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Auch Hummels wettert gegen Löw 

Nachdem der Bundestrainer den Abwehrspieler ausgemustert hat, meldet er sich nun zu Wort. 

Mats Hummels läuft nicht mehr für die Nationalelf auf.
Mats Hummels läuft nicht mehr für die Nationalelf auf. © dpa/Sven Hoppe

Von Jens Mende und Manuel Schwarz

Der Ärger um die radikale Personalpolitik von Joachim Löw ebbt nicht ab, jetzt stellt auch Mats Hummels den knallharten Kurs des Bundestrainers infrage. "Unabhängig von der aus meiner Sicht schwer nachvollziehbaren sportlichen Entscheidung (die ich natürlich respektiere), stößt die Art und Weise bei mir auf Unverständnis", erklärte der ausgemusterte Weltmeister von 2014 in den sozialen Medien. "Thomas, Jérôme und ich haben jahrelang alles für die Nationalmannschaft gegeben. Und dieser Umgang wird dem, was wir geleistet und erreicht haben, in meinen Augen nicht gerecht."

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Hummels` Clubtrainer Niko Kovac kann Löws Kurs ebenfalls schwer nachvollziehen. "Meine Spieler sind enttäuscht. Gerade die Endgültigkeit mit 30 und 29 schon als altes Eisen bezeichnet zu werden, das ist nicht richtig", erklärte der Bayern-Cheftrainer.

"Es gibt nichts Besseres und Größeres für einen Fußballer, als für sein Land zu spielen", betonte Kovac. Er riet den von Löw aussortierten Thomas Müller, Jérôme Boateng und Hummels zu einer Trotzreaktion, "um sich selbst und allen anderen zu beweisen, dass sie die Qualität haben, für ihr Land zu spielen."

Diese Qualität hatte Löw dem Trio der ehemaligen Weltmeister nach langen gemeinsamen Jahren abgesprochen. Kovac setzt auf den ungebrochenen Ehrgeiz von Müller, Hummels und Boateng in den nun folgenden wichtigen Vereinsspielen: "Jeder Einzelne weiß, das es jetzt mal so ist. Das ist Vergangenheit." Alle seien "Profis und tolle Charaktere, die es in ihrer Laufbahn schon oft bewiesen haben: Wenn der Druck groß ist, sind sie zu Höchstleistungen imstande."

Hummels hätte "wirklich gerne nochmal alles dafür gegeben, etwas Vergleichbares zu wiederholen" wie den WM-Triumph in Brasilien. "Und das lässt mich alles andere als kalt, weil ich es geliebt habe, für Deutschland zu spielen." Verwundert äußerte sich der Münchner auch deshalb, weil man bisher mit den handelnden Personen beim DFB "stets fair miteinander umgegangen" sei.

Löw bleibt nach der teilweise heftigen Kritik bei seiner Linie. Am 15. März will der Bundestrainer Teil II seines neuen EM-Planes präsentieren und dabei die nächsten Geheimnisse um seinen erneuerten Kader für den Länderspiel-Auftakt 2019 lüften. Das bestätigte die DFB-Abteilung Nationalmannschaft am Donnerstag. Der entschlossene Löw setzt auf den Zeitfaktor. Die Sportliche Leitung hält die Unruhe nach so einer tiefgreifenden Entscheidung für normal, bei einer Trennung nach langer gemeinsamer Zeit gebe es nie nur Gewinner.

Nach der mit heftigen Debatten verbundenen Ausmusterung der drei ehemaligen Weltmeister wird der Bundestrainer in der kommenden Woche mit seinen Assistenten Markus Sorg und Andreas Köpke die Feinabstimmung des Umbau-Konzepts in Angriff nehmen. Auch mehrere Spielbeobachtungen sind bis zur Kader-Bekanntgabe geplant. Am 20. März tritt das DFB-Team in Wolfsburg zu einem Testspiel gegen Serbien an. Vier Tage später beginnt in Amsterdam gegen die Niederlande die Ausscheidung für die paneuropäische EM 2020.

Kovac berichtete am Donnerstag vom Löw-Besuch bei den Bayern zwei Tage zuvor. Der Bundestrainer habe zweimal bei ihm angerufen, er sei aber in einer Besprechung gewesen. Beim Kovac-Rückruf saß Löw schon im Flieger Richtung München. "Ich habe nicht gewusst, worum es geht", sagte der Bayern-Trainer, der dann von Löw persönlich über das Nationalmannschafts-Aus für Müller, Hummels und Boateng informiert wurde. Der 47-jährige Kovac riet dem Trio: "Die Gegenwart und die Zukunft kann man beeinflussen, und die heißt FC Bayern München."

Der enttäuschte Müller hat in einer persönlichen Botschaft über die sozialen Netzwerke bereits signalisiert, dass er mit seinen kommenden Club-Auftritten dem Bundestrainer beweisen will, dass dessen Entscheidung falsch ist. "Das Spiel ist noch nicht aus", sagte der 29-Jährige. "Wer mich kennt, der weiß, ich bin ein Kämpfer." Seine Bayern-Kollegen Hummels, Boateng und er selbst seien "noch in der Lage, auf Topniveau Fußball zu spielen".

Löw hatte noch nach dem Abschluss des desolaten Länderspieljahres 2018 mit dem ersten Aus einer deutschen Mannschaft bei einer WM-Vorrunde und dem Abstieg in der Nations League auf die Bedeutung der Achse der erfahrenen Kräfte Manuel Neuer, Hummels, Toni Kroos und Müller verwiesen. Es brauche "auch einen guten Mix zwischen gewisser Erfahrung und jugendlicher Frische, wenn man erfolgreich sein will", hatte der Bundestrainer betont. Jetzt sind nur noch Kapitän Neuer und Real-Madrid-Star Toni Kroos als Vertreter der erfahrenen Generation in Löws EM-Pläne verankert.

Die Reaktionen auf Löws neue, radikale Linie bleiben heftig. "Aus Sicht der Spieler ist die Entscheidung hart und überraschend, aus Sicht des Bundestrainers nachvollziehbar. Die Umsetzung und den Zeitpunkt halte ich für sehr unglücklich", erklärte Jürgen Kohler. Und der Weltmeister von 1990 schloss im Fachblatt "Kicker" an: "Ich wäre sogar noch einen Schritt weiter gegangen, denn so ist es nur ein halber Umbruch. Neuer ist zwar weiter ein erstklassiger Torwart, aber in ter Stegen steht ein sechs Jahre jüngerer und würdiger Nachfolger parat. Kroos wirkt bei Real ausgelaugt."

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Löw erhielt aber auch Zustimmung. "Das ist eine unheimlich konsequente Entscheidung als klares Signal an alle", sagte Ex- Nationalspieler Fredi Bobic. "Die Art und Weise seines Vorgehens war gut, da er die Spieler aufgesucht und mit ihnen gesprochen hat. Das hat Stil", ergänzte der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt. (dpa)