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Zwischen Büro und Rettungswagen

Benedikt Schmid arbeitet in doppelter Funktion für den Malteser Hilfsdienst. Er ist Notfallsanitäter und Jugendreferent.

In der Hoyerswerdaer Dienststelle der Malteser in der Robert-Schumann-Straße hat Benedikt Schmid sein Büro.
In der Hoyerswerdaer Dienststelle der Malteser in der Robert-Schumann-Straße hat Benedikt Schmid sein Büro. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Wohl wenig bekannt ist, dass der Malteser Hilfsdienst auch Podcasts (Audiobeiträge mit Gesprächspartnern) herausgibt. Die Themen sind jedoch aktuell und lebensnah. Da wären zum Beispiel die „Malteserblicke“, wobei Mitarbeitende in den Diözesen Dresden-Meißen und Görlitz Einblick in ihren Arbeitsalltag als Malteser geben. Weiterhin berichtet eine Koordinatorin in einer Reihe über Gewaltschutz in Flüchtlingsunterkünften.

Die Idee entstand, um trotz Kontaktbeschränkungen Menschen der Zielgruppe zu erreichen. Und da wäre mit „What the MaJu?!“ noch der Podcast der Malteser Jugend, der in Hoyerswerda produziert wird und ebenfalls spontan entstanden ist. Zu hören ist Benedikt Schmid. Er hat die Stelle des Diözesanjugendreferenten Görlitz inne – und das seit März letzten Jahres. Seitdem ist die Jugendarbeit nicht wie üblich möglich. Doch auch aus der Ferne lässt sich eine Verbindung herstellen und halten. So wurde ein digitales Zeltlager zu Pfingsten veranstaltet. „Radio MaJu“ entstand an diesem Wochenende und daraus der Podcast – beides moderiert von Benedikt Schmid.

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Ausbildung in Hoyerswerda

Der gebürtige Altenburger wohnt seit dem Herbst 2016 in Hoyerswerda. Im Jahr davor legte er in seiner Heimat das Abitur ab und absolvierte anschließend ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Geschäftsstelle der Malteser in Dresden. Währenddessen belegte er unter anderem einen Gruppenleiterkurs und wurde in Erster Hilfe ausgebildet, sodass er auch bei der Absicherung von Konzerten mithelfen konnte. „Ich habe gemerkt, dass mir das viel gibt“, blickt er zurück. Daher lag die Entscheidung nicht fern, eine Ausbildung zum Notfallsanitäter anzustreben. Die Ausschreibung erfolgte sachsenweit, und es gab acht Plätze auf Lehrrettungswachstellen im Freistaat. Gerne wäre Benedikt in einer Großstadt geblieben, aber die Zusage kam für Hoyerswerda.

Die Entscheidung für die Stelle musste spontan getroffen werden. „Ich kannte Hoyerswerda nur aus einem Lied von Yellow Umbrella.“ In dem entsprechenden Song No Pegida heißt es, „Euer ganzer Mob, samt euren Hasstiraden / Erinnern mich an Hoyerswerda, Mölln und Lichtenhagen.“ Kein besonders einladender Eindruck, doch Benedikt Schmid entschied sich für die Ausbildungsstelle in der Kleinstadt, die er kaum weiter kannte. Er ist zufrieden mit dieser Entscheidung.

Während drei Jahren wurde er auf der Rettungswache in Hoyerswerda zum Notfallsanitäter ausgebildet, aber bei diesem Beruf sollte es nicht bleiben. Denn heute verbringt er sowohl Tage im Rettungswagen als auch im Büro. „Ich bin die einzige hauptamtliche Kraft“, sagt er über die Tätigkeit als Jugendreferent. Jeweils eine halbe Stelle bringt er so zusammen. Die Erfahrungen aus dem FSJ halfen, einen Zugang zu finden. „Ich kannte bereits das Personal, die Strukturen der Malteser, die Jugendgruppen.“ Als die Möglichkeit aufkam, sich als Jugendreferent zu bewerben, zögerte er nicht lange. Nach einem Gespräch mit dem Wachleiter wurden ihm die 50 Prozent zugesichert. Engpässe in der Absicherung von Diensten hat das nicht mit sich gebracht, entgegnet er.

Als Jugendreferent ist es vor allem seine Aufgabe, die ehrenamtlich Mitarbeitenden zu unterstützen. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, der Gruppenleitung zur Seite zu stehen, damit sie wiederum die Jugendlichen erreichen und den Kontakt bestmöglich halten kann. Benedikt Schmid betont, dass im Malteser Hilfsdienst viel Wert auf die Einbindung der Ehrenamtlichen gelegt wird. Das bedeutet, dass sie die wichtigen Entscheidungen treffen und darin vom Hauptamt unterstützt werden.

Einsatz in Schulen

Neben der Jugendarbeit betreut Benedikt Schmid auch den Schulsanitätsdienst. Im Johanneum hat sich das Format seit einigen Jahren etabliert, an zwei weiteren Schulen im Stadtgebiet wurde Interesse signalisiert, und an einer soll eine Gruppe aufgebaut werden. Während 45 Unterrichtseinheiten werden interessierte Schüler ausgebildet. Das Ganze findet als Arbeitsgemeinschaft oder als Ganztagsangebot statt. Es geht darum, dass die Erstversorgung und Betreuung von verletzten Personen im Schulalltag sowie bei weiteren Schulveranstaltungen übernommen werden kann. Der Anspruch ist, dass Schüler „für den Einsatz in der Schule bestmöglich vorbereitet sind“, so Benedikt Schmid.

Zuletzt wurden zusätzliche Hygieneschulungen durchgeführt, damit auch in dieser besonderen Zeit der Pandemie so gut wie möglich Erste Hilfe geleistet werden kann, sofern die Schülerschaft die Schule besucht. Eine weitere Möglichkeit, die sich daraus für die Schüler ergibt, ist der Einsatz im Katastrophenschutz, was unter Aufsicht zum Beispiel die Absicherung des Stadtfestes bedeuten kann. Am Ende der Ausbildung werden die Schulsanitäter geweiht und ausgesendet. Denn die Arbeit der Malteser steht immer auch unter dem Einfluss christlicher Werte und Ansichten. Das Motto lautet bis heute: „Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen“. Aus Erfahrung weiß Benedikt Schmid, dass das für einige den ersten Besuch in einer Kirche bedeutet. „Es ist eine schwierige Sache, Nichtgläubige an das Thema Glaube heranzuführen.“ Doch Benedikt Schmid sieht darin keinen Zwang, sondern vielmehr das Teilen von gemeinsamen Einstellungen.

Gemeinsames Erleben

Und so stehen nicht nur medizinische Bereiche bei der Arbeit als Jugendreferent im Vordergrund. Für gewöhnlich werden ebenfalls Exkursionen, Wanderungen und eben Zeltlager mit Jugendlichen der aus der gesamten Region unternommen. Benedikt Schmid selbst kam über seine Geschwister in Kontakt mit der Malteser Jugend, die solche Angebote in der Heimat Altenburg nutzten.

Im Herbst 2020 hätten viele Treffen und Tagungen stattfinden sollen, welche dann digital abgehalten wurden. Doch das soll die Arbeit nicht ausbremsen, denn eine Vision hat Benedikt Schmid für Hoyerswerda: eine lebendige Jugendgruppe, die gefestigt im Glauben ist. Das schwebt ihm vor. Doch bis dahin produziert er unter anderem weiter den Podcast. Wobei er selbst für die Einladung der Gesprächspartner, die Aufnahme und abschließend den Schnitt verantwortlich ist – also Inhalt und Ausführung liegen ganz in seiner Hand. Er möchte jungen Menschen einen Zugang zu den Werten der Malteser ermöglichen.

Zuletzt sprach er im November mit dem Musiker Nelson alias Michael Grothe, der aus Hoyerswerda stammt, über den Glauben und dessen Einfluss auf die Arbeit der beiden im Rettungsdienst.

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