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Ossi-Modernisierung ist in trockenen Tüchern

Hoyerswerdas Jugendclubhaus soll auch Geld aus dem Kohle-Strukturstärkungs-Fonds des Bundes zugute kommen.

Hoyerswerdas Jugendclubhaus ist reichlich 57 Jahre alt. Nun soll aus dem Ossi bis 2025 ein zeitgemäßes Stadtteilzentrum gemacht werden.
Hoyerswerdas Jugendclubhaus ist reichlich 57 Jahre alt. Nun soll aus dem Ossi bis 2025 ein zeitgemäßes Stadtteilzentrum gemacht werden. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Vor einem halben Jahr hat Geschäftsführer Matthias Brauer vom Lausitzbad die Pläne zu dessen Modernisierung und Erweiterung im Hoyerswerdaer Stadtrat vorgestellt. Am Dienstag sprach er wieder vor den Rätinnen und Räten, erklärte, wie viele graue Haare der Antrag zur Förderung über den Bundesfonds für die Noch-Kohle-Regionen ihm gebracht hat, und dass die Papiere im Dezember abgegeben wurden: „Jetzt müssen wir halt warten.“

Warum das so ist, zeigte schon zuvor ein Vortrag des Mannes, dessen Besuch im Rat auch den Spreetaler Bürgermeister Manfred Heine (parteilos), seinen Lohsaer Kollegen Thomas Leberecht und dessen Stellvertreter Hagen Aust (beide CDU) in die Aula des Foucault-Gymnasiums gelockt hatte. Jörg Mühlberg ist der Geschäftsführer der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung (SAS). Und er machte deutlich, wie viele Leute und Gremien nicken müssen, bis ein Projekt bewilligt ist: die SAS selbst, die zuständigen sächsischen Ministerien, der regionale Begleitausschuss (der sich dieser Tage erstmals trifft) und der Bund. Erst dann kann die Sächsische Aufbaubank das ersehnte Geld schicken.

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Mit einem Vorhaben der Stadt Hoyerswerda soll es nun aber schnell gehen – zumindest verhältnismäßig. Das Land Sachsen hat nämlich – sozusagen als Geste des guten Willens – schon vorab 14 Projekte bewilligt. Der Bund hat ebenso schon zugestimmt. „Das Ossi ist dabei“, konnte Mühlberg den Stadträten mitteilen. Die Stadt hat vor, aus dem Jugendclubhaus etwas zu machen, das amtlich etwas sperrig „Kinder-, Jugend-, Familien-, Begegnungs- und Bildungszentrum“ heißt. Mühlberg sprach jetzt von einem Soziokulturellen Zentrum. Und als Dietmar Wolf von der Bauverwaltung das Ganze vor ziemlich genau einem Jahr erstmals im Technischen Ausschuss des Stadtrates vorstellte, da nannte er es kurz „Neustadt-Forum“. Eine Zeichnung zeigte unter anderem Anbauten für Verwaltung, Stadtteilarbeit und Jugendarbeit sowie den Neubau des im WK VI nach der Schließung der benachbarten Schule nicht mehr günstig betreibbaren Planetariums. Einbezogen ist auch der vom Hoyerswerdaer Fußballclub genutzte Flachbau, zu dessen Nutzung es hinter den Kulissen in der Zwischenzeit diverse Diskussionen zu Vorstellungen von Stadt, HFC, Sportclub und Sportbund gegeben hat. Dass das Ossi dringend einer Sanierung bedarf, ist nicht neu und im Stadtratswahlkampf 2019 erklärten fast alle Parteien und Wählervereinigungen das Thema zum wichtigen Schwerpunkt. Inzwischen sind aber auch leise Fragen aufgekommen, wie gut so ein Projekt, und sei es noch so dringend, eigentlich zum Ziel passt, nachhaltigen Ersatz für die in der Braunkohle wegfallenden Arbeitsplätze zu schaffen.

Mittlerweile sind Modernisierung, Umbau und Erweiterung des Ossi laut Mühlberg jedenfalls in trockenen Tüchern. Der Antrag liegt bei der Sächsischen Aufbaubank, wie erwähnt die letzte Etappe im Verfahren, und in den nächsten Wochen sei mit dem Fördermittelbescheid zu rechnen. Es geht um einen ziemlichen Batzen Geld. Wie der SAS-Chef sagt, sollen fast neun Millionen Euro aus dem Strukturwandel-Fonds fließen. Dazu kämen noch einmal fast drei Millionen Euro Städtebau-Fördermittel, was, sei man erst einmal im Programm, spätere Zusatz-Vorhaben erleichtern würde. Freilich: Ausschreibungen, Planung und Leistungsvergaben dauern ebenso ihre Zeit. Und so nannte Jörg Mühlberg am Dienstag die Jahre 2024 und 2025 als aus seiner Sicht realistischen Zeitraum für die Bauarbeiten.

Jörg Mühlberg ist Geschäftsführer der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung, einer GmbH des Landes. Am Dienstag hielt er im Hoyerswerdaer Stadtrat einen Vortrag zum Fortgang der Dinge.
Jörg Mühlberg ist Geschäftsführer der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung, einer GmbH des Landes. Am Dienstag hielt er im Hoyerswerdaer Stadtrat einen Vortrag zum Fortgang der Dinge. © Foto: Gernot Menzel

Pumpe-Vertrag erneuert

Wie Matthias Brauer hat auch Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) in den letzten Monaten die Erfahrung gemacht, sagt er, wie schwer so ein Antragsverfahren ist. Gleichwohl: „Wir hoffen, dass wir dieses Jahr noch das eine oder das andere positiv beschieden bekommen.“ Sein Mantra, den sogenannten Strukturwandel bei allem kommunalen Wettbewerb regional zu begreifen, hatte er Dienstagmittag unterstrichen. Im Gründer- und Gewerbezentrum Dock³ Lausitz in Schwarze Pumpe unterschrieb er zusammen mit seiner Spremberger Kollegin Christine Herntier (parteilos), seinem Spreetaler Kollegen Manfred Heine und der Chefin der Standortgesellschaft ASG, Petra Axel, eine neue Kooperationsvereinbarung zum Industriepark. Sie bekräftigt den Willen zur Zusammenarbeit, der schon in einem Vertrag steht, der 2014 in Haidemühl geschlossen wurde, bisher aber eher in der Schublade ruhte.

Welche Strukturstärkungsprojekte die nächsten sind, die bewilligt werden, sollte man im Sommer wissen. Der regionale Begleitausschuss jedenfalls will nach den Worten von Jörg Mühlberg im Juni die eingereichten Vorhaben bewerten: „Es sind Dinge für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag vorbereitet und es stehen da auch Sachen aus der Stadt und dem Umland drauf.“ Eine solche Sache wäre die Modernisierung und Erweiterung des Lausitzbades – mit der Hoffnung auch auf ein echtes Tourismus-Glanzlicht.

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