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Hundehalter hegt Giftverdacht

Volkmar Hennig hat binnen vier Monaten seine Hunde Luna und Rico verloren. Er glaubt, jemand wollte den Tieren Böses.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Gröditz. Beim Blick auf die Fotos beginnt Volkmar Hennigs Stimme zu zittern. Der Verlust seiner beiden Hunde nimmt den Gröditzer schwer mit. „Es waren wunderbare Tiere“, sagt der 63-Jährige. Friedlich seien sie gewesen, gutmütig – und gesund. Doch Ende vorigen Jahres hatte der Gröditzer Hundehalter erst Hündin Luna einschläfern lassen müssen. Und nun, kurz vor Ostern, auch noch den Rüden Rico.

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Wurden Luna und Rico vergiftet?
Wurden Luna und Rico vergiftet? © Eric Weser

So etwas hat Volkmar Hennig noch nie erlebt – obwohl er seit mehr als 50 Jahren Hunde hält. Früher hatten Boxer und Riesenschnauzer bei ihm ein Zuhause. Seit 1999 hat sich Hennig, der in seinem großen Garten in der Nähe vom Floßkanal auch Geflügel züchtet und Hasen hält, sich der Rasse der Bayrischen Gebirgsschweißhunde verschrieben. Jagdhunde, mittelgroß, mit ausgeglichenem Wesen und einer Lebenserwartung von neun bis 15 Jahren. Das erste Exemplar habe er bei einem Österreichurlaub bei einem eher zufälligen Besuch in einem Tierheim aufgegabelt, erzählt er. „Ich hatte ihn sofort ins Herz geschlossen.“

So wie die beiden Nachfolger Luna und Rico. Den 2016 geborenen Rico habe er sich angeschafft, damit der absehbare Abschied von der mehr als zehn Jahre alten Luna nicht so schwerfallen würde, erzählt Volkmar Hennig. „Ich habe das die letzten Jahre immer so gemacht.“ Vertragen hätten sich die beiden wunderbar. Rico habe wie ein Jungbrunnen für die alte Luna gewirkt. „Der hat sie aufgemischt.“ In Gröditz, wo Hennig mit seinen Tieren regelmäßig spazieren ging, hätten viele Passanten die Tiere mit dem rotbraunen Fell bewundert.

Doch die Idylle fand ein jähes Ende. Volkmar Hennig erzählt, wie Luna im Dezember 2017 krank wurde. Auf dem Sessel im Garten habe sie gesessen, sei nicht mehr hochgekommen. Weil der Bauch der Hündin hart war, vermutete Volkmar Hennig einen Darmverschluss und brachte sie zum Tierarzt. Als sich der Zustand der Hündin verschlechterte, ließ der Halter sie einschläfern.

Ein Vierteljahr später zeigt der bis dahin gesunde Rico die gleichen Symptome. Nach einer Blutprobe beim Tierarzt in Gröditz sei klar geworden, dass er schnell in die Klinik musste. Eine Woche lang brachte Volkmar Hennig seinen Rico täglich zur Behandlung nach Riesa. Doch am Ende war alle Mühe der Ärzte vergebens. Weil Volkmar Hennig das Leiden nicht mehr mit ansehen mochte, ließ er auch den jungen Rüden einschläfern.

Dass seine Hunde binnen vier Monaten anscheinend auf die gleiche Weise verendet sind – für Volkmar Hennig ist das kein Zufall. Der Eisenbahner ist überzeugt: Seine beiden Lieblinge sind mutwillig von jemandem vergiftet worden. Hennig hegt den Verdacht, dass jemand aus der Nachbarschaft dahinter stecken könnte. Bei der Polizei habe er deswegen Anzeige erstattet.

Das bestätigt ein Sprecher der Dresdner Polizeidirektion auf SZ-Nachfrage. Weil die Anzeige erst vor einigen Tagen eingegangen sei, stehe man aber noch am Beginn der Ermittlungen. Dabei muss nun geklärt werden, ob überhaupt eine Vergiftung vorgelegen hat.

Aus der Riesaer Tierarztpraxis Boeltzig, in der Rico im März behandelt wurde, heißt es, dass es für eine Vergiftung keine klaren Indizien gebe. Eine eindeutige Ursache für das Nierenversagen sei demnach nicht festzustellen gewesen.

Volkmar Hennig kann sich unterdessen vorstellen, dass Ratten- oder Schneckengift seinen Tieren zum Verhängnis geworden sein könnte. Wo sie es aufgeschnappt haben mögen? Vielleicht auf dem Nachhauseweg vom Garten zur Wohnung, wo er die Tiere kurz von der Leine gelassen habe. „Sonst habe ich immer aufgepasst, nur dort nicht.“ Volkmar Hennig macht sich Vorwürfe. Der langjährige Hundehalter sagt, er wolle sich wieder einen Vierbeiner anschaffen. Aber erst einmal noch nicht. Die Trauer über den Verlust von Luna und Rico ist noch zu groß.