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Hundeattacke vor Gericht

Eine Rentnerin soll von einem Kampfhund angesprungen worden sein. Das Tier hatte schon zwei Mal Leute gebissen.

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© Symbollbild

Von Helene Krause

Döbeln. Ein Kampfhund soll in Leisnig eine ältere Frau angesprungen haben. Diese sei gestürzt, habe sich verletzt. Sie zeigte den Mann an, der das Tier am 3. Juli 2015 ausgeführt hatte. Der 29-Jährige musste sich am Mittwoch wegen fahrlässiger Körperverletzung vorm Amtsgericht in Döbeln verantworten.

Das soll laut Anklageschrift geschehen sein: Der junge Mann war mit vier Hunden auf der Chemnitzer Straße in Leisnig unterwegs. In jeder Hand hielt er zwei Leinen. An jeder war ein Hund angeleint. Gegen 8.15 Uhr soll einer der Hunde, ein Kampfhundemischling, eine Passantin angesprungen haben. Die Frau stürzte und schlug sich den Ellenbogen auf. Der Mischlingshund sei in der Vergangenheit schon auffällig geworden. Am 20. April 2015 soll er eine Frau in Leipzig grundlos angefallen und in die rechte Brust gebissen haben. Außerdem soll er 2014 einen Rentner angefallen und ihn zweimal in den linken Unterarm gebissen haben. Aufgrund dieser Vorfälle stufte das Ordnungsamt Leipzig den Hund als gefährlich ein.

Maulkorbpflicht für Kampfhunde

In der Verhandlung am Mittwoch rechtfertigte sich der Beschuldigte: „Die Frau ist umgefallen, weil der Hund gebellt und sie sich erschrocken hat.“ Der Mischlingshund habe einen Maulkorb getragen. Für gefährliche Hunde besteht in Sachsen eine Anlein- und Maulkorbpflicht.

Eine Zeugin, die den Vorfall in Leisnig beobachtet hat, erklärte, dass der Hund keinen Maulkorb trug. Doch Richter René Stitterich und Verteidiger Rechtsanwalt Andreas Baereke aus Döbeln erinnerten sie daran, dass sie bei der Polizei ausgesagt habe, dass der Hund einen Maulkorb trug. Darauf antwortete die Zeugin: „Ich weiß es nicht mehr. Es ist zu lange her.“ Sie sei zu der geschädigten Rentnerin gelaufen, habe ihr aufgeholfen und sie zum Arzt gebracht. „Der Angeklagte stand nur da und hat gar nichts gemacht“, sagt die Zeugin.

Zwei weitere Zeuginnen erklärten vor Gericht, dass die Rentnerin gestürzt sei, weil der Hund gebellt hatte. Einer der Zeuginnen gehört der Hund. Sie war über das Wochenende verreist und hatte den Mischlingshund dem Angeklagten zur Betreuung gegeben. Nach dem Vorfall besuchte sie die Geschädigte im Krankenhaus. „Ich sagte ihr, dass es mein Hund war“, erklärt sie dem Gericht. Seit den Beißattacken in Leipzig soll der Hund nicht mehr auffällig gewesen sein.

Die mutmaßlich Geschädigte konnte in der Verhandlung nicht als Zeugin befragt werden. Sie ist dement und in einem Pflegeheim untergebracht. Ihre Tochter hatte dem Gericht jedoch eine schriftliche Erklärung geschickt, dass der Hund ihre Mutter nicht angegriffen hätte.

Weil dem Angeklagten eine fahrlässige Körperverletzung nicht nachgewiesen werden konnte, hat das Gericht den 29-Jährigen freigesprochen. Das Urteil ist rechtskräftig.