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Stiller Protest und eine Kita unter Quarantäne

Nach dem Verwirrspiel auf Bundesebene prescht der Landkreis nicht vor. Osterreiten bleibt ein Thema.

Wie in etlichen anderen Städten wurden nun auch in Hoyerswerda vor dem Rathaus unter anderem Kinderschuhe und Kuscheltiere platziert.
Wie in etlichen anderen Städten wurden nun auch in Hoyerswerda vor dem Rathaus unter anderem Kinderschuhe und Kuscheltiere platziert. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Zwickau, Meißen, Zittau, Weißwasser – und seit Dienstagabend auch Hoyerswerda: Kinderschuhe stehen als Protest gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen vor dem Rathaus. Dazu Luftballons, ein paar Kuscheltiere und Forderungen wie „Rettet unsere Zukunft“, „Wir wollen im Lausitzbad toben“. Das Zusammentreffen von etwa 35 Erwachsenen und 25 Kindern beim Platzieren der Objekte rief die Polizei auf den Plan. Im Polizeibericht heißt es dazu: „Eine Anmeldung für die Zusammenkunft lag nicht vor. Offenbar rief eine 50-jährige Frau vorab zu dieser Aktion im Internet auf. Die Teilnehmer hielten sich an die Hygieneregeln der Corona-Schutz-Verordnung. Die Polizisten fertigten eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.“

Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh hatte währenddessen von sich aus das Gespräch mit den Teilnehmern der Aktion gesucht. „Ein Teil der Ängste, welche vor allem Kita- und Schulschließungen betrifft, kann ich gut verstehen und diese wurden ja auch bereits ausgeräumt. Das Thema Testung bzw. Verzicht auf Testungen in den Schulen ab der Oberschule sehe ich kritisch. Durch die verwendeten Selbsttest wird niemanden geschadet. Es wird im Gegenteil drüber sichergestellt ohne gesundheitliche Ängste zu haben sein Kind am Unterricht teilhaben zu lassen.“ Sachsen hält Stand Mittwoch daran fest, nach den zweiwöchigen Osterferien ab 12. April den Präsenzunterricht an den Schulen wieder einzuführen. Torsten Ruban-Zeh betont seinerseits, dass im Rahmen einer Videokonferenz der sächsischen SPD-Bürgermeister mit Martin Dulig und Hennig Homann am Dienstag das Thema der Corona-Maßnahmen ebenfalls an die Landesregierung und an den Landtag herangetragen wurde: „Auch wir sehen in vielen Punkten der jetzigen Herangehensweise auf Bundes- und Landesebene einen wesentlich stärkeren Kommunikationsbedarf mit unseren Bürgern.“ In den einzelnen Kommunen wird mit den an den Rathäusern drapierten Objekten übrigens ganz unterschiedlich verfahren. In Hoyerswerda sollen sie jedenfalls erstmal stehenbleiben.

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Blunoer Kita geschlossen – alle Kinder und Beschäftigten in Quarantäne

Seit Mittwoch ist die Kita „Rasselbande“ in Bluno geschlossen. Alle 37 Kinder und sieben Beschäftigten wurden unter Quarantäne gestellt. Diese gilt bis zum 2. April. Anlass ist ein positiver Testbefund auf das Sars-CoV-2-Virus unter den Beschäftigten. Wie von Hauptamtsleiterin Franziska Richter zu erfahren war, hatte das Personal bei einem Schnelltest am Donnerstag durchweg negative Befunde. Entsprechend erfolgte am Freitag der gewohnte Kita-Betrieb. Am Samstag wurden erste Symptome bemerkt. Der am Montag von der betreffenden Person durchgeführte Schnelltest fiel positiv aus, ebenso der daraufhin veranlasste PCR-Test. Dessen Ergebnis lag „zum Glück“ schon am Dienstag vor, wie Franziska Richter erklärte. So etwas habe auch schon mal mehrere Tage gedauert. Am frühen Dienstagabend erreichte die Elsterheider Gemeindeverwaltung die Festlegung des Gesundheitsamtes des Landkreises, dass die Kita in Bluno ab sofort geschlossen bleibt und dass sich die Kinder und das Personal in Quarantäne zu begeben haben. Noch am gleichen Abend wurde die Kita-Leiterin von der Hauptamtsleiterin informiert. Diese wiederum setzte sich mit den Eltern der Kinder in Verbindung, sodass am nächsten Morgen gar nicht erst Kinder zur Kita gebracht wurden.

Corona-Regeln im Landkreis Bautzen vorerst unverändert

Der Landkreis Bautzen wird seine Corona-Regeln in dieser Woche zunächst nicht ändern. Derzeit plant der Freistaat aufgrund der Bund-Länder-Beschlüsse eine neue Corona-Schutz-Verordnung, die in der kommenden Woche in Kraft tritt. Dieser neue rechtliche Rahmen soll vorerst abgewartet werden. Der RKI-Wert der 7-Tage-Inzidenz für den Landkreis Bautzen lag zuletzt drei Tage über dem kritischen Wert von 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern. Am Mittwoch wurde dieser wieder unterschritten (Inzidenz 95,7) und es ist laut Landratsamt in den nächsten Tagen eine Schwankung um den kritischen Wert zu erwarten.

Die Kreisverwaltung geht davon aus, dass der Freistaat mit der neuen Corona-Schutz-Verordnung noch stärker die Öffnung von Geschäften, Dienstleistungen und Einrichtungen an ein flächendeckendes Schnelltest-Regime bindet. Hier hat der Landkreis Bautzen bereits ein enges Netz an Testangeboten geschaffen und baut es weiter aus. „Die Bereitschaft der Bevölkerung, sich testen zu lassen, darf nicht mit weitgehenden Schließungen konterkariert werden“, so Landrat Michael Harig.

Osterreiten wird weiter vorbereitet - Publikum ist nicht vorgesehen

Derzeit erreichen das Landratsamt zahlreiche Anfrage, ob das Osterreiten in diesem Jahr stattfinden kann. Die Behörde geht nach Rücksprache mit der Landesregierung davon aus, dass auch in der neuen Corona-Schutz-Verordnung des Freistaates kein Verbot des Osterreitens enthalten sein wird. Daher liegt es in der Verantwortung des Landkreises, ob die Osterreiterprozessionen stattfinden können. Aktuell sieht das Landratsamt keinen Anlass für ein Verbot. In der kommenden Woche soll anhand der dann geltenden Rechts- und Infektionslage eine abschließende Bewertung gemeinsam mit den Vertretern der Osterreiter vorgenommen werden. Sollte der religiöse Brauch durchgeführt werden, sollen Zuschaueransammlungen vermieden werden. Daher werden dann die Strecken und Zeiten für die Prozessionen geändert und nicht vorab kommuniziert.

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