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Hundert Minuten zum Auftakt

Dynamo startet in die Saison – mit viel Regen, dem neuen Torwart Janis Blaswich und einem Abgang zu RB Leipzig.

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© Robert Michael

Von Tino Meyer

In Dresden hat der Sommer Pause. Und passend dazu beendet Dynamo die Sommerpause. Wer will schon bei schweißtreibender Hitze trainieren? So viel Regen wie gestern am späten Nachmittag bei der ersten öffentlichen Einheit hätte es nun allerdings auch nicht sein müssen. Uwe Neuhaus aber interessiert das nicht mal ansatzweise. „Es wurde Zeit, auch für mich. Endlich wieder auf dem Platz stehen“, sagt der neue Trainer und zieht sein Programm komplett durch. Hundert Minuten sind im Stadion angesetzt, also wird hundert Minuten trainiert. Und wie!

Keine öffentlichen Termine, wenig Lust aufs Rasieren. Ralf Minge trägt jetzt Vollbart.
Keine öffentlichen Termine, wenig Lust aufs Rasieren. Ralf Minge trägt jetzt Vollbart. © Robert Michael
Die Nummer eins könnte Janis Blaswich werden – im Tor. Der Neuzugang trägt die Ziffer in jedem Fall als Rückennummer.
Die Nummer eins könnte Janis Blaswich werden – im Tor. Der Neuzugang trägt die Ziffer in jedem Fall als Rückennummer. © Robert Michael
Die Nummer eins in sportlichen Fragen bei Dynamo ist aber er: Cheftrainer Uwe Neuhaus. Fotos: Robert Michael
Die Nummer eins in sportlichen Fragen bei Dynamo ist aber er: Cheftrainer Uwe Neuhaus. Fotos: Robert Michael © Robert Michael

Der lockere Aufgalopp, von dem man an solchen Tagen gern spricht, ist es nicht, wie auch Pascal Testroet feststellt. „Da war ordentlich Tempo drin. Das zeigt, dass alle im Urlaub etwas getan haben“, sagt der Neuzugang von Arminia Bielefeld. Beim Abschlussspiel erzielt er nach Eingabe von Justin Eilers das allererste Tor in der Dynamo-Saison 2015/16 und erzählt danach vom Trainerversprechen, dass der erste Torschütze am Tag darauf frei bekomme. Doch zu früh gefreut. „Bis 10 Uhr – hat der Trainer später dazugesagt.“ Unter Neuhaus darf natürlich auch gelacht werden.

Die erste Einheit mit seiner Mannschaft schätzt er als ordentlich bis gut ein, die Unterstützung von den Rängen als außergewöhnlich. „So groß wie bei Dynamo ist die Identifikation ja fast nirgendwo“, sagt der 55-Jährige. Tatsächlich ist die Haupttribüne erstaunlich voll besetzt. Zeugwart Maik Hebenstreit spricht mit einem Lächeln von mindestens 1 953 Fans, offizielle Schätzungen belaufen sich auf knapp 3 000 – jedenfalls in den ersten Minuten, als es noch trocken gewesen ist.

Mit großer Neugier und noch größerem Applaus empfangen sie die Mannschaft, die angeführt vom Cheftrainer um fünf nach fünf den Rasen betritt. Ein schnelles Mannschaftsfoto, noch eines mit Trainer und den Neuzugängen, das muss vorerst reichen. Angelehnt an die Wand des Spielertunnels beobachtet Ralf Minge die Szenerie fast regungslos. Was er wohl denken mag?

Der Beifall der Fans gefällt ihm natürlich und mit den bislang getätigten Verpflichtungen ist er auch zufrieden. Doch genau diese Konstellation hat es schon mal vor einem Jahr unter Stefan Böger gegeben. Der Neuanfang mit Neuhaus, versichert der Sportvorstand, ist nun jedoch ein anderer. „Wir haben ein sehr solides Fundament, nachdem sich die Mannschaft mit vier Siegen zum Schluss noch versöhnlich aus der vergangenen Saison verabschiedet hat. Ich will nicht komfortabel sagen, doch die Situation ist schon etwas einfacher“, vergleicht Minge.

Abgeschlossen sind die Personalplanungen noch nicht, auch wenn inzwischen der vierte Neuzugang nach Angreifer Testroet, Mittelfeldspieler Andreas Lambertz und Außenverteidiger Fabian Müller feststeht. Janis Blaswich heißt der Torwart von Borussia Mönchengladbach, den Dynamo gestern kurz vorm Trainingsauftakt verpflichtet hat. Der 24-Jährige wechselt auf Leihbasis für ein Jahr nach Dresden und soll Spielpraxis in der 3. Liga sammeln. Schon einige Zeit habe man Blaswich im Fokus gehabt, bekräftigt Minge und bezeichnet den 1,93 Meter großen Schlussmann als „eine Personalie, die gut zu uns passt“.

Zwei, drei erfahrene Spieler sollen jetzt noch verpflichtet werden, zu denen Minge auch Mathias Fetsch zählt. Ende des Monats läuft das Leihgeschäft mit dem nach seinem Kreuzbandriss in der Reha befindlichen Offensivspieler und dessen Verein FC Augsburg aus. Man sei in guten Gesprächen, versichern Fetsch und Minge, sich mit dem bayerischen Bundesligisten auf einen endgültigen Transfer zu einigen.

Einen unerwarteten Abgang muss Dynamo trotzdem hinnehmen. Der seit vergangener Saison auf Honorarbasis beschäftigte Teampsychologe Sascha Lense wird ab sofort für Zweitligist RB Leipzig arbeiten, was vor allem Neuhaus ärgert. Außerordentlich bedauere er Lenses Entscheidung, von der Dynamo laut Minge überrascht worden ist. Dass die Position neu besetzt wird, steht fest, habe momentan aber nicht oberste Priorität, auch nicht für den Trainer. Neuhaus möchte die Mannschaft jetzt kennenlernen, lässt heute und morgen jeweils zweimal trainieren, ehe man sich am Sonntagfrüh für eine Woche ins Trainingslager nach Teistungen verabschiedet.

Seine Bilanz nach dem ersten offiziellen Tag? „Mein positives Bauchgefühl hat sich in allen Punkten bestätigt. Ich glaube, Dynamo und ich passen sehr gut zusammen“, sagt Neuhaus und verabschiedet sich. Große Reden sind ohnehin nicht seine Sache. Auch am frühen Morgen, als er die Mannschaft um halb neun in der Kabine begrüßt hatte, fasst er sich kurz und findet: „Wenige Dinge auf den Punkt gebracht, ist besser.“ Lange Trainingseinheiten schließt das offensichtlich nicht aus.