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„Ossi“ klappt, Zuse-Campus ist schwieriger

Die Stadt Hoyerswerda informierte jetzt über den Stand der Dinge bezüglich ihrer Strukturwandel-Projekte.

Die Stadt Hoyerswerda will mit Strukturwandel-Geld das Jugendclubhaus auf Vordermann bringen. Das Land hat schon zugestimmt.
Die Stadt Hoyerswerda will mit Strukturwandel-Geld das Jugendclubhaus auf Vordermann bringen. Das Land hat schon zugestimmt. © Foto: Mirko Kolodziej

Sind über die letzten Monate von dieser und jener Seite falsche Hoffnungen bezüglich universitärer Ausbildung in Hoyerswerda geschürt worden? „Ja“, sagt OB Torsten Ruban-Zeh (SPD). Allerdings dürfe man auch nicht vergessen, dass erst nach Vorlage des Bundes-Strukturfördergesetzes für die Noch-Kohle-Regionen wirklich feststand, was gefördert wird und was nicht (siehe Seite 1). Ruban-Zeh lud jetzt Journalisten ins Rathaus ein, um zu informieren, wie weit die Stadt betreffende Strukturwandel-Projekte gediehen sind.

Zuse-Campus

Das Vorhaben, Wissenschaft und Studenten nach Hoyerswerda zu holen, verfolgt Ruban-Zeh weiter. Er hat zum Beispiel inzwischen Einblick in eine diesbezügliche Studie der TU Dresden gehabt. Nächste Woche trifft er deren Rektorin, Ursula Staudinger. Nur: Ein Uni-Gebäude bauen und dann mit der Lehre beginnen – so wird es wohl nicht kommen. „Wir müssen es über Forschung machen“, so der Oberbürgermeister. Eine vierstellige Studentenzahl ist offenbar illusorisch. Ruban-Zeh hofft am Ende auf vielleicht 250 bis 500 Studierende.

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Jugendclubhaus

Als „Neustadt-Forum“ wurde zu Jahresbeginn vorgestellt, was durch Sanierung und Erweiterung des „Ossi“ entstehen soll – ein Stadtteilzentrum, unter anderem mit Quartiersmanagement und Planetariums-Neubau. Inzwischen ist von einem Kinder-, Jugend-, Familien-, Begegnungs- und Bildungszentrum die Rede. Laut Ruban-Zeh hat das Land Sachsen dieser Tage die ersten Strukturwandel-Projekte abgenickt, und das „Ossi“ sei dabei. Man erwarte in den nächsten Tagen den Fördergeldbescheid.

Lausitzbad

Im September segnete der Stadtrat ein Konzept zur Modernisierung des Lausitzbades ab, das zum Beispiel ein neues Eingangsgebäude und ein zweites 25-Meter-Becken enthält. Mitte Dezember soll der nötige Förderantrag für das 15-Millionen-Euro-Projekt abgabereif sein. Die Hoffnung ist, den Bescheid im Herbst kommenden Jahres in der Hand zu haben. Mit dem Baustart würde es dann wohl zum anvisierten Termin im Januar 2022 klappen.

Industriegelände

Mit einem Mix aus Strukturwandel-Hilfen und Geld aus dem GRW-Bund-Länder-Programm sollen Straßen saniert und Brachflächen zurückgekauft werden. Die Stadt hofft auf bis zu 30 Hektar, die hinterher für Investoren zur Verfügung stünden. Dazu käme eine baurechtlich schon länger mögliche Norderweiterung. Das Industriegelände soll zum „Innovationspark“ werden, unter anderem dank weiterer Strukturwandel-Projekte städtischer Firmen.

Trinkwassernetz

Die Versorgungsbetriebe sind Teil eines Wasser-Verbundes mit Versorgern unter anderem aus Kamenz, Spremberg, Senftenberg und Weißwasser. Dieses verliert in absehbarer Zeit mit dem Wasserwerk Schwarze Pumpe einen Knoten. Außerdem sind Leitungen zu alt und / oder zu groß. Das Regionalnetz zu modernisieren, muss länderübergreifend koordiniert werden. Umsetzungsdauer: zehn bis 15 Jahre, Kosten: geschätzt um die 100 Millionen Euro.

Fernwärmeversorgung

Ein noch dickeres Brett gebohrt wird laut dem Rathauschef im liberalisierten Energiemarkt mit dem Ersatz der Fernwärme, die aktuell noch aus dem Leag-Kraftwerk in Schwarze Pumpe kommt. Grund: Man braucht für ein gefördertes Vorhaben eine Beihilfe-Genehmigung der EU. In Planung ist, das Fernwärmenetz für viele kleinere Einspeiser zu öffnen – gedacht ist unter anderem an Firmen, die aktuell für Abwärme keine Verwendung haben.

Wasserhaushalt

Dass dem Lausitzer Seenland Wasser fehlt, zeigen die sommers ausgetrocknete Schwarze Elster und der Wassermangel im Spreetaler See. Verschärft wird das Problem, wenn mit dem Auslaufen der Tagebaue kein Grundwasser mehr in die regionalen Flüsse gepumpt wird. „Wir werden uns vor dieses Thema davorspannen“, so Ruban-Zeh. Kommendes Jahr soll es in der Lausitzhalle eine Konferenz dazu geben.

Gesundheit.Digital.Lausitz

So heißt ein Konzept, das Ruban-Zeh im Sommer noch als Chef der örtlichen Arbeiterwohlfahrt gemeinsam mit Klinikums-Chef Jörg Scharfenberg präsentierte. Einige Schlagworte dazu: Virtual Hospital, Medical KI, Digitale Pflegefachkraft. Die Awo wird auch ihr zuletzt in der Mannstraße geplantes Pflegeheim mit hohem Technik-Grad in den Reigen der Neubauten am Klinikum einbringen. Der Fördergeldbescheid wird noch dieses Jahr erwartet. Und Ruban-Zeh sieht hier auch einen der Anknüpfungspunkte für eines der erwähnten Forschungsthemen in Kooperation mit der TU.

In Wartestellung

Nachzuarbeiten ist bezüglich des vom Lautech vorangetriebenen Zentrums für Bauen und Wohnen, das unter anderem Technologien für modulares Bauen entwickeln soll. Um förderfähig zu sein, bedarf es auch hier eines Partners aus der Forschung. Und auch das Pilot-Vorhaben „Smart City“ im WK I, das schon vor knapp zwei Jahren im Abschlussbericht der Kohlekommission auftauchte und über das wenig bis nichts bekannt ist, bedarf wohl noch einer konzeptionellen Präzisierung.

Bürgerbeteiligung

Zum einen will die Stadt im Zuse-Computermuseum einen Raum einrichten, in dem man sich über die Strukturwandel-Projekte, aber auch zum Beispiel über Vorhaben bei der Entwicklung des Tourismus am Scheibe-See informieren kann. Zum anderen sind halbjährlich Veranstaltungen für die Bevölkerung geplant. Der Chef der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung, Jörg Mühlberg, hat laut dem Oberbürgermeister ein Mitwirken der SAS daran bereits zugesichert.

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