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Was die Arbeit im Jugendstadtrat bedeutet

Drei Schüler blicken zurück, haben gemeinsam Aufgaben bewältigt und üben auch Kritik.

Pascal, Cora und Johann (v.r.) haben zwei Jahre gemeinsam im Jugendstadtrat gearbeitet. Nicht alle Ziele konnten erreicht werden.
Pascal, Cora und Johann (v.r.) haben zwei Jahre gemeinsam im Jugendstadtrat gearbeitet. Nicht alle Ziele konnten erreicht werden. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Die Mitgestaltung am Leben einer Stadt kann prägend sein – besonders in jungen Jahren. In Hoyerswerda gibt es seit einigen Jahren einen Jugendstadtrat, der eine Stimme und Chance sein soll. Jetzt endete kürzlich die Legislaturperiode, am Montag wird neu gewählt – Zeit für einen Rückblick auf die vergangenen zwei Jahre.

Cora Sengbusch ist Schülerin am Johanneum, besucht die elfte Klasse, erwartete von der Arbeit in dem Gremium, dass sie mit Politik in Berührung kommt. Jetzt geht sie mit mehr Selbstbewusstsein aus dieser Erfahrung heraus. Ein weiteres Mal wird sie nicht antreten, aber ermutigt jeden, der „Interesse an Veränderungen in der Stadt hat“, mitzumachen.

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Pascal Stallerscheck hat nun schon die zweite Wahlperiode hinter sich gebracht und wird wieder antreten. Zuletzt hatte der 19-jährige Fachabiturient die Funktion des Vorsitzenden inne, konnte und möchte den neugewählten Vertretern wieder Tipps mit auf den Weg geben. Der Wunsch nach einem Einblick wurde erfüllt. Und er schätzt die breite Teilnahme seiner Mitstreiter, die er zuletzt erfahren hat. „Es ist wichtig, dass es einen Austausch zwischen dem alten und neuen Gremium gibt“, betont er. Denn sie haben selbst erlebt, dass es eine gewisse Zeit braucht, „um miteinander warm zu werden“, ergänzt Cora.

Johann Koch wurde von seinem Bruder inspiriert, der vormals Teil des Jugendstadtrates war. Und so wie es aussieht, wird nun mit der nächsten Wahl der dritte Bruder folgen. Der 17-Jährige schätzt die Zeit als schön, erfolgreich und lehrreich ein. Dennoch hat er „erwartet, mehr bewirken zu können“.

Die Drei schauen zurück und sind froh, dass die Gruppe so agil war, viele mitgetan haben. Cora meint, dass es das Ziel war, gemeinsam etwas in der Stadt zu erreichen. Das scheint gelungen. Besonders die beiden Müllsammel-Aktionen werden positiv bewertet. „Wir hatten viel Kontakt zu Bürgern und das hat uns auch zusammengeschweißt“, meint die Schülerin. Für Johann hat es allerdings auch bedeutet, gegen Klischees, Jugendliche betreffend, anzuarbeiten. So war Außenwirkung ein Effekt ihrer Arbeit. Positives Feedback zu Aktionen hat aber auch gezeigt, dass „man Meinungen anderer umstellen kann“, hat Cora beobachtet.

„Könnte Stadtrat nicht leisten“

Die vielfältigen Projekte „bestmöglich“ zu verwirklichen, ist Pascal wichtig gewesen. „Die Planung kostet viel Zeit, Kraft und Nerven. Wir machen das alles ehrenamtlich.“ Dann müssen Dinge auch Hand und Fuß haben, so die Schlussfolgerung. „Wir machen das zum Wohle der Stadt und geben Jugendlichen eine Stimme“, hält der ehemals Vorsitzende fest. Doch dieses Bestreben braucht auch Partner und Unterstützung. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat stellt die jungen Leute noch nicht zufrieden. Es wird davon gesprochen, anfangs nicht wahrgenommen worden zu sein, und nach den zwei Jahren wird mehr Mitsprache und Beachtung der Interessen gewünscht. Denn „einige Projekte könnte der Stadtrat so nicht leisten“, ist sich Pascal sicher. So bleibt es weiterhin wichtig, zu „zeigen, wer wir sind“, so Cora über das seit Anfang bestehende Anliegen.

Dass Prozesse auch langwierig sein können, ist eine von Johanns Erkenntnissen. Damit hat sich sein Verständnis für Politik mit dem Engagement im Jugendstadtrat etwas gewandelt. So wird die Idee eines Skateparks auch an die nächste Generation weitergegeben. Es soll damit ein Ort entstehen, der eine Freizeitgestaltung und Begegnung gleichermaßen ermöglicht. Die Räte sind sich einig, dass es an einem passenden Ort für Jugendliche fehlt. Sportvereine bieten beispielsweise Kontaktmöglichkeiten, aber sie favorisieren einen Club. „Die Stadt muss viel mehr auf die Bedürfnisse jüngerer Menschen eingehen“, betont Pascal. Er zieht eine etwa zehn Jahre alte Umfrage aus den Unterlagen: Es wird gefragt, was fehlt, was stört, was gewünscht wird. Die Antworten der jungen Menschen haben sich kaum verändert, könnten auch ganz aktuell sein. Es fällt das Wort Warnsignal.

Eine Übergabe gestalten

Als feste Ansprechpartner hat der Jugendstadtrat Silke Braun von der Stadtverwaltung an seiner Seite und neuerdings mit Cindy Paulick auch eine Vertreterin der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven (RAA) Hoyerswerda/Ostsachsen e.V. Für das neue Gremium ist schon eine Teambuilding-Maßnahme in Arbeit. Voraussichtlich im Oktober soll es einen Tagesausflug geben, der zum Kennenlernen und Ideen entwickeln dienen soll. „Wir hätten vielleicht auch schneller zusammengefunden“, überlegt Pascal. Doch er ist mittlerweile erfahren und hofft, an Kontakte und Netzwerke anknüpfen zu können bzw. dabei weitere Unterstützung erfahren zu können.

Bei dem Ferienprojekt „Wünsch dir was“ sollen die alten und neugewählten Jugendstadträte gemeinsam vertreten sein. Johann erinnert sich, dass bei der ersten internen Sitzung eine gewisse Übergabe stattfand, Projekte in andere Hände gelegt wurden. Das möchten sie nun ähnlich gestalten. Dann gab es ein Brainstorming, um zu sehen, wo es Schnittmengen zwischen den jungen Menschen gibt. Cora wünscht sich, dass die neuen Vertreter ein ähnliches Bewusstsein entwickeln, „Dinge in die Hand zu nehmen, die uns selbst zum Problem geworden sind“. Pascal sieht das Gremium auch als Ansprechpartner für Probleme, aber würde gerne mehr rechtliche und finanzielle Handhabe haben wollen. Eine Rolle als Vermittler schwebt ihm vor, zwischen den Generationen aktiv sein. „Aber die Stadt muss das Potenzial erkennen“, das der Jugendstadtrat vorhält.

Dennoch hält Cora die Arbeit im Jugendstadtrat für die beste Möglichkeit, um Kontakte zu knüpfen. Ihr Wille, etwas durch Teilhabe zu erreichen, ist ausgeprägter geworden, wie sie selbst sagt. Pascal hat vor allem bei Strukturierung und Zielorientierung dazugelernt. Johann weiß nun, welchen Umfang Entscheidungsprozesse haben. Doch im Grunde möchten sie alle nur, „dass sich Jugendliche hier wohlfühlen“, wie Pascal sagt, und wiederkommen.

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