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Wer als Erster das neue Appleprodukt kaufen will, dem ist kein Weg zu weit. Ein Besuch in der Warteschlange.

© Sven Ellger

Von Anna Hoben

Dusan Dadko trägt eine ausgebeulte grüne Jogginghose und eine Pilotenbrille. Halb sitzt er, halb liegt er in einem Campingstuhl, die Füße auf einem Sechserpack Mineralwasser abgelegt. Er streckt sein Gesicht der Sonne entgegen. So sieht es an diesem Tag aus, wenn Dusan Dadko arbeitet. Der 27-Jährige wird von seinem Arbeitgeber dafür bezahlt – zu warten.

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Ansturm auf das iPhone 6 in Dresden

Die Dresdner Innenstadt am Freitagmorgen: Polizisten müssen den Eingang zur Altmarktgalerie sichern, in desse Nähe sich ein Apple-Store befindet.
Die Dresdner Innenstadt am Freitagmorgen: Polizisten müssen den Eingang zur Altmarktgalerie sichern, in desse Nähe sich ein Apple-Store befindet.
Die Dresdner Filiale gehört zu denen, in denen die ersten Exemplare des neuen iPhones verkauft wird.
Die Dresdner Filiale gehört zu denen, in denen die ersten Exemplare des neuen iPhones verkauft wird.
Das sorgte für einen ordentlichen Menschenauflauf.
Das sorgte für einen ordentlichen Menschenauflauf.
Ob alle Enthusiasten an eines der Exemplare kommen, ist allerdings unklar.
Ob alle Enthusiasten an eines der Exemplare kommen, ist allerdings unklar.
Die ersten Interessenten hatten sich bereits am Mittwoch vor der Altmarktgalerie eingefunden. So wie Ali Leila, der von den Mitarbeitern des Apple-Stores ein Schild bekommen hatte, das ihn als ersten Käufer autorisierte. Leila kam extra aus Berlin.
Die ersten Interessenten hatten sich bereits am Mittwoch vor der Altmarktgalerie eingefunden. So wie Ali Leila, der von den Mitarbeitern des Apple-Stores ein Schild bekommen hatte, das ihn als ersten Käufer autorisierte. Leila kam extra aus Berlin.
Dafür reisten die "Apple"-süchtigen unter anderem auch aus Tschechien, der Slowakei und Österreich an.
Dafür reisten die "Apple"-süchtigen unter anderem auch aus Tschechien, der Slowakei und Österreich an.
Die ersten Exemplare des Gerätes gingen an Ali Leila. Der 22-Jährige war extra aus Berlin nach Dresden gekommen ...
Die ersten Exemplare des Gerätes gingen an Ali Leila. Der 22-Jährige war extra aus Berlin nach Dresden gekommen ...
... und ein beliebtes Motiv für Fotografen und Kameramänner.
... und ein beliebtes Motiv für Fotografen und Kameramänner.
Entspannung und Kaffee vor der Altmarktgalerie.
Entspannung und Kaffee vor der Altmarktgalerie.
Einige Ausharrer verschliefen den Verkaufsstart offenbar.
Einige Ausharrer verschliefen den Verkaufsstart offenbar.
Doch auch in der Schlange gab es offensichtlich Erholungsbedarf.
Doch auch in der Schlange gab es offensichtlich Erholungsbedarf.
Ordnung muss sein, die Schlange zog sich akkurat durch den Konsumtempel.
Ordnung muss sein, die Schlange zog sich akkurat durch den Konsumtempel.
Für eventuelle Notfälle war man gerüstet.
Für eventuelle Notfälle war man gerüstet.
Die Ausdauer ließ bei vielen zwar nach, aber notärztliche Hilfe war offenbar nicht vonnöten.
Die Ausdauer ließ bei vielen zwar nach, aber notärztliche Hilfe war offenbar nicht vonnöten.
Mitarbeiter des Apple-Stores erkläten das Prozedere.
Mitarbeiter des Apple-Stores erkläten das Prozedere.
Mit fröhlichem Klateschen motivieren sich die Mitarbeiter.
Mit fröhlichem Klateschen motivieren sich die Mitarbeiter.

Dadko stammt aus der Slowakei, er lebt in Wien, und worauf er wartet, das ist ein kleines weißes Gerät, mit dem man telefonieren und ins Internet gehen kann: das iPhone 6. Am Mittwoch hat er sich in Österreich ins Auto gesetzt, zusammen mit vier Kollegen und Freunden. Gegen elf Uhr abends kam die Gruppe in Dresden an.

Heute ist der erste Tag, an dem es das neue iPhone zu kaufen gibt. Dadko und seine Kollegen werden jeweils zwei Exemplare kaufen, mehr ist nicht erlaubt. In Wien wird seine Firma die iPhones weiterverkaufen. In der ersten Woche nach Erscheinen dürfte sich etwa das Doppelte des normalen Kaufpreises erzielen lassen. 700 Euro beträgt der, das neue iPhone 6 Plus gibt es für stolze 1.000 Euro. Aus der PR-Abteilung von Apple ist zu hören, dass die Vorbestellungen schon jetzt Rekorde gebrochen haben. Innerhalb von 24 Stunden sei die Vier-Millionen-Marke überschritten worden. Wer zu langsam ist, muss wegen Lieferengpässen möglicherweise bis Oktober warten. Wer das unmöglich in Kauf nehmen kann, der muss eben jetzt warten.

Vor der Altmarkt-Galerie ist ein Lager entstanden. Neben der Tür zum Altmarkt hin – sie öffnet morgens als Erste – sind Campingstühle an der Wand aufgereiht. Auf vielen liegen Schlafsäcke; wer seinen Platz in der Warteschlange behalten will, muss ihn natürlich nachts verteidigen. Auch Dusan Dadko hat hier übernachtet; geschlafen hat er nicht viel, „die Typen vorne in der Schlange waren ziemlich laut“. Immerhin muss Dadkos Arbeitgeber ihm für diese Dienstreise kein Hotelzimmer bezahlen. Der junge Mann, der dem Eingang am nächsten ist, hält ein Schild in der Hand, auf dem steht: „Ich bin der Erste für das iPhone 6!“ Dann kommt Dusan Dadkos Gruppe, dann eine Gruppe bärtiger Araber aus Berlin, die sich die Zeit mit Kartenspielen an einem Tisch vertreiben.

Die Schlange vor der Altmarkt-Galerie ist die Parallelwelt einer kleinen, eingeschworenen Gemeinschaft. Die Cafégäste auf dem Platz nebenan gucken und tuscheln. Was die hier wohl alle machen? Eine Kellnerin kommt, zündet sich eine Zigarette an und stellt sich zur Kartenspielergruppe. „Darf ich mal fragen, was das hier für eine Veranstaltung ist?“ Die Berliner klären sie auf. „Ach so, ich hatte gedacht, das ist eine Demonstration oder so.“ Die Berliner lachen. „Free Gaza!“, ruft einer.

Die Wartenden kommen aus Tschechien, Polen, Österreich, Belgien, Russland, Weißrussland und der Ukraine – Länder, in denen es keinen offiziellen Apple-Store gibt. In Deutschland gibt es 13, und Dresden ist lange nicht so überlaufen wie München oder Berlin; daher auch der Besuch der Berliner Araber. Wenn man etwas über die Statistik der Wartenden wissen will, muss man einen Mann namens Letse Akhmedovitch Edilov fragen. Der 52-Jährige kommt aus Belgien, er war schon 2013 in Dresden und 2012, als die damals neuen iPhones erschienen. Vor zwei Jahren haben sich die Leute um die Plätze in der Warteschlange gekloppt, sagt er.

Deshalb hat er die Sache in diesem Jahr in die Hand genommen und eine Liste angelegt. Edilov ist jetzt der Chef der Wartenden. Der kleine, schmächtige Mann klappt ein weißes Buch auf, darin stehen alle Namen der Anwesenden und die Anzahl ihrer Begleitpersonen. Wenn die Security sie kontrolliert, steht da alles schwarz auf weiß, ordentlich organisiert. Auch Edilovs Tochter Pema Edilova, 24, ist dabei. Warum sie das neueste iPhone sofort haben müsse? „Ich weiß auch nicht, es ist wie eine Sucht.“ Wer hier ein Samsung besitze, solle das besser nicht laut sagen, scherzt sie.

Dusan Dadko wartet auf seine Kollegen, die gerade unterwegs sind. Tagsüber wechseln sie sich ab mit Warten, zwei bleiben im Camp. Dadko will sich jetzt auch mal die Stadt anschauen. Ungeduldig guckt er auf sein Smartphone. Es ist ein Samsung.