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Hunderte Wohnungen statt Globus-Markt

Das umstrittene Dresdner Großprojekt ist vorerst vom Tisch. Nicht nur die Einzelhändler freuen sich, sondern auch die Investoren.

© Jürgen-Michael Schulter

Von Kathrin Kupka-Hahn

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Das Gelände zwischen altem Schlachthof und dem ehemaligen Leipziger Bahnhof soll ein Wohngebiet werden. Das hat die rot-rot-grüne Stadtratsmehrheit in der vergangenen Woche beschlossen. Deshalb soll nun ein neuer Masterplan für das gesamte Gebiet an der Leipziger Straße entwickelt werden. Außerdem legten die Stadträte fest, dass in dem neu zu entwickelnden Stadtviertel kein großflächiger Einzelhandel mit über 800 Quadratmetern Verkaufsfläche angesiedelt werden darf.

Somit sind die bisherigen Pläne von Globus, auf dem ehemaligen Bahngelände zwischen Eisenbahn- und Erfurter Straße ein SB-Warenhaus mit rund 8 800 Quadratmetern Verkaufsfläche zu bauen, vorerst hinfällig. Nicht nur bei den Bewohnern Pieschens und der Neustadt kam der neue Stadtratsbeschluss gut an, sondern auch bei den Eigentümern, deren Grundstücke direkt an das Globusgelände grenzen. „Wir freuen uns, dass ein neuer Masterplan entwickelt wird“, sagt Dennis Barth, Geschäftsführer des Projektentwicklers und Bauträgers Procom Invest. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Hamburg und ist seit etwa zehn Jahren Eigentümer des Areals an der Leipziger Straße, das direkt an den alten Schlachthof grenzt.

„Mit Globus hätten wir nicht gebaut“

Ursprünglich gehörten der Procom 6,5 Hektar Fläche dort. Jedoch wurde 2012 ein Teil des Grundstücks an Kaufland verkauft. „Bereits im Sommer 2013 haben wir bei der Stadtverwaltung die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes beantragt“, erklärt Dennis Barth. Mehrere Gebäude mit etwa 350 Wohnungen und kleinteiliges Gewerbe wollte das Unternehmen auf seinem nur noch 4,5 Hektar großen Grundstück errichten. Allerdings wurde der Antrag von der Stadt zunächst zurückgestellt. „Wir hatten noch einige Hausaufgaben zu erledigen“, sagt der Projektentwickler. So fehlten beispielsweise Untersuchungen zum Artenschutz auf dem Gelände. Denn in den vergangenen Jahren haben sich auch auf dieser Brache einige schützenswerte Tiere und Pflanzen angesiedelt, unter anderem Zauneidechsen. Dennis Barth vermutet, dass aber nicht nur der Artenschutz Grund für den Stillstand seiner Pläne war, sondern auch das Globusprojekt. „Wäre das umgesetzt worden, hätten wir auf unserem Grundstück definitiv nicht gebaut“, sagt er. Umso erleichterter ist der Geschäftsführer nun, dass sich die Stadträte für eine andere Entwicklung des Gebietes entschieden haben. „Wir haben das sehr gehofft.“

Nun wird er die bisherigen Pläne der Procom Invest überarbeiten und aktualisieren. Schließlich können mit der jüngsten Stadtratsentscheidung mehr Wohnhäuser gebaut werden, als ursprünglich angenommen. Dennis Barth rechnet damit, dass deutlich mehr als 350 Wohnungen auf dem Procom-Areal entstehen. „Die Entscheidung dafür trifft die Stadt“, sagt er. Auch beim Grundstücksnachbarn Kaufland kommen die neuesten Entwicklungen für die Leipziger Vorstadt und den Neustädter Hafen gut an. „Derzeit ist es natürlich noch zu früh, die Gesamtauswirkungen für unsere Pläne und deren Anpassung an die aktuelle Beschlusslage einzuschätzen“, sagt dessen Pressesprecherin Andrea Kübler. Sie geht davon aus, dass sich die Stadtverwaltung in Kürze mit Kaufland und den anderen Grundstückseigentümern in Verbindung setzen wird, um ein Gesamtkonzept im Sinne des gefassten Beschlusses zu erarbeiten. „Konkrete Ergebnisse können erst in einigen Wochen oder Monaten erwartet werden“, so die Sprecherin.

Kaufland hält somit weiterhin an seinen Plänen fest, einen Einzelhandelsbetrieb auf seinem Grundstück zu errichten. Vermutlich jedoch in abgespeckter Form. „Wir sind für Alternativen zu unserem Handelskonzept offen, da sich auch bei uns mittlerweile der Gedanke durchgesetzt hat, dass die aktuellen Planungsideen wesentlich sinnvoller für die Entwicklung dieses Gebietes sind“, erklärt Andrea Kübler.

Die Globus Warehouse Holding hingegen hält an ihren Plänen fest. Enrico Wilde, Bereichsleiter Standortplanung, sagt: „Gemeinsam mit Dresdner Experten aus den Bereichen Soziales, Sport, Kunst sowie Kultur- und Kreativwirtschaft loten wir gegenwärtig die Bedürfnisse des Stadtteils aus und entwickeln Ideen für ergänzende Angebote rund um den geplanten Globus-Markt.“ Das Unternehmen habe sich zum Ziel gesetzt, den Leipziger Bahnhof für den Stadtteil zu entwickeln. Dazu zählen der Erhalt der historischen Gebäude und die Ausarbeitung eines nachhaltigen Konzepts für deren langfristige Nutzung.