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Zwischen Schuldienst und Mauerseglern

Seit frühen Jahren ist der ehemalige Schulinspektor und Schuldirektor Naturliebhaber. Auf seinem Balkon sind Mauersegler beheimatet.

Der Aussichtspunkt in Bergen ist für Naturliebhaber wie Günther Matthes ein Hotspot. Regelmäßig verbringt der frühere Schuldirektor hier Zeit für Beobachtungen.
Der Aussichtspunkt in Bergen ist für Naturliebhaber wie Günther Matthes ein Hotspot. Regelmäßig verbringt der frühere Schuldirektor hier Zeit für Beobachtungen. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Kleine Kinder sind in der Regel mit Spielen und dem Kennenlernen ihrer Umwelt beschäftigt. Bei Günther Matthes war es schon immer die Natur, die den Jungen bereits sehr zeitig faszinierte. Seine Eltern wunderten sich sogar, dass ihr kleiner Sohn so oft es nur ging, stundenlang im Garten saß und Vögel beobachtete. Am meisten hatten es ihm damals die Meisen angetan, die er für ihren Mut und ihre Beweglichkeit sehr bewunderte.

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Günther Matthes legte dafür eine Ausdauer an den Tag, die man bei Kindern in seinem Alter nur selten vorfindet. Aus anfänglicher Beobachtung wurde mehr – viel mehr. Als Zehnjähriger baute Günther Matthes Nistkästen für Vögel. In der Schule durfte er einen, wie er selbst sagt, grandiosen Biologie- und Chemielehrer kennenlernen, der einen guten Draht zu seinen Schülern hatte und ihnen die Natur bei jeder sich bietenden Gelegenheit näherbrachte. Günther Matthes fand das großartig.

Nach der Schule erlernte er den Beruf eines Chemiefacharbeiters. Später schloss sich ein Studium in den Bereichen Biologie und Chemie in der damaligen Arbeiter- und Bauernfakultät an. Als Mittelstufenlehrer begann Günther Matthes an der einstigen Hoyerswerdaer Oberschule 9 im WK 5 zu arbeiten. Im WK 1 – in der damaligen Erweiterten Oberschule (EOS) – setzte er seine Arbeit fort und übernahm Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre die Leitung der Schule. „Ich habe zu dieser Schule deshalb eine ganz besondere Beziehung und freue mich, dass das spätere Konrad-Zuse-Gymnasium nach vielen Jahren Leerstand als sanierte neue Oberschule zu Beginn dieses Schuljahres eröffnet werden konnte“, blickt der frühere Schuldirektor zurück.

Viel Zeit für seine Hobbys blieb dem vierfachen Familienvater und begeisterten Aquarianer damals nicht. Deshalb nutzte die Familie die freien Wochenenden für gemeinsame Ausflüge und kombinierte die verschiedenen Interessen. So war der spätere Schulinspektor, der im Jahre 1988 zum Bezirksschulinspektor ernannt wurde, in seiner Freizeit beim „Angeln“ von Wasserflöhen und weißen Mückenlarven zu beobachten. Mit der Wende war die Zeit für viele qualifizierte Kader erst einmal vorbei.

Günther Matthes gehört aber zu jenen Menschen, die auch neue Herausforderungen annehmen und meistern. Und so lebte der Hoyerswerdaer seine pädagogische Leidenschaft als Ausbilder in einem Lautaer Bildungsunternehmen und als Bildungsstätten-Leiter in Mücka aus. Ganz in der Nähe befindet sich der Tauerwiesenteich, ein sogenannter biologischer Hotspot wie Günther Matthes zu berichten weiß.

Zur damaligen Zeit verbrachte der Hoyerswerdaer dort nahezu täglich seine Mittagspause, um Kraniche, Baumfalken, Gänse, Haubentaucher, Eisvögel und Bekassinen zu beobachten. Manchmal treibt es ihn heute noch an diesen Ort, an dem es ebenfalls einen wunderschönen Aussichtsturm gibt. Wölfe hat Günther Matthes, der seit 2005 Rentner ist, auch schon gesichtet.

Der 76-Jährige nimmt sich seitdem wieder sehr viel Zeit für die Natur. Einer seiner Lieblingsplätze ist der Aussichtspunkt in Bergen. Auch ein Hotspot für Tierbeobachter. Als Mitglied des Vereins sächsischer Ornithologen und Teilnehmer an verschiedenen Monitoring-Programmen, bei denen Tiere beobachtet und ihr Vorkommen dokumentiert werden, bleibt für ihn keine Zeit für Müßiggang.

Mittlerweile hat der Vogelliebhaber zu den Mauerseglern eine besondere Leidenschaft aufgebaut. Es sind die Eigenschaften dieser Vogelart, die Günther Matthes so beeindrucken. Mauersegler fabrizieren wahre akrobatische Übungen und erledigen nahezu alles in der Luft: Fressen, Schlafen, Paarungsverhalten und Wasseraufnahme. Wenn es um seine Brut geht, dann sucht der Mauersegler festen Boden auf, weiß der Hobbyornithologe.

Die renovierten Häuser in der Stadt machen es Vögeln dieser Art nicht leicht. Denn wie ihr Name schon sagt, segeln sie gern an Mauern entlang und suchen dort nach Nischen und Spalten, um nisten zu können. „Im WK 1 wurde das Problem gut gelöst. Dort wurden Nisthilfen mit in die Fassaden eingebaut“, freut sich Günter Matthes, der seit fünf Jahren auf seinem Balkon Mauerseglern Nistmöglichkeiten anbietet – mit Erfolg.

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