und Motivation geben können. So ist es auch bei Marita Papalla. Die 67-Jährige hat vor über zehn Jahren ihren Ehemann verloren. Plötzlich war nichts mehr so, wie es einmal war. Nachdem sich die Hoyerswerdaerin mit der neuen Situation arrangiert hatte, verspürte sie auch wieder die den Drang und die Motivation eine Aufgabe zu übernehmen. 

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Möglichst eine sinnvolle Beschäftigung, bei der sie mit Kindern arbeiten könne. Die Philosophie der Hoyerswerdaer Verkehrswacht gefiel der Seniorin und traf genau ihr Ansinnen: Kindern dabei zu helfen, selbstsicher und mit dem nötigen Wissen den Straßenverkehr im Alltag meistern zu können.

Laut dem Statistischen Bundesamt kam 2018 durchschnittlich alle achtzehn Minuten ein Kind im Alter von unter 15 Jahren im Straßenverkehr zu Schaden. Insgesamt seien es 29.213 Kinder, die 2018 auf Deutschlands Straßen verunglückten. Davon seien sogar bedauerlicherweise 79 Kinder, 18 mehr als im Vorjahr, verstorben. Insgesamt hätten Kinder aber im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil ein geringeres Unfallrisiko als andere Altersgruppen. Langfristig betrachtet, würden glücklicherweise immer weniger Kinder ihr Leben im Straßenverkehr verlieren, heißt es weiter.

Mehr Rücksicht im Straßenverkehr

Diese erfreuliche Entwicklung liegt mit Sicherheit auch in der Arbeit der Schulweghelfer begründet, die hier und da zwar noch Schülerlotsen genannt werden. Aber diese Bezeichnung sei heutzutage nicht mehr korrekt. Denn Schülerlotsen sind Schüler, die anderen Schülern im Straßenverkehr behilflich sind. Dagegen sind Schulweghelfer Erwachsene, die diese Aufgabe übernehmen, heißt es der Richtigkeit halber aus den Reihen der Hoyerswerdaer Verkehrswacht, die an drei Punkten in der Stadt morgens für Sicherheit sorgt. Sechs Schulweghelfer begleiten und wachen jeweils zu zweit an drei Brennpunkten in der Stadt, um besonders Kindern einen sicheren Straßenübergang in der Nähe ihrer Schulen zu ermöglichen. Marita Papalla betreut mit ihrem Kollegen einen Bereich der Einsteinstraße – in der Nähe der Grundschule „An der Elster“.

Was sich die 67-Jährige mit ihren Kollegen sehnlichst wünscht: Besonders im Winter hellere Kleidung für die Kinder, mehr Polizeikontrollen und etwas mehr Aufmerksamkeit und Konzentration von einigen Autofahrern. „Wir wissen oftmals nicht, wo die Autofahrer hinwollen, weil sie beispielsweise die Fahrtrichtungsanzeiger in ihren Fahrzeugen nicht betätigen. Das behindert den Verkehr und ist zudem gefährlich. Außerdem werden Passanten mit dunkler Kleidung sehr viel schlechter gesehen“, erklärt sie weiter. Sicherlich kenne jedes Elternteil den Stress am Morgen: Frühstück, Pausenbrote vorbereiten, ein schneller Kaffee, Ranzen kontrollieren – da reichen schon wenige Minuten Verzug, die schnell ein Chaos fabrizieren, das zeitliche Engpässe schafft, die es dann wieder aufzuholen gelte, meint der Kollege von Marita Papalla verständnisvoll.

Bis zu fünfzig Schüler begleiten und beschützen die beiden Schulweghelfer jeden Morgen. Eine Aufgabe, für die das Team sehr dankbar ist. Dankbarkeit, die sie auch täglich bei Kindern und Eltern spüren. Sei es durch Dankesworte oder andere Gesten. Gelegentlich können sich die Schulweghelfer auch über Pralinen oder selbstgemalte Bilder freuen, wenn sie sich bei Veranstaltungen und Aktionstagen beispielsweise Zeit für Einzelunterricht nehmen können.

Auch bei der Stadtverkehrswacht in Lauta nehmen die Mitglieder ihre Aufgabenbereiche sehr ernst. Jedes Jahr werden die Grundschüler der Hans-Coppi-Schule Lauta in den ersten Wochen des neuen Schuljahres morgens auf einem Teil ihres Schulweges von erfahrenen, engagierten Schulweghelfern begleitet und so in ihrem Alltag unterstützt. Neu war in diesem Jahr, dass die 2. Klasse erst nach dem Unterricht abgeholt und sicher zum Bus begleitet wurde. Innerhalb dieser Zeit wurden mit den Kindern auch verschiedene, verkehrsbedingte Besonderheiten besprochen und erklärt. Gemeinsam wurden erforderliche Verhaltensweisen erarbeitet und geübt, um das Verhalten und die Konzentrationsfähigkeit der Grundschüler zu stärken und sie für den Straßenverkehr samt seiner Gefahren zu sensibilisieren.

Freilich herrschen in Lauta andere Gegebenheiten als in der Stadt Hoyerswerda. Habe doch Lauta, im Gegensatz zu Hoyerswerda, nur eine Ampelanlage und auch keinerlei Fußgängerüberwege – Zebra-Streifen genannt – berichten die Vereinsmitglieder zu den Besonderheiten auf den Lautaer Straßen.

Zudem kommen viele Kinder aus der Umgebung mit dem Schulbus nach Lauta. „Deshalb hat unsere Begleitung von der Schule bis zur Bushaltestelle, oder umgekehrt, Priorität“, erklärt die Vereinsvorsitzende Diana Schönig, die sehr froh darüber ist, engagierte Mitglieder wie Christine Michalowski an ihrer Seite zu haben.

Eine sinnvolle Tätigkeit

Die Seniorin ist seit sieben Jahren ein sehr wichtiger Bestandteil der hiesigen Verkehrswacht. Mit Eintritt in das Rentenalter hat die engagierte Lautaerin eine neue Aufgabe gesucht, die sie ausfüllt und mit der sie etwas Sinnvolles erreichen kann. Nicht nur, aber vor allem, im Sinne der Kinder. Die damalige Vereinschefin Claudia Jurjanz hat die engagierte Seniorin vor etwa sieben Jahren angesprochen und gefragt, ob sie nicht Lust und Zeit hätte, den Verein ehrenamtlich zu unterstützen. Seit vier Jahren ist Christine Michalowski nun auch ambitionierte Schulweghelferin. Eine Tätigkeit, die für die Seniorin aber mehr ist – viel mehr.

Gelebte Philosophie, die es möglich macht, das Leben auf den Straßen in Lauta etwas sicherer und kinderfreundlicher zu gestalten. Natürlich bietet die Verkehrswacht darüber hinaus weitere Angebote. So engagieren sich Christine Michalowski und die anderen Mitglieder bei regelmäßigen Fahrradausbildungen in den vierten Klassen und bei weiteren Veranstaltungen, die im oder außerhalb des Verkehrsgartens stattfinden. Sie gehören zum festen Jahresprogramm, verbunden mit dem obersten Ziel, allen Generationen die Möglichkeit zu geben, die Verkehrsregeln und das Verhalten zu festigen und aufzufrischen, um im Alltag bestens darauf vorbereitet zu sein. Auf Wunsch werden nach Absprache auch private Übungsstunden für angehende Mopedfahrer und junge Radfahrer auf dem Vereinsgelände angeboten. „Wir haben einen sehr großen und schönen Verkehrsgarten, der sehr gern und oft genutzt wird. Hier lässt es sich wunderbar und vor allem in Sicherheit üben“, meint Christine Michalowski, die im Übrigen den Verein bei Veranstaltungen auch mit selbstgebackenem Kräuterbrot unterstützt. Eine weitere Leidenschaft der Seniorin, die von den Mitgliedern auch dafür sehr geschätzt wird.

Christine Michalowski sorgt mit ihrem Engagement dafür, dass die Straßen in Lauta besonders für Kinder etwas sicherer werden. Seit vier Jahren ist sie mittlerweile als Schulweghelferin tätig.
Christine Michalowski sorgt mit ihrem Engagement dafür, dass die Straßen in Lauta besonders für Kinder etwas sicherer werden. Seit vier Jahren ist sie mittlerweile als Schulweghelferin tätig. © Foto: Silke Richter

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