merken
PLUS Hoyerswerda

Stiefmütterchen und Salat für den Selbstversorger

In der Hoyerswerdaer Gärtnerei Witte hat der Lenz begonnen: Außer Frühblühern werden nun auch Nutzpflanzen verkauft – Gehölze warten noch.

Georg Witte verkörpert die 5. Generation der 1930 gegründeten Hoyerswerdaer Gärtnerei Witte, ist 4. Meister des Familienunternehmens in der Senftenberger Vorstadt 30. Hier ist er im Stiefmütterchen-Gewächshaus mit einer Palette der Frühblüher zu se
Georg Witte verkörpert die 5. Generation der 1930 gegründeten Hoyerswerdaer Gärtnerei Witte, ist 4. Meister des Familienunternehmens in der Senftenberger Vorstadt 30. Hier ist er im Stiefmütterchen-Gewächshaus mit einer Palette der Frühblüher zu se © Foto: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Goethe schildert’s in seinem Osterspaziergang: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden, belebenden Blick, / Im Tale grünet Hoffnungsglück ... / Aber die Sonne duldet kein Weißes, / Überall regt sich Bildung und Streben, / Alles will sie mit Farben beleben; Doch an Blumen fehlt’s im Revier ...“

Frucht und Blüte

Gut, das war 1808. Längst fehlt es zu Ostern nicht mehr an Blumen im Revier. Schon viel früher wird’s allüberall bunt-farbig: Klein-, Balkon- und sonstigen Hobbygärtners Hoffen: Ende der Frostzeit! Auf dass man endlich Zelte, Frühbeete, Gewächshäuser, Freiland-Flächen und die Kästen vor Wohnzimmerfenster und auf der Terrasse mit dem bestellen kann, was Frucht und Blüte tragen möge.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Absolute Puristen setzen dabei auf Pflanzen aus eigener Zucht, möglichst aus Samen, der von der letztjährigen Ernte oder Schnitt zurückbehalten worden ist. Doch die große Mehrzahl all derer, die die eigene Scholle oder eben den eigenen Kasten bestellen wollen, vertraut auf den Gärtnereibetrieb – der einem die mühevollste und unerquicklichste, wohl aufwändigste Arbeit schon abgenommen hat: nämlich die Anzucht des künftig erhofften Grüns von der Kinderstube zur Jungpflanze.

Seit gestern Nutzpflanzen

Bei Fachleuten wie der Hoyerswerdaer Gärtnerei Witte in der Senftenberger Vorstadt 30 beginnt darum die Vorbereitung auf den nächsten Frühling, also den des Jahres 2021, nicht erst am Anfang dieses neuen Jahres 2021. Auch nicht im Winter davor. Nicht einmal im Herbst, sondern schon im Spätsommer 2020. Da wurden die Saaten bestellt, im September getopft – und seither wuchsen sie der Zeit entgegen, da sie dem erwartungsvollen Kunden verkauft werden können: Jetzt.

„Frühblüher“ wie Stiefmütterchen oder die artverwandten, aber kleinere Blüten ausbildenden Hornveilchen (Cornuta), Primeln und Zwiebelblüher (meint: Narzissen, Hyazinthen, Tulpen und Artverwandte) gibt’s schon seit ein paar Tagen; desgleichen Frühlingssträuße und Einpflanzungen, also Pflanzschalen.

Seit gestern im Angebot sind auch etwas robustere Nutzpflanzen: Salat, Kohlrabi, Spinat. Die Baumschulware, also Bäume, Sträucher und Stauden, müssen noch bis Mitte März warten, bis der Boden offen ist. Nach den Eisheiligen (siehe Ende dieses Beitrages) sind 30 Sorten Tomaten und Gurken erhältlich, Kürbisse und Zucchini. Manches davon kann man schon Ende März bekommen, um es in Gewächshäusern zu pflanzen. Gewiss kann man Blumen und Gemüse zum Teil daheim „unter Folie“ oder im Schuppen für sicher frostfreie Zeiten zwischenlagern. Manches nicht ganz so Zartbesaitete kann man sogar schon ab Mitte Februar ins Freiland setzen; eventuell unter Zuhilfenahme von wärmenden/wärme-erhaltenden Dingen wie Vlies-Decken, Kerzen oder Öfen. Aber die Gärtner-Weisheit empfiehlt, Empfindlicheres erst nach den Eisheiligen auszubringen.

Eine Frage der rechten Zeit

Allerdings sieht der Fachmann die Vorratshaltung, den immer zeitigeren Kauf der Pflanzen beim Gärtner und die darauf folgende Phase des Abwartens in Not-Unterkünften beim Kunden, mit gemischten Gefühlen: Anders als in der Gärtnerei unter fachlicher Aufsicht und bei professioneller Betreuung bestünde doch immer das Risiko, dass dann die Pflanzen, zu warm gehalten, „vergeilen“. Dass sie also üppig Schöße austrieben und dann keine Kraft mehr hätten, Blütenstände, geschweige denn Früchte zu bilden. Anderseits könne auf Grund unrichtiger Düngung der gewünschte Effekt von kräftiger, lang anhaltender Blüte hie und üppiger Substanz/Frucht da geschmälert werden. Was oft ungerechterweise dem Gärtner angelastet werde, der die Pflanze verkauft hat – auch wenn es unter dem Vorbehalt geschehen sei, dass man das erworbene Jung-Grün entsprechend behandeln müsse, um Erfolge zu erzielen.

Das zuträgliche Maß entscheidet

Neben angemessenen Temperaturen betreffe dies, speziell bei Balkon-Kulturen, den Boden, zutreffendes Düngen und Bekämpfen von Schädlingen. Wobei durchaus nicht gelte: „Viel hilft viel“, sondern es käme, wie überall im Leben, auf das richtige und zuträgliche Maß an. Mit Erde und Dünger sei es eine eigene Sache. Wobei „Erde“ gar nicht zuträfe. Die Füllung der Balkonkästen sei ja eigentlich ein Substrat, passgenau und bedarfsgerecht vorgerichtet für die entsprechende Pflanzenart. Und dieses Substrat bekomme man, ebenso wie den hilfreichen Dünger nebst passender Beratung zu allem rund um die erworbene/zu erwerbende Pflanze eben am besten beim Gärtner.

Witte hat konkret im Angebot 300 Sorten Balkonpflanzen, 70 Sorten Kräuter, etwa 80 Sorten Pelargonien („Storchschnabelgewächse“, aber eben nicht „Geranien“ nach dem Gattungsbegriff „Geraniaceae“), Gemüse, Stauden und Gehölze ... Vieles davon stammt aus eigener Produktion (speziell Sämerei) – oder aus regionaler Anzucht. Das ist nicht nur eine Frage des kleinen Kreislaufs der Wirtschaft, also der gegenseitigen Unterstützung der Betriebe in der Gegend. Sondern es ist eine Frage der letztendlich mit der Pflanze erzielbaren Qualität; heißt, des bestmöglichen Gedeihens bei den örtlichen Gegebenheiten.

Mikroklima kann entscheidend sein

Denn anders als weit gereiste Supermarkt- oder Internethandel-Produkte sind hier „geborene“ Pflanzen dem hiesigen Lausitzer Mikroklima angepasst. Dem sind Pflanzen aus südlicheren, auch süddeutschen Herkunfts-Standorten wie etwa am Rhein oft nur unzulänglich gewachsen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Enttäuschung über den Misserfolg und über die Diskrepanz zwischen dem (in der Heimat wohl sogar stimmenden) Katalogbild und der Lausitzer Realität ist dann unausweichlich.

Anders, wenn man beim lokalen Fachmann zur rechten Zeit hiesiges werdendes Grün & Blühen erwirbt und richtig pflegt.

Mehr zum Thema Hoyerswerda