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Seenlandbahn: mehr als 3.000 Fahrgäste

Die Sommerferien-Verbindung zwischen Dresden und dem Lausitzer Seenland übertraf die Erwartungen – und hatte Probleme.

Mit Triebwagen wie diesem bestritt die Mitteldeutsche Regiobahn an den Sommerferien-Wochenenden die Fahrten ins Lausitzer Seenland. Die Unterwegshalte auf den Bahnhöfen Straßgräbchen-Bernsdorf (im Bild bei der Ausfahrt in Richtung Senftenberg) und Wied
Mit Triebwagen wie diesem bestritt die Mitteldeutsche Regiobahn an den Sommerferien-Wochenenden die Fahrten ins Lausitzer Seenland. Die Unterwegshalte auf den Bahnhöfen Straßgräbchen-Bernsdorf (im Bild bei der Ausfahrt in Richtung Senftenberg) und Wied © Foto: Gernot Menzel

Die Seenlandbahn von Dresden über Kamenz und Bernsdorf nach Senftenberg ist für dieses Jahr Geschichte. Die Saison wurde am letzten Ferien-Wochenende beendet. Laut den Zählungen der Zugbegleiter wurden an den sieben Wochenende in den Sommerferien mehr als 3.100 Fahrgäste befördert, heißt es vom Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). Besonders stark genutzt wurde die Seenlandbahn an den drei Wochenenden zwischen dem 25. Juli und 9. August, ist von Pressesprecher Christian Schlemper zu erfahren. „An jenen Wochenenden waren die Züge bereits ab Dresden voll besetzt. Von den maximal möglichen 120 Fahrgästen auf Sitzplätzen fuhr der größte Teil – jeweils rund 100 – bis ins Seenland. Schwach nachgefragt waren Tage mit schlechtem Wetter. An denen war der Zug nur zur Hälfte ausgelastet.“

Eine ganze Saison vollendet

Nachdem im vergangenen Jahr die Saison der Seelandbahn abrupt und vorzeitig beendet worden war, weil die Städtebahn Sachsen ihren Betrieb eingestellt hatte, darf in diesem Jahr getrost von einer erfolgreichen Saison gesprochen werden, auch wenn nicht alles glatt lief. So konnte die Bahn den Ansturm der Fahrgäste nicht immer bewältigen. Das hatte unterschiedliche Gründe. Jedenfalls mussten Passagiere zurückbleiben. In manchen Zügen stapelten sich die Fahrräder, merkte SZ-Leser Dieter Scheffler an. Das sei doch kein Zustand – schon aus Sicherheitsgründen.

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Christian Schlemper bestätigt, dass an einigen Wochenenden zahlreiche Fahrgäste stehen mussten. Teilweise seien es bis zu 30 Personen gewesen. „Die Zugbegleiter haben sich nach zahlreichen Schilderungen der Fahrgäste sehr bemüht, allen am Bahnsteig stehenden die Mitnahme unter Maßgabe der Sicherheit zu ermöglichen.“ Insbesondere die Fahrradmitnahme erwies sich als schwierig. In den Zügen finden, wenn keine Kinderwagen und Rollstühle dabei sind, maximal 12 Fahrräder Platz, so sein Hinweis. „Bei vielen Fahrten waren die Plätze bereits in Dresden voll ausgelastet, in der Spitze meldete ein Zug 22 Fahrräder.“ Die Zugbegleiter, die die Nerven behielten und deren Freundlichkeit allgemein gelobt wurde, haben möglich gemacht, was möglich zu machen ist.

„Wir haben gewusst, dass das Angebot angenommen wird, aber dass es so gut läuft, haben wir nicht gedacht“, so die VVO-Marketingleiterin Gabriele Claus. Und der Bernsdorfer Bürgermeister Harry Habel, der gemeinsam mit seinem damaligen Wiednitzer Amtskollegen Gottfried Jurisch dem Projekt Seenlandbahn beginnend im Jahr 2009 überhaupt erst auf die Sprünge geholfen hat, kann der Kritik auch etwas Positives abgewinnen. „Es konnte uns nichts Besseres passieren, als dass die Züge übervoll waren. Ich verstehe jeden, der nicht mitgekommen ist. Das ist sehr, sehr ärgerlich. Es zeigt uns aber auch, dass ein Bedarf vorhanden ist“, so Harry Habel.

Zwar hat die Seenlandbahn ihre Saison beendet, dafür aber nimmt die Diskussion Fahrt auf. So stellt sich die Frage, warum nur ein Wagen auf Tour geschickt wurde. Ein Grund: Die Bahnsteige in Straßgräbchen-Bernsdorf und Wiednitz sind zu kurz. Ein Kamenzer SZ-Leser regte nun an, es sei doch für so vieles Geld da. Dann müssten die Bahnsteige eben verlängert werden. Ein guter Vorschlag an den VVO.

Eine ehrgeizige Zielstellung

Dort ist allerdings noch nicht einmal klar, ob die Seenlandbahn im kommenden Jahr wieder fährt. Denn die zweijährige Testphase sei zu Ende und unklar, ob im kommenden Jahr wieder Geld dafür in der Kasse ist. Erst werde die Probezeit ausgewertet: „Wenn die längerfristige Zukunft der Strecke geklärt ist, werden wir natürlich auch die Infrastruktur betrachten“, stellt VVO-Sprecher Christian Schlemper in Aussicht. Der Bernsdorfer Bürgermeister drückt derweil aufs Tempo. „Mein Ziel ist eine S-Bahn-Verbindung, ob sie Seenlandbahn heißt, ist für mich nicht wichtig“, macht er deutlich. Die Elektrifizierung der Bahnstrecke ins Lausitzer Seenland sei ein Leuchtturm-Projekt des Bundes im Zusammenhang mit dem Strukturwandel. Hierbei gehe es um einen Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren. „Wir müssen aber jetzt die Region entwickeln. Es müssen Leute herkommen. Dafür brauchen wird die Bahnverbindung.“ Eine S-Bahn, wie sie derzeit zwischen Dresden und Kamenz pendelt, wird das Lausitzer Seenland befördern. „Das wissen viele und das sieht man auch beim Bund und im Freistaat so.“

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Nachdem die Testphase der Seelandbahn nun vorüber ist, folgt die Auswertung. Dazu treffen sich Ende September die am Projekt Beteiligten, sprich Vertreter des Freistaates, des Landratsamtes, des VVO, der Landtagsabgeordnete Mikwauschk und er selbst, ließ Harry Habel wissen. Er will alles dafür tun, dass schon im nächsten Jahr eine S-Bahn im 2-Stunden-Takt an sieben Tagen in der Woche zwischen dem Seeland und der Landeshauptstadt pendelt. „Ich weiß, dass das nicht einfach sein wird.“

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