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Protest gegen Schul- und Kita-Schließung

Deutlich mehr als 100 Menschen trafen sich in Bernsdorf zu Spaziergängen. Die Polizei erstattete Anzeige.

Mit einem Spaziergang auf einer Runde zwischen der Bernsdorfer Grundschule und der Kita „Pfiffikus“ machten Eltern und Kinder ihr Unverständnis über die Schließung von Kitas und Schulen deutlich.
Mit einem Spaziergang auf einer Runde zwischen der Bernsdorfer Grundschule und der Kita „Pfiffikus“ machten Eltern und Kinder ihr Unverständnis über die Schließung von Kitas und Schulen deutlich. © Foto: RalfGrunert

Bernsdorf. "Ich will wieder in die Schule!“ Das war am Montag in der Frühe in Bernsdorf nicht nur auf mehreren Plakaten zu lesen. Das riefen auch drei Knirpse immer wieder im Chor. Gemeinsam mit anderen Kindern, vor allem aber Erwachsenen, spazierten sie auf einer kleinen Runde zwischen der Grundschule und der benachbarten Kita „Pfiffikus“ hin und her. Um die 80 Personen waren hier von 7.30 Uhr an unterwegs. Parallel dazu hatten sich rund 50 Erwachsene und Kinder an der Kita „Meisennest“ in Straßgräbchen eingefunden.

Mit dem Inkrafttreten der sogenannten Notbremse im Infektionsschutzgesetz am Freitag hatte sich noch am gleichen Tag in Kreisen von Eltern, deren Kinder die Schulen und Kindertagesstätten in Bernsdorf und den Ortsteilen besuchen, Protest formiert. Schließlich war klar, dass ab Montag die Schulen und Kitas wieder geschlossen bleiben müssen. Lediglich eine Notbetreuung für Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen tätig sind, ist abzusichern. Abschlussklassen, dazu zählen auch die 4. Klassen in den Grundschulen, können weiterhin die Schule besuchen.

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„Was können wir machen? Was ist erlaubt?“ Diese Fragen machten die Runde. Mithilfe der sozialen Medien verabredeten sich die Eltern übers Wochenende zu den Spaziergängen am Montagmorgen. „Wir wollen zeigen, dass wir nicht mit allen Entscheidungen der Bundesregierung einverstanden sind“, hieß es schon am Freitag.

Was sich Eltern und Kinder wünschen, war unmissverständlich auf diversen Plakaten zu lesen. „Unsere Kinder sind systemrelevant“, hieß es da. „Wir wollen gemeinsam lernen, spielen, lachen“, stand auf einem anderen Plakat. „Stoppt Schulschließung. Ermöglicht Bildung“, „Ich brauche meine Freunde, um zu lernen“ und „Kinder brauchen Kinder“, wurde kundgetan.

„Warum werden die Schulen geschlossen, wenn wir schon alle Corona-Schutz-Maßnahmen einhalten?“, fragen sich nicht nur die Eltern. Cornelia Udet, vom Elternbeirat der Grundschule zitiert ihre Kinder, die von ihr wissen wollten: „Mama, wir machen doch alles, wir machen Tests, und wir tragen Masken. Warum dürfen wir nicht in die Schule?“ Zumal es bislang noch keinen Corona-Fall an der Schule gegeben haben soll, wie jemand in der Runde bemerkte.

Zwischendurch gab es einen kurzen Disput am Zaun der Grundschule, an dem einige Eltern Plakate befestigt hatten. Der Hausmeister bat, diese zu entfernen. „Die Plakate bleiben hängen“, darauf verständigten sich wenig später Bürgermeister Harry Habel und die Schulleiterin. Jede Menge Plakate blieben derweil auch am Zaun der Kita in Straßgräbchen zurück.

Mit dem Erscheinen vor Ort wollte der Bürgermeister deutlich machen, dass er hinter den Eltern steht. „Ich hoffe, dass die Kinder bald wieder in die Kitas und Schulen können. Weil ich weiß, was es für Eltern bedeutet, wenn ihre Kinder nicht in der Schule oder Kita betreut werden.“ Er könne den allgemeinen Frust nachvollziehen, zumal er weiß, dass viele das neue Infektionsschutzgesetz kaum noch verstehen.

Nach einer knappen halben Stunde lichteten sich die Reihen der Spaziergänger. Jeder ging seiner Wege. Aber nicht ohne das es zuvor den Aufruf in der Runde gab, sich am kommenden Montag wieder zu einem Spaziergang zu treffen. „Um ein Statement zu setzen, dass wir es ernst meinen“ erklärte Cornelia Udet.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits Polizei an der Grundschule eingetroffen, letztlich mit drei Fahrzeugen und sechs Beamten, darunter auch der Leiter des Polizeireviers Hoyerswerda, Tobias Hilbert. Was die Eltern als Spaziergang deklariert haben, war nach Einschätzung der Polizei eine nicht angemeldete Versammlung. Da kein Veranstalter auszumachen war, wurde Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz gegen unbekannt erstattet. Außerdem gab es den freundlichen Hinweis, wie und wo eine solche Veranstaltung anzumelden sei. „Es ist kein Problem, eine Versammlung abzuhalten. Sie muss nur angemeldet sein“, so der Polizeichef.

Diese drei Knirpse machten per Plakat und im lautstarken Chor deutlich, was ihr Wunsch ist. Foto: Ralf Grunert
Diese drei Knirpse machten per Plakat und im lautstarken Chor deutlich, was ihr Wunsch ist. Foto: Ralf Grunert © undefined
Plakate und Luftballons blieben am Zaun der Kita in Straßgräbchen zurück. Foto: privat
Plakate und Luftballons blieben am Zaun der Kita in Straßgräbchen zurück. Foto: privat © undefined

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