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Hubertusburg soll Kulturzentrum werden

Europas größtes Jagdschloss in Wermsdorf soll mit neuen Ideen belebt werden. Vorerst wird das "sächsische Versailles" wieder zur Residenz von Friedrich August II.

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Das Schloss Hubertusburg soll dauerhaft zu einem Kunst- und Kulturzentrum Sachsens werden. Bis Oktober werden Exponate sowie Sound- und Videoinstallationen zur Hochzeit des Sachsen-Kurprinzen Friedrich August II. mit einer Kaisertochter vor 300 Jahren gez
Das Schloss Hubertusburg soll dauerhaft zu einem Kunst- und Kulturzentrum Sachsens werden. Bis Oktober werden Exponate sowie Sound- und Videoinstallationen zur Hochzeit des Sachsen-Kurprinzen Friedrich August II. mit einer Kaisertochter vor 300 Jahren gez © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Wermsdorf/Dresden. Das "sächsische Versailles", Europas größtes Jagdschloss Hubertusburg in Wermsdorf (Nordsachsen), soll wieder zu einem Kunst- und Kulturzentrum des Landes werden. Der Freistaat arbeitet an einem Konzept für eine dauerhafte Nutzung der Riesenanlage aus dem 18. Jahrhundert, wie Finanzminister Matthias Haß (CDU) am Donnerstag sagte.

Die Präsentation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten (SBG) "Friedrich August und Maria Josepha" (28. April bis 6. Oktober) sei ein weiterer Baustein, um es als Kulturort zu etablieren. Dabei werde die Einrichtung eines Schaudepots der SKD geprüft. "Wir suchen dringend seit Jahren ein Zentraldepot für unsere 15 Sammlungen", sagte Generaldirektorin Marion Ackermann. "Die Fülle, die wir nicht zeigen können, gehört ja den Menschen."

Für die nächsten gut vier Monate wird das Schloss aber wieder zur Lieblingsresidenz von Kurfürst-König Friedrich August II. und Kaisertochter Maria Josepha von Österreich: Dank multimedialer Inszenierung können Besucher bei der "Hochzeit des Jahrhunderts" zwischen dem Wettiner und der Habsburgerin 1719 dabei sein. Das Fest war nach der Vermählung in Wien einen Monat lang mit Festumzügen, Maskeraden, Opernaufführungen und Bällen in Dresden gefeiert worden. An die Wände gebeamte Scans von Gemälden und Kupferstichen imaginieren nun die Szenerie und machen einen Raum zum Festsaal.

Videoinstallationen zeigen die Bewohner von Schloss Hubertusburg im 18. Jahrhundert. 
Videoinstallationen zeigen die Bewohner von Schloss Hubertusburg im 18. Jahrhundert.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Schätze der SKD zeugen von der dynastisch erfolgreichen und auch glücklichen Verbindung und einer Blütezeit in Musik, Kunst und Kultur des Landes bis zum Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Der Direktor von Rüstkammer und Grünem Gewölbe, Dirk Syndram, sprach vom "verlorenen sächsischen Rokoko", dessen Mittelpunkt Hubertusburg war. Videoinstallationen lassen einige Räume so aussehen, wie sie das Paar einst erdacht und eingerichtet hatte. In einem bisher nicht zugänglichen Teil ist die spätere Nutzung hörbar: Lazarett, Gefängnis, Psychiatrie oder die Suche nach dem Bernsteinzimmer.

August der Starke hatte Hubertusburg von 1721 an für das jagdbegeisterte Paar bauen lassen, die großen Pläne dafür sind erstmals ausgestellt. Kupferstiche und Gemälde zeugen wie Porzellan, Medaillen, Möbel, Tafelsilber, der Verlobungsanhänger, kostbare Hirschfänger und Pistolen vom höfischen Leben mit Parforcejagd und Repräsentation. Bildnisse und Kompositionen von Hofkapellmeister Johann Adolf Hasse oder der Schuh einer Primaballerina, Kostümentwürfe und Instrumente lassen die auch auf Hubertusburg florierende Opernkultur wieder aufleben, Kunstwerke zeugen vom Mäzenatentum des Königspaares.

Eine Sänfte aus dem Jahr 1740 ist in Schloss Hubertusburg ausgestellt.
Eine Sänfte aus dem Jahr 1740 ist in Schloss Hubertusburg ausgestellt. © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Friedrich August II. von Sachsen war ab 1733 als August III. auch König von Polen und Großherzog von Litauen. Er erweiterte die riesige Anlage ab 1736 um ein Opernhaus. Von 1752 an bot das nach der Hubertussage benannte Schloss der Königsfamilie und zahlreichen Gästen Platz. Meist im Herbst wurde es zur temporären Residenz, mit Festen und musikalischen Aufführungen - und zu einem Zentrum von Kunst und Kultur, wie Syndram sagte.

Die Glanzzeit endete jäh mit dem Siebenjährigen Krieg, 1761 wurde Hubertusburg von preußischen Truppen geplündert - bis auf die Kapelle. In einem Seitenflügel besiegelten Sachsen, Österreich und Preußen 1763 den Hubertusburger Frieden. Seit 1993 steht das rund 12 000 Quadratmeter große Hauptgebäude meist leer. Für eine erste große Schau zum 250. Jubiläum des Hubertusburger Friedens in Regie der SKD waren 2013 sechs Räume der Beletage nutzbar gemacht worden.

Der Freistaat investierte seit 1990 rund 95 Millionen Euro in das Areal, auf dem sich auch eine Psychiatrische Klinik und Teile des Staatsarchivs befinden. Finanzminister Haß ist sicher, dass Hubertusburg mit vielen Ideen belebt werden kann. "Bei der Dimension ist das aber eine Generationenaufgabe. (dpa)