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Pirna

Hupkonzert und Ausraster

Eine Frau wollte in die falsche Richtung aus einem Parkhaus ausfahren. Das gab Streit, einen Verletzten und ein Strafverfahren.

Das Parkhaus Stadtmitte in Pirna. Hier spielte sich der Vorfall ab. © Norbert Millauer

Marcel K. und seine Frau kannten sich in Pirna nicht aus. Nach einem Besuch auf dem Stadtfest fuhren sie am 17. Juni 2018 aus dem Parkhaus „Stadtmitte“ am Thälmann-Platz. Doch statt rechts abzubiegen, wie es die damals gültige Verkehrsführung verlangte, setzten sie den Blinker links, um möglichst schnell wieder auf die Hauptstraße, die B 172, zu gelangen. Was sonst nur eine Ordnungswidrigkeit gewesen wäre, landete nun Monate später vor dem Amtsgericht Pirna.

Was war passiert? Die gewünschte Abkürzung funktionierte nicht. Aufgrund von Bauarbeiten war die Verkehrsführung damals geändert worden. Weil der Verkehr aus der Stadt über die Straße am Ernst-Thälmann-Platz auf die B 172 umgeleitet wurde, war es auch praktisch nahezu unmöglich, aus dem Parkhaus nach links abzubiegen, da sich die Autos von der Ampel weit zurückstauten. Die Frau von Marcel K. versuchte an jenem Stadtfestwochenende trotzdem ihr Glück. 

Ab auf den Grill

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Doch niemand ließ ihr Platz, damit sie sich an der Ampel einreihen konnte. Hinter ihr im Parkhaus bildete sich ein langer Rückstau. „Ich stand und stand, hupte und hupte, aber nichts passierte“, erzählt der Mann, der mit seinem Wagen direkt hinter dem Auto des Ehepaars stand und nun als Geschädigter vor Gericht aussagte. „Die anderen Leute und auch ich hatten ja schon bezahlt und wollten raus. Wenn man aber nicht innerhalb einer Viertelstunde ausfährt, bleibt die Schranke unten“, berichtet der Rentner weiter. Also sei er ausgestiegen und zum Wagen des Ehepaars gegangen. 

Dort habe er gegen die Fahrerscheibe geklopft und die Frau hinter dem Steuer aufgefordert, doch endlich nach rechts abzubiegen und so den Weg nach draußen auch für die anderen freizugeben. Das hatte den Ehemann, der auf dem Beifahrersitz saß, offensichtlich sehr erzürnt. Auch er stieg aus, lief um sein Auto herum zu dem 80-jährigen Pirnaer und schubste ihn. Der Senior ging zu Boden und schlug sich den Kopf auf. Die Platzwunde musste anschließend im Krankenhaus versorgt werden. Nun sagt Marcel K., ihm seien wohl die Nerven durchgegangen. Im Gerichtssaal entschuldigt er sich bei dem Geschädigten.

Weil der Angeklagte nie zuvor polizeilich in Erscheinung getreten war und auch von Anfang an Verantwortung für seine Tat übernommen hatte, stellte Richterin Simona Wiedmer das Verfahren gegen die Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 1 500 Euro ein. Zusätzlich verpflichtete sich Marcel M. zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 200 Euro an den Geschädigten. Mit der Verfahrenseinstellung ist der Angeklagte gut bedient, denn inzwischen ist die Gesetzeslage ziemlich streng, was Gewalttaten im Straßenverkehr betrifft. Theoretisch hätte Marcel K. auch der Führerschein entzogen werden können.

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