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Schwester Elke geht in den Ruhestand

Die Hoyerswerdaerin hat sich mehr als 47 Jahre lang am heutigen Seenland-Klinikum um Kinder gekümmert.

Ein bisschen mehr Zeit zum Lesen dürfte Elke Schramm ab sofort zur Verfügung haben. Denn sie hat ihr Arbeitsleben jetzt hinter sich gebracht.
Ein bisschen mehr Zeit zum Lesen dürfte Elke Schramm ab sofort zur Verfügung haben. Denn sie hat ihr Arbeitsleben jetzt hinter sich gebracht. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Es feiert in ein paar Tagen eine junge Frau ihren 23. Geburtstag, die im Jahr 1998 ein nicht gewolltes Baby war. Das Mädchen wurde, gerade geboren, in der Hoyerswerdaer Heckert-Siedlung im Gebüsch ausgesetzt. Bundesweit bekannt wurde das Findelkind in den folgenden Tagen unter dem Namen Emily. Elke Schramm war bei der Namensgebung dabei. Schwester Elke tat Dienst im Hoyerswerdaer Krankenhaus, als der Säugling eingeliefert wurde. Als kurz darauf eine Kollegin zur Schicht erschien, fragte Elke Schramm sie, wie sie ein Kind nennen würde, wenn sie demnächst eines erwartete. Die Antwort: „Emily“. Besagte junge Frau heißt allerdings heute nicht mehr so. Nach dem Riesenwirbel um das Mädchen bekam es zur Wahrung der Anonymität vom Jugendamt einen anderen Namen.

Der allerletzte Dienst

Elke Schramm hat während ihres Berufslebens im Krankenhaus so einiges erlebt. Am heutigen Mittwoch wird sie nach der Spätschicht um zehn Uhr abends das letzte Mal die blaue Arbeitskleidung ablegen; nach 47-einhalb Jahren an ein und derselben Arbeitsstätte. Pflegedirektorin Birgit Wolthusen vom heutigen Lausitzer Seenland Klinikum sagt, zwischen dem Januar des vorigen Jahres und dem Mai dieses Jahres gebe es insgesamt acht Pflegekräfte, die nach 45 und mehr Dienstjahren in den Ruhestand gegangen sind oder das in Kürze noch tun werden: „Sie waren bis zum Schluss im Dreischicht-System oder im Bereitschaftsdienstsystem tätig, haben die Pflege am Bett übernommen oder auf der Intensivstation gearbeitet. Wir danken diesen Mitarbeiterinnen von ganzem Herzen dafür, dass sie ihr gesamtes Berufsleben dem Klinikum und seinen Patienten gewidmet haben.“ Voller Respekt und An

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Ein Bild aus dem Fotoalbum von Schwester Elke: Die längste Zeit des Arbeitslebens kümmerte sie sich in der Pädiatrie um frühgeborene Kinder.
Ein Bild aus dem Fotoalbum von Schwester Elke: Die längste Zeit des Arbeitslebens kümmerte sie sich in der Pädiatrie um frühgeborene Kinder. © Foto: privat

Krippenerzieherin klappte nicht

Elke Schramm, geboren im Vogtland und aufgewachsen in Laubusch, wusste schon recht früh, wie ihr Berufsleben verlaufen sollte: „Ich wollte immer etwas mit Kindern machen.“ Mit dem Beruf der Krippenerzieherin klappte es jedoch nicht. Als sie dann, gerade 16-jährig, im September 1973 ihre Ausbildung zur Kinderkrankenschwester begann, war das damalige Kreiskrankenhaus sozusagen nagelneu. Keine fünf Jahre war die Eröffnung her. „Man hat viel, viel gelernt“, blickt Elke Schramm auf die Lehrzeit zurück. Es gab nicht nur so viele verschiedene medizinische Bereiche, sondern auch eine Stadt voller Kinder. Die Geburtenzahlen überstiegen die heutigen um ein Vielfaches. Das Arbeitsleben von Elke Schramm drehte sich viele Jahre um die kleinsten und schwächsten Säuglinge. Sie heißt zwar heute nicht mehr so, aber viele Hoyerswerdaer sprechen immer noch von „Station 17“, wenn sie die Frühchen-Abteilung meinen. Es gab Zeiten, da konnten selbst Eltern die kleinen Patienten in den Inkubatoren nur vom Balkon aus durch die Fensterscheibe betrachten. Anfang der 90er, erzählt Elke Schramm, habe man als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland auf Basis der von der Wiener Kinderärztin Dr. Marina Marcovich entwickelten „sanften Neonatologie“ darauf verzichtet und die Frühchen-Station geöffnet. „Die Bindung, die in den ersten Lebenstagen entsteht, ist so wichtig“, begründet Schwester Elke

Ein Kollegium wie eine Familie

In ihr Dienstleben fällt Lokalgeschichte wie die Ernennung zum Bezirkskrankenhaus 1976, die Inbetriebnahme des neuen Untersuchungs- und Behandlungstrakts 2005 sowie das Schreckensjahr zuvor, als aufgrund des Fehlers eines Service-Technikers ein Narkosegerät versagte, was zum Tod dreier Mütter führte. Es gab also Höhen und Tiefen, ebenso wie es jetzt ein lachendes und ein weinendes Auge gibt. Die komplizierte Arbeit der letzten Monate unter den Bedingungen einer Pandemie, sagt die nunmehrige Neu-Ruheständlerin, erleichtere ihr den Abschied. Andererseits kennt sie die meisten ihrer Kolleginnen seit gut drei Jahrzehnten. „Da wirst Du wie eine Familie“, sagt Elke Schramm. Man habe sogar an dem festgehalten, was in der DDR Ökulei hieß – ökonomisch-kultureller Leistungsvergleich. Einmal monatlich geht es gemeinsam ins Kino, in den Kremserwagen, an den Kaffeetisch oder zu ähnlichen Gemeinschafts-Aktivitäten. Sie hat ihre Kolleginnen schon zu sich nach Hause eingeladen. Denn sie weiß, dass noch so freundlich gemeinte und generell willkommene Besuche auf Station trotzdem den Arbeitsalltag stören würden. Ansonsten gibt es hinter dem Schramm’schen Haus einen Garten sowie jede Menge Bücher zu lesen. Und außerdem kündigt sich aktuell die Geburt des zweiten Enkelkindes an.

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