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Warten auf den nächsten Urlaub

Hoyerswerdas Reisebüros wollen ein tragfähiges Konzept für den Restart.

Ausschließlich am Telefon erfolgt die komplette Beratung zur gewünschten Reise bei Budde Reisen im Lausitz-Center. Im Bild zu sehen sind Geschäftsführerin Marina Mieth (rechts) und Mitarbeiterin Gabi Zschiesche.
Ausschließlich am Telefon erfolgt die komplette Beratung zur gewünschten Reise bei Budde Reisen im Lausitz-Center. Im Bild zu sehen sind Geschäftsführerin Marina Mieth (rechts) und Mitarbeiterin Gabi Zschiesche. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Normalerweise überlegen Familien am Jahresbeginn, wo sie ihren Sommerurlaub verbringen, doch die Corona-Pandemie setzt diesen Träumen Grenzen. Beinahe wöchentlich werden neue Verhaltensweisen für Auslandsreisende festgelegt und die Hochinzidenzgebiete verändern sich ständig. Diese Ausnahmesituation zwingt vor allem die Beschäftigten der Reisebranche in eine Art Berufsverbot. Hotels dürfen nicht öffnen, Busse, Schiffe und Flugzeuge brauchen nicht erst starten, und Reisebüros haben deshalb keine Arbeit.

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„So ganz stimmt das nicht“, weiß Birgit Krüger vom Reisebüro am Markt in Hoyerswerda, denn sie ist seit dem Beginn des ersten Lockdowns mit der Rückabwicklung ausgefallener Reisen beschäftigt. Provisionen, die sie seit Herbst 2019 für gebuchte Reisen nach Griechenland, Österreich oder anderswohin bekommen hat, die 2020 stattfinden sollten, musste sie zurückgeben. „Das Reisebüro steht fast ohne Einnahmen da und daran hat sich bis jetzt nichts geändert“, beschreibt die Reiseverkehrskauffrau die Situation. Wenigstens gibt es nun für Pauschalreisende zubuchbare Flex-Optionen, die ihnen bei einer Reisewarnung der Bundesregierung den kostenlosen Rücktritt vom Vertrag oder eine Umbuchung ermöglichen. Manche Reise musste schon zweimal umgebucht werden, stattfinden konnte sie wegen der unsicheren Lage noch nicht. Birgit Krüger findet auch schlecht, Reiseziele gegeneinander auszuspielen. Mallorca ist geöffnet, aber ein Urlaub an der Nord- oder Ostsee ist nach den Entscheidungen von Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern jetzt nicht möglich. Die hiesigen Hotels haben gute Hygienekonzepte und das nutzt ihnen nichts, sagt die Reiseverkehrskauffrau.

Um auf die prekäre Lage der ganzen Branche aufmerksam zu machen, haben sich mittelständische Reiseveranstalter, Hotels, Reisebüros, Reiseleiter und Stadtführer aus ganz Deutschland zu der Aktion „Reisen - aber sicher“ zusammengeschlossen. „Erst kürzlich waren wir in Berlin, um mit Regierungsvertretern zu sprechen und ein Restart-Konzept einzufordern“, erzählt Birgit Krüger. Allein in Reisebüros sind ca. 10.000 Arbeitsplätze bedroht. Das Thema ist mittlerweile in einem Bundestagsausschuss besprochen worden, einen konkreten Plan der Regierung gibt es noch nicht.

Umsatzeinbußen muss auch die Firma Budde Reisen im Lausitz-Center verkraften, sagt die Geschäftsführerin Marina Mieth. Sie und ihre Mitarbeiter organisieren ausschließlich mit dem Bus vor allem für ältere Menschen Kurreisen nach Ungarn, Tschechien, Polen und Erlebnisreisen innerhalb Deutschlands. Etwas Umsatz konnte das Reisebüro im Sommer und Herbst 2020 in ihren Stammhotels an der Polnischen Ostsee und im Isergebirge machen. Nach Ungarn gab es nur eine ganz kurze Reisesaison, da am 1. September 2020 die Grenzen wieder geschlossen wurden. Seit November ist Lockdown und Reisebüros dürfen nicht arbeiten. „Die Politiker in Berlin sollen endlich verlässliche Entscheidungen im Sinne der Menschen treffen“, wünscht sich Marina Mieth.

Vor ihrem jetzt geschlossenen Reisebüro im Lausitz-Center liegen für Interessenten Kataloge bereit, um sich vorab zu informieren. Ausschließlich am Telefon erfolgt die komplette Beratung zur gewünschten Reise. Um gut über die Situation im Urlaubsland Bescheid zu wissen, hält Marina Mieth regelmäßigen Kontakt zu ihren langjährigen Hotelpartnern. Derzeit ist überall jede touristische Übernachtung untersagt. Die Kunden können aber trotzdem bei Budde Reise Zimmer per E-Mail oder telefonisch ohne Risiko reservieren. Viele von ihnen warten nur darauf, dass sie wieder Urlaub machen dürfen, und die Reisebüromitarbeiter, die jetzt in Kurzarbeit sind, wollen endlich wieder arbeiten.

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