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„Wir haben erschwerte Bedingungen“

Die Vorbereitung auf das Abitur ist anspruchsvoll – zur Zeit noch mehr. Doch die Hoyerswerdaerin Pia Mende ist zuversichtlich.

Abiturientin Pia Mende lernt nun zu Hause und besucht die Schule für den Unterricht in den Prüfungsfächern. Im Fach Musik wird sie eine mündliche Prüfung ablegen. Da wird Wissen in der Musiktheorie und ein praktischer Teil gefordert. Pia Mende möcht
Abiturientin Pia Mende lernt nun zu Hause und besucht die Schule für den Unterricht in den Prüfungsfächern. Im Fach Musik wird sie eine mündliche Prüfung ablegen. Da wird Wissen in der Musiktheorie und ein praktischer Teil gefordert. Pia Mende möcht © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. Die Zeit vor dem Abitur ist eine besondere. „Eine Zeit, die für jeden Abschlussjahrgang von Anspannung, Aufregung und Sorgen geprägt ist“, heißt es in einem Schreiben vom sächsischen Kultusminister, Christian Piwarz, an die Abiturient*innen der Gymnasien im Freistaat. Es wird anerkannt, dass zur Zeit schwierige Bedingungen herrschen. Doch diese Umstände sollen nicht den weiteren Lebensweg der jungen Menschen beeinträchtigen, wird betont.

Kleingruppen bewähren sich

So ähnlich sieht das auch Pia Mende, die sich im Augenblick auf die Abiturprüfungen vorbereitet. Sie besucht das Foucault-Gymnasium in Hoyerswerda und seit Mitte Januar wieder den Unterricht – in ihren Prüfungsfächern Geschichte, Deutsch, Mathe, Musik und Biologie. Per A-/B-Woche wird geregelt, dass kleine Gruppen abwechselnd unterrichtet werden. Meist sind es kaum zehn Schüler*innen, wie die Abiturientin erzählt. Bei dieser Größe lassen sich besser Nachfragen stellen, hat sie beobachtet. „Meine Mitarbeit hat sich verbessert.“ So ist Pia Mende täglich bis zu sechs Stunden in der Schule.

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Ein Rückstand aus dem letzten Schuljahr sei zu spüren. Jetzt werden vermehrt Schwerpunkte gesetzt. In Mathe bedeutet das zum Beispiel viele Hausaufgaben und dass Abituraufgaben aus den Vorjahren zu Übungszwecken gerechnet werden. In Deutsch hingegen wurden die verschiedenen Verfahren, wie Interpretation, Erörterung, Vergleich oder Argumentation, gefestigt. Literarische Werke, die im letzten Jahr geprüft wurden, konnten ausgeschlossen werden.

Wenn Pia Mende die Wochen der Lernzeit zu Hause beschreibt, dann geht es vor allem um das Erarbeiten von neuen Inhalten. Es sei nicht immer leicht gewesen, alleine genügend Motivation aufzubringen. „Es fiel mir teilweise schwer, alles selbst zu erarbeiten – gerade in Fächern mit Schwächen.“ So, wie im Unterricht ist es eben nicht. „Vielleicht hätte ich sonst mehr verstanden?“ Diese Frage stellt sich im Rückblick. Weiterhin stellen sich Themen als komplex heraus oder es ist umständlich, passende Quellen zu finden. Doch irgendwie kann diese Zeit vielleicht auch die beste Vorbereitung auf ein Studium sein.

Mit dem Gefühl, etwas unvorbereitet zu sein, ging die Hoyerswerdaerin wieder in den Unterricht. Denn die Vorprüfungen waren in Sicht, warfen ihre Schatten voraus. Doch das hat sich gelegt, und das Vorabi wurde kürzlich in den drei schriftlichen Prüfungsfächern Geschichte, Deutsch und Mathe geschrieben. Fünf bzw. vier Zeitstunden standen zur Verfügung und jeweils eine halbe Stunde zum Einlesen. Verteilt auf die großzügige Aula im Foucault-Gymnasium und verschiedene Klassenräume wurden die Klausuren mit ausreichend Abstand geschrieben. Die Konzentration auf den Stoff für die Abschlussprüfungen ist nun gut möglich – auch weil die anderen Fächer zur Zeit ruhen. Denn mit Blick auf die Abiturprüfungen und seit der Rückkehr in die Schule, zeigt sich, dass sich die junge Frau darauf zunehmend gut vorbereitet fühlt. In der Lernzeit wurden schon Leistungskontrollen online geschrieben und Arbeitsblätter abgegeben, aber es gab wenig Noten, beschreibt Pia Mende. Da gehen die Gedanken schon in die Zeit nach dem Abitur. Denn dann geht es für die Absolvent*innen nicht automatisch in die schulfreie Zeit, sondern erneut in die Klassenräume. Für fünf Wochen ab dem 7. Juni werden die „einbringungspflichtigen Nichtprüfungsfächer“ unterrichtet. Laut dem Schreiben des Kultusministers „werden dann ausgewählte Lehrplaninhalte behandelt und auch bewertet.“ Daraus ergibt sich dann das Zeugnis des Kurshalbjahres 12/II.

Pia Mende wird dann noch sechs Fächer belegen. Dass noch Noten zusammenkommen, die ein plausibles Bild der Leistungen abbilden, ist gut, aber in dieser kurzen Zeit doch etwas fraglich. Es wäre ihr lieber, wenn sie und alle anderen danach in Ruhe durchatmen könnten. „Es ist nicht optimal, aber eben notwendig.“

Keine Sorge um Anerkennung

Einige Erleichterungen kommen den Schüler*innen der Abschlussklassen zu. Das findet Pia Mende angemessen und gerechtfertigt, denn „wir haben schon erschwerte Bedingungen“. Zweimal hat dieser Jahrgang während der Abschlussklassen einen Lockdown erlebt. „Unser Jahrgang hat es am schwersten.“ Sorge um die Anerkennung der Leistungen macht sie sich hingegen nicht. „Ich denke nicht, dass unser Abitur schwächer angesehen wird“, gibt sich die 17-Jährige beruhigt.

Doch ob alle Fristen zur Einschreibung an einer Uni ausreichen werden, sorgt bei ihr noch für Unsicherheit. Jetzt lernt sie jeden Tag für das Fach Geschichte und wiederholt Aufgaben in Mathe. Das sei zeitintensiv, aber eben am effektivsten. Denn erst Wiederholung festigt den Stoff. Bei Fragen tauscht sie sich mit Mitschülern aus. Feste Lerngruppen oder Online-Treffen zu diesem Zweck gibt es jedoch nicht. Lernpausen verbringt sie mit dem Hören von Musik, dem Lesen eines Buches, oder sie geht zum Spazieren nach draußen. Ihr fehlt es besonders, ins Kino gehen zu können und sich mit Freunden in einem Café oder zum Essen zu treffen.

Gerne möchte Pia Mende im Herbst in Dresden oder Berlin Landschaftsarchitektur studieren. Sie strebt derzeit einen Notendurchschnitt von 1,8 auf dem Abiturzeugnis an.

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