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Zwischen Kulturhaus und Tagungszentrum

Der neue Aufsichtsratschef der Lausitzhalle Hoyerswerda GmbH, Jan Kregelin, kündigt eine Neuausrichtung an.

Eigens für Tagungsgäste entstand beim Bau des Congress-Hotels 1995 eine gläserne Brücke zur Lausitzhalle.
Eigens für Tagungsgäste entstand beim Bau des Congress-Hotels 1995 eine gläserne Brücke zur Lausitzhalle. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Aufgeben? Die Lausitzhalle? „Undenkbar“, sagt Jan Kregelin und verweist auf die Investitionen der letzten Jahre – Aufzug, Foyer und Fassadenteile zum Beispiel. Aber eine strategische Neuausrichtung sei schon erforderlich, meint der SPD-Stadtrat. Kregelin ist seit Juli als Nachfolger des ehemaligen Bürgermeisters Thomas Delling Vorsitzender des Aufsichtsrates der Lausitzhalle Hoyerswerda GmbH, einer Tochter der Städtischen Wirtschaftsbetriebe (SWH). 

Dem Kontrollgremium selbst gehört der Jurist schon seit 2014 an, also dem Jahr nach dem Seenlandfestival-Debakel mit Millionen-Verlust. Nach seiner Wahl zum Vorsitzenden hatte Kregelin gleich eine Sondersitzung einzuberufen. Es ging um eine Veranstaltung der AfD nächste Woche. Vermietung an Parteien ist zwar seit Jahren Usus. Aber die SWH-Töchter haben strikte Anweisung, sich aus Wahlkämpfen herauszuhalten. Die Geschäftsführung wollte also wissen, wie sie sich angesichts eines wahrscheinlichen zweiten Urnengangs bei der OB-Wahl am 20. September verhalten soll.

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Nachdem die AfD zugesagt habe, bei der Veranstaltung keinen offensiven Wahlkampf betreiben zu wollen, sah der Aufsichtsrat keinen Grund, die Einmietung abzulehnen. „Die Lausitzhalle ist nun einmal der zentrale Ort für Veranstaltungen in Hoyerswerda“, sagt Jan Kregelin.

Und das soll sogar noch ausgebaut werden. Mit dem Kultur- und Unterhaltungsgeschäft Geld zu verdienen, war noch nie leicht. Der Saal mit seinen 800 Plätzen ist für Top-Künstler zu klein. Wenn man die dabei anfallenden Kosten auf die Einzel-Tickets umrechnet, landet man bei Mondpreisen. Sparen gleicht der Quadratur des Kreises. Das Haus hat nach Versammlungsstättenverordnung Dinge zu gewährleisten, die nicht ganz billig sind. Andererseits bekommt es als SWH-Tochter diverse Kulturförderung schwieriger. Finanziell so zu kalkulieren wie Theater, Konzerthäuser oder Bürgerzentren, sagt Kregelin, sei schlicht nicht möglich. Auffangen soll das Ganze nun ein Ausbau des Kongress- und Tagungsgeschäftes.

Zwei Marketing-Offensiven

Die Idee ist alles andere als neu, kam in den letzten 30 Jahren immer wieder auf. Im Wesentlichen, so Kregelin, gehe es um eine Marketing-Kampagne. Die Möglichkeiten der Halle als Ort für Ärztekongresse, Verbandstagungen und eben auch für Parteiveranstaltungen sollen besser bekannt gemacht werden. „Der Kulturauftrag wird dabei natürlich weiter bedient“, sagt der frischgebackene Aufsichtsratschef. Und hier soll die zweite Marketing-Offensive ansetzen. Es geht zum Beispiel darum, auch die eingemieteten Angebote umfänglicher zu bewerben. Und dann wäre da noch das gestrichene Theater-Anrecht. Ein Ersatz ist versprochen. Und wie Kritiker angeraten haben, soll an junges Publikum gedacht werden: „Auf Initiative von Bürgermeister Mirko Pink wird mit Schulen gesprochen werden“, erklärt Jan Kregelin. Es sei ein Versuch. Persönlich finde er, dass jeder Schulabgänger einmal Lessings „Nathan, der Weise“ oder ein ähnliches klassisches Stück gesehen haben sollte. Gut laufen nach Kregelins Ansicht Dinge wie die Musikfesttage, das Stadtfest, der Weihnachtsmarkt oder auch die Anrechtsreihe mit der Neuen Lausitzer Philharmonie. „Da wird der Kulturauftrag 1:1 umgesetzt.“ Und für die Vermarktungsfragen könne man die aktuell etwas ruhigere Zeit gut nutzen, um Konzepte zu erstellen.

Lausitzhalle-Aufsichtsrat: Bürgermeister Mirko Pink (CDU), Stadträte Jan Kregelin (SPD), Michael Ratzing (AfD), Dr. Gitta Kaltschmidt (CDU), Ralph Büchner (Die Linke)

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