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Neuerdings mit 40 Sachen durch Bröthen

Der Geschwindigkeits-Kompromiss geht auf einen Vorschlag des Ortsvorstehers zurück – und gefällt nicht jedem.

Das ist keine Fotomontage, nein, das Verkehrszeichen ist echt und steht an genau dieser Stelle an der Neuen Straße in der Ortslage Bröthen direkt hinter der Einmündung der Feuerwehrstraße. Das Tempo-Limit von 40 km/h gilt bis zur Kreuzung am Nordring.
Das ist keine Fotomontage, nein, das Verkehrszeichen ist echt und steht an genau dieser Stelle an der Neuen Straße in der Ortslage Bröthen direkt hinter der Einmündung der Feuerwehrstraße. Das Tempo-Limit von 40 km/h gilt bis zur Kreuzung am Nordring. © Foto: Ralf Grunert

Hoyerswerda. Gewöhnungsbedürftig ist nicht nur die Zahl auf den Verkehrszeichen, die neuerdings in Bröthen die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf Teilen der Hauptstraße und der Neuen Straße anzeigen, sondern auch das nun geltende Tempo-Limit selbst. 30er-Schilder und 50er-Schilder sind innerhalb von Ortschaften in der hiesigen Gegend allgegenwärtig. Um 40er-Schilder zu entdecken, muss man ein Stück bis ins Oberland fahren oder eben nach Bröthen.

Dort erfolgte vor wenigen Tagen eine „Anpassung der Verkehrsregelung“, wie das Hoyerswerdaer Bürgeramt mitteilt. „Statt der unterschiedlichen Geschwindigkeiten von 30 km/h und 50 km/h im Straßenzug zwischen Feuerwehrstraße und Nordstraße wurde in der Ortsdurchfahrt Bröthen einheitlich eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf 40 km/h vorgenommen. Die Geschwindigkeitsanpassung soll den Verkehrsfluss verstetigen und die Sicherheit erhöhen.“ Abschließend heißt es: „Alle Verkehrsteilnehmer werden gebeten, die geänderte Regelung zu beachten.“

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In der Bürgerschaft gibt es ein geteiltes Echo auf diese Neuerung. Das wurde zu Beginn dieser Woche in der Zusammenkunft der Ortschaftsräte von Bröthen/Michalken deutlich. „Ich finde die 40-km/-h-Regelung sehr, sehr gut“, meinte ein Bürger in der Einwohnerfragestunde. Ein Anwohner der Neuen Straße wiederum forderte die Rückkehr zum 30er-Tempo-Limit zumindest im Abschnitt zwischen der Hauptstraße und der Feuerwehrstraße. Schon die bisherige Geschwindigkeitsbegrenzung zeigte kaum Wirkung, beobachtete er täglich. Und das gerade in einem Abschnitt der Neuen Straße, der weder über einen Gehweg noch einen Radweg verfügt, der aber von vielen Badesee-Besuchern frequentiert wird.

Als Mitglied des Ortschaftsrates war Jens Wackermann entsetzt, als er am Wochenende aus dem Urlaub zurückkehrte und die 40er-Schilder bereits standen. Er erinnerte an die Sitzung des Ortschafsrates im letzten Monat. Da seien sich die anwesenden Ortschaftsratsmitglieder einig gewesen, dass die Maßnahme erst einmal nicht umgesetzt werden sollte. „Wir wollten uns mit der Stadt noch mal konsultieren, was möglich wäre.“ Ratskollege Ringo Kloß wollte wissen, wer eigentlich auf die Idee mit den 40 km/h gekommen ist.

Ortsvorsteher Lothar Kujasch wunderte sich über die Debatte. Tatsächlich hatte er diese Neuregelung ins Gespräch gebracht. Er war der Meinung, dass das den Ortschaftsräten bekannt sein sollte. „Ich finde die 40 nicht schlecht.“ Erstmals bewusst wahrgenommen hat er sie im Touristen- und Kurort Bad Wildungen in Nordhessen. Aus einer Sicht handelt es sich um eine vernünftige Lösung, um einen Kompromiss zwischen zu schnell und zu langsam unterwegs zu sein. „Das ist eine Gefühlssache“, gibt Lothar Kujasch zu. Die 50 km/h sind innerorts ziemlich schnell. Mit 30 km/h wiederum fährt kaum jemand. Die 40 km/h sind da relativ langsam, aber noch nicht zu schnell. „Wir sollten eines nicht machen, die ganze Sache zerreden“, ermahnte er seine Mitstreiter im Ortschaftsrat und forderte: „Wir sollten mal eine gewissen Zeit ausprobieren, wie es läuft.“

Gegen eine Rückkehr zur 30er-Regelung auf dem Abschnitt der Neuen Straße zwischen Hauptstraße und Feuerwehrstraße hatte er nichts einzuwenden. Die Ortschaftsräte verständigten sich darauf, das von der Stadtverwaltung prüfen zu lassen.

Unabhängig von der 40er-Regelung gelten in Bröthen/Michalken weiter die Geschwindigkeitsbegrenzungen von 30 km/h auf so gut wie allen restlichen Straßen. Speziell im Hauptstraßen-Abschnitt zwischen dem Badesee und der Ortslage, wo der Gehweg beginnt, sollte das beibehalten werden, so der Hinweis eines Bürgers in der Einwohnerfragestunde. Dort laufen Kinder oft auf der Straße. „Dort stehen Polizei und Ordnungsamt aber viel zu selten“, wünscht er sich mehr Geschwindigkeitskontrollen.

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