merken
PLUS Hoyerswerda

Warum ein Tor nicht wieder aufgebaut wird

Für den einen war es DDR-Kunst, für den anderen einfach nur überflüssig. Jetzt ist es weg.

Schon Ende vergangenen Jahres war das Tor an der katholischen Kirche entfernt worden. Die Kirchgemeinde musste aber mittlerweile ein Absperrband platzieren, um das Befahren des Areals zu unterbinden.
Schon Ende vergangenen Jahres war das Tor an der katholischen Kirche entfernt worden. Die Kirchgemeinde musste aber mittlerweile ein Absperrband platzieren, um das Befahren des Areals zu unterbinden. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Manche Dinge fallen nicht so schnell auf. Wer in der Karl-Liebknecht-Straße die katholische Kirche passiert, der registriert vielleicht, dass dort seit Monaten kein Tor mehr ist. Es scheint aber kaum jemand wirklich zu vermissen. Peter Biernath schon. Das Kulturbund-Mitglied, zudem als Denkmalpfleger bekannt und einst beruflich Architekt, fiel das fehlende Tor rasch auf. Er musste in den vergangen dreißig Jahren schon an einigen Stellen der Stadt registrieren, dass Kunst aus DDR-Zeiten einfach so verschwindet. Er weiß, dass Kunstschmied Karl Heinz Steinbrück, Mitbegründer der künstlerischen Produktionsgenossenschaft „neue form“ Seidewinkel, das Eingangsportal Anfang der 1970er-Jahre gestaltete. Biernath nennt es „stadtbildprägend“. Nun ist es verschrottet. Peter Paul Gregor, Pfarrer der Kirchgemeinde Heilige Familie, hat diesbezüglich schon gegenüber der Stadtverwaltung Stellung bezogen. „Das Tor hat sicherlich künstlerisch gesehen in der Entstehungszeit einen Wert gehabt.“ Dass es stadtbildprägend gewesen sei, bezweifelt der kunsthistorisch bewanderte Theologe. Er wüsste nicht, dass Stadtführungen zur katholischen Kirche führen, zumal deren künstlerischen Werte sich im Inneren befinden. Dabei hebt Gregor auf den Altar und die Motiv-Fenster ab, die von Künstlerpfarrer Sieger Köder in den 1990er-Jahren geschaffen worden waren, in Hoyerswerda aber wohl nur auf geringes Interesse stoßen.

Restaurierung unverhältnismäßig

Die Beseitigung des Tores resultiert laut Peter Paul Gregor vor allem aus dem Umstand, dass es in einem schlechten Zustand gewesen sei. Seitens des Kirchenvorstandes habe man Fachleute konsultiert und sei zu der Erkenntnis gekommen, dass eine Restaurierung bei der Aufwand-Nutzen-Rechnung in keinem gesunden Verhältnis gestanden hätte. Somit fiel die Entscheidung, es zurückzubauen. Das Kirchengelände selbst kann ohnehin von mehreren Seiten betreten werden. Gregor betont, dass das Tor zudem den Blick auf das Kirchenportal versperrt habe. Außerdem soll nicht der Eindruck entstehen, dass sich die Kirche verschließe. Dass dann in der Kirche doch die zweite Tür verschlossen ist, hat allein den Grund, dass in den Jahren, da das Objekt frei zugänglich war, diverse Dinge verschwanden oder beschädigt wurden.

Anzeige
Ab jetzt kauft man Hyundai bei Winter!
Ab jetzt kauft man Hyundai bei Winter!

Winter Automobilpartner hat vier Standorte in Ostsachsen – und ab sofort eine dritte Top-Automarke im Angebot.

Hoffen auf zielführende Debatte

Wer sich die Einfriedung des Kirchengrundstückes betrachtet, sieht schnell, dass auch der Zaun, bestehend aus genormten Draht-Zaunfeldern, vermutlich über vierzig Jahre alt, allgemein in keinem guten Zustand ist. Auf rund 100 Jahre alten Aufnahmen der 1914 eingeweihten Kirche sieht man, dass der Zaun ursprünglich aus gemauerten Pfeilern mit Dachziegelbekrönung, einem Sockel und hölzernen Zaunfeldern bestand. Von diesem Zaun stammt offenbar noch der jetzige Sockel, in dem sogar die einstigen Pfeiler erkennbar sind. Den jetzigen Stilmix wird wohl niemand als gelungen bezeichnen. Vielleicht entsteht ja aus all dem eine zielführende Debatte, wie künftig die Einfriedung des Areals der Katholischen Kirche „Zur Heiligen Familie“ aussehen könnte.

Mehr zum Thema Hoyerswerda