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Peta und EndZoo fordern Ende der Pinguin-Haltung

Nach dem Tod von vier Tieren gerät der Zoo Hoyerswerda ins Kreuzfeuer der Kritik – aber nicht in Erklärungsnot.

Diese Foto entstand bei der Einweihung der umgebauten Pinguin-Anlage im Hoyerswerdaer Zoo im vorigen Jahr. Da war die zehnköpfige Pinguin-Gruppe noch komplett. Ein Tier ist in der Zwischenzeit an den Folgen einer Verletzung an einem Flügel gestorben. Wi
Diese Foto entstand bei der Einweihung der umgebauten Pinguin-Anlage im Hoyerswerdaer Zoo im vorigen Jahr. Da war die zehnköpfige Pinguin-Gruppe noch komplett. Ein Tier ist in der Zwischenzeit an den Folgen einer Verletzung an einem Flügel gestorben. Wi © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Vier der zuletzt neun Humboldt-Pinguine im Hoyerswerdaer Zoo sind in den vergangenen Wochen unerwartet gestorben (TAGEBLATT berichtete). „Wir sind alle sehr betroffen über den Verlust der Pinguine, die wir in unser Herz geschlossen hatten“, so die Reaktion des Zoo-Teams. Die Tierrechtsorganisation Peta und das Projekt EndZoo hingegen fordern Konsequenzen. „Wir vom EndZoo fordern, keine neuen Pinguine mehr anzuschaffen und die Pinguin-Gefangenschaftshaltung schnellstmöglich auslaufen zu lassen“, erklärt Frank Albrecht. „Die Pinguin-Haltung muss umgehend gestoppt werden“, so die Biologin Dr. Yvonne Würz, Petas Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche.

Beide Tierrechtler erinnern daran, dass es bereits im Jahr 2018 im Hoyerswerdaer Zoo ein großes Pinguin-Sterben gegeben hat. „Die gesamte 18-köpfige Gruppe (tatsächlich waren es 13 Tiere – Anm. d. Red.) fiel damals einer Pilzerkrankung zum Opfer. Dennoch wurde im Juli 2020 die Pinguin-Haltung mit neuen Vögeln wieder aufgenommen. Peta kritisiert die Entscheidung der Zoo-Verantwortlichen und fordert sie auf, jetzt Konsequenzen zu ziehen und die Pinguin-Haltung zu beenden“, heißt es in der aktuellen Presseerklärung.

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„Wir weisen diese Forderung zurück, weil sie auf einer Ferndiagnose basiert, ohne die Haltungsbedingungen vor Ort überhaupt zu kennen“, erklärte ZooKultur-Sprecher Felix Pal. „Wir verstehen, dass die aktuelle Situation Fragen aufwirft, welche wir in bedingungsloser Transparenz beantworten möchten.“

Wie Felix Pal ausführt, wurde bei einem der vier verstorbenen Pinguine Aspergillose als Todesursache festgestellt. „Bei einem anderen Pinguin wurde eine bakterielle Infektion festgestellt, bei einem dritten Pinguin wurden keine bakterielle oder Pilzinfektionen festgestellt. Die Obduktion des vierten Pinguins steht noch aus. Die Pinguine befinden sich zurzeit in der Mauser und sind daher aus natürlichen Gründen besonders anfällig für Erkrankungen.“

Warten auf Testergebnisse

Derzeit wartet das Zoo-Team zudem auf das Untersuchungsergebnis von sieben an verschiedenen Punkten der Pinguin-Anlage entnommenen Proben, um ein genaueres Lagebild über möglicherweise vorhandene bakterielle Belastungen zu erhalten. „Abgängig von diesen Testergebnissen werden wir weitere Maßnahmen in Angriff nehmen, z. B. nochmalige Chlorierung des Beckens, Austausch und/oder teilweise Entfernung der Kiesschicht“, kündigt er an.

Auch auf die Todesfälle im Jahr 2018 geht Felix Pal ein. „Seinerzeit sind elf Pinguine an einer Pilzinfektion (Aspergillose) verstorben. Eine Erkrankung, die bei Pinguinen nicht unüblich ist und auch in anderen Zoos vorkommt. Der Zoo hat danach nicht einfach die Pinguin-Haltung wieder aufgenommen, sondern für zwei Jahre eingestellt, um die Ursachenforschung voranzutreiben und die notwendigen baulichen Veränderungen vorzunehmen“, erinnert er. „In der 2020 fertiggestellten neuen Pinguin-Anlage wird nun mit einer modernen Erdwärmesonde das Beckenwasser im Sommer gekühlt und im Winter erwärmt und zusätzlich über eine UV-Filtrierung und durch Sand- und Ozonfilter regelmäßig gereinigt. Das Becken wurde etwas flacher gestaltet, um zusätzlich zur Reinigung noch öfter einen gesamten Wasserwechsel durchführen zu können. Zusätzlich übernimmt die Umwälzung der 36.000 Liter Wasser eine Gegenstromanlage. Drei große Sonnensegel sorgen für genügend Schattenplätze. Verschiedene Bodensorten bieten den richtigen Untergrund und verhindern Pfützenbildung, in denen sich Bakterien oder Pilze sammeln könnten. Bruthöhlen und Winterquartier sind für eine hygienische Reinigung nochmals beschichtet worden, und eine verbesserte Luftzirkulation in den Bruthöhlen verhindert Staunässe. Auch ein erhöhter Beckenrand und ein einseitiger Ausstieg aus dem Wasserbecken sorgen dafür, dass das Gefieder der Pinguine auf dem Weg zu ihren Bruthöhlen trocknen kann.“ Wie es trotzdem zu neuerlichen Todesfällen kommen konnte, das wird momentan untersucht. Es werde alles getan, um das künftig zu vermeiden.

Den verbliebenen Pinguinen geht es augenscheinlich gut, ließ Felix Pal auf Nachfrage wissen. Sie zeigen äußerlich keinerlei Anzeichen einer Infektion. „Sie werden engmaschig durch Tierpfleger und Tierarzt überwacht und bekommen weiterhin Fungizid und Antibiotika verabreicht.“

Engagiert in einem Schutz-Verein

Der ZooKultur-Referent stellt klar: „Es entspricht nicht unserem Anspruch und unserem Konzept, Tiere «rein zu Schauzwecken» zu halten.“ Das verdeutlicht er am Beispiel der Pinguin-Haltung: „Gemeinsam mit dem Verein «Sphenisco – Schutz des Humboldt-Pinguins e. V.» versuchen wir, unsere Besucher über die Gefährdung der wildlebenden Humboldt-Pinguine aufzuklären und sie für Natur- und Artenschutz zu sensibilisieren, zum Beispiel am jährlichen Pinguin-Tag und mit unserer Gehege-Beschilderung, die großen Wert auf pädagogische Inhalte legt. Wir engagieren uns seit fünf Jahren für den Verein. Sphenisco versucht, die Humboldt-Pinguine vor dem Aussterben zu bewahren.“

Im Übrigen habe sich der Zoo bewusst für die Haltung von Humboldt-Pinguinen entschieden, da diese Pinguin-Art etwas robuster ist und mit den Bedingungen in Zoos und dem Klima vor Ort sehr gut klar kommt.

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